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OBWALDEN: Beschwerde vermiest die Käseproduktion

Mit «Parmino» hat er sich einen Namen gemacht. Nun bringt eine WWF-Beschwerde gegen die Alpnacher Ortsplanrevision Käser Martin Flüeler in Bedrängnis.
Christoph Riebli
Käser Martin Flüeler bereitet den Käse für den Abtransport vor. (Bild: Boris Bürgisser / Neue LZ)

Käser Martin Flüeler bereitet den Käse für den Abtransport vor. (Bild: Boris Bürgisser / Neue LZ)

Christoph Riebli

Sein Parmino-Käse ist schweizweit bekannt. Selbst in den Regalen von Coop und Migros ist der Alpnacher Hartkäse zu finden. Doch anstatt sich über den Erfolg zu freuen, ist Martin Flüeler derzeit «extrem gefrustet», wie der Unternehmer und Tüftler sagt. Der Grund: Sein Betrieb kann nicht mit dem Erfolg mitwachsen – in baulicher Hinsicht, ihm fehlt es an Platz. «Aufgrund grösserer Aufträge schwinden die Lagerbestände in Alpnach, und mit der Produktion kommen wir auch nicht hinterher.» In Davos stellt Flüeler deshalb seit geraumer Zeit einen gewichtigen Teil seines Parminos her.

Beschwerde bedingt Provisorium

Hintergrund: Im Februar stimmten die Alpnacher mit grosser Mehrheit der Ortsplanrevision zu – mitunter der Einzonung von 1170 Quadratmeter Landwirtschaftsland in eine Gewerbezone. Auf dieser Fläche, wo heute ein alter Stall unmittelbar neben Flüelers Betrieb steht, möchte der 43-Jährige mit seiner Käseproduktion weiter wachsen. 5 Millionen Franken nimmt er dafür in die Hand. Pfannenfertig wäre das Projekt. Vor einem Monat erfuhr er dann, dass der WWF gegen die gesamte Ortsplanrevision opponiert (siehe Kasten) – im März ging die Beschwerde bei der Regierung ein.

«Abgefahren» sei, sagt Flüeler, dass er davon von keiner Behörde je etwas erfahren habe. Private hätten es ihm schliesslich «gesteckt». Auf den Schock folgte Pragmatismus: Flüeler hat bei der Gemeinde ein Gesuch für ein Provisorium eingereicht und bewilligt erhalten. «Die 100 000 Franken für das Provisorium müssen am Schluss auf null abgeschrieben werden», ist er sich bewusst. Weder Einrichtung noch Maschinen kann er später weiterverwenden. Immerhin: In rund zwei Monaten kann er dafür die Produktion etwas erhöhen.

Lukratives Angebot in Gefahr

Besonders bitter ist dies, weil Flüeler für die Betriebserweiterung von der Gemeinde seit Jahren auf genau diese Ortsplanrevision vertröstet wurde. Er wiederum vertröstet die Migros – sein grösster Parmino-Abnehmer – seit drei Jahren: Für sie soll er künftig eine neue Käsespezialität herstellen. Doch dafür braucht es auch eine neue Einrichtung, für die wiederum der Platz fehlt. «Realistisch gesehen steht meine neue Käserei erst in drei Jahren», befürchtet Flüeler nun wegen der Beschwerde, «das Migros-Projekt ist bis dann wohl vergessen oder durch eine andere Käserei besetzt.» Auch der Käse bräuchte dann noch Zeit zum Reifen. «Niemand kann ernsthaft glauben, dass die Migros fünf Jahre darauf wartet!»

Martin Flüelers Verbitterung ist gross. Mühe bereitet ihm, dass er selbst nicht weiss, wo es im «Staatsgetriebe» klemmt und harzt. Einzig den WWF zu verteufeln, greift für ihn zu kurz. «Es nervt mich, wenn man sagt, die Gewerbler sind zu wenig innovativ und produzieren am Markt vorbei. Ich will nicht mit dem Finger auf Personen zeigen, doch unser System führt mit 100-prozentiger Sicherheit dazu, dass vielen KMU Mut und Schnauf für neue Investitionen vergehen.» Für «Blockierer» gebe es heute zu viele Möglichkeiten, jahrelange Planungen zu torpedieren, selbst dann noch, wenn ein eindeutiger Volksentscheid vorliege wie jener vom Februar in Alpnach.

Spielball in der Raumplanung

Hilflos fühlt sich Flüeler auch in einer weiteren Hinsicht: Sein Vater hatte sich bereits 1992 dafür eingesetzt, den ehemaligen Schweinemaststall anderweitig nutzen zu können. Er wurde von der Gemeinde auf später vertröstet. Eine Umzonung von der Landwirtschafts- in die Gewerbezone verwehrte der Kanton 2004 wegen drohender Hochwassergefahr. Mit dem Hochwasserschutzprojekt Kleine Schliere hat sich diese Befürchtung wieder verflüchtigt.

Als Martin Flüeler dann vor sechs Jahren den Betrieb übernahm, glaubte er, bald bauen zu können. Doch sein Begehren für eine Zonenerweiterung verschwand schliesslich in einer Schublade bei der Gemeinde – vier Jahre ging gar nichts.

Absicherung wird zur Belastung

Mit der nun auf Eis gelegten Neueinzonung wuchsen schliesslich die Ansprüche an das Projekt: «Die Zukunft und der Fortbestand der Käserei erforderten eine ganzheitliche Planung», erklärt der Alpnacher. Eine Konsequenz: Um die relativ grosse Produktionsfläche wirtschaftlich auslasten zu können – um seine Investition abzusichern –, kauft er seit Jahresbeginn die Milch von zehn Kernser Bio-Bauern zur Herstellung von Bio-Sbrinz. Es ist eine weitere Belastung, die ohne Neubau in Sicht ist. Denn die Bio-Milch fliesst nun ebenfalls ins Provisorium. «Das verkompliziert die ganzen Arbeitsabläufe. Bio-Milch kann nämlich nicht einfach so auf der gleichen Produktionslinie wie normale Milch verarbeitet werden.» Wiederum leide die Produktivität.

«Es war einfach nur genial», sagt Martin Flüeler im Rückblick auf die Urnenabstimmung vom 28. Februar. Damals glaubte er «Gewissheit» zu haben, dass es für ihn in Obwalden Platz hat. Bis anhin verkäste er rund 1,7 Millionen Kilogramm Obwaldner Milch im Jahr – notabene mit markant höherer Wertschöpfung für die Bauern, als wenn sie diese an die Industrie verkaufen. «Es wäre eigentlich absurd, wenn ich diese Wertschöpfung nach Davos verlagern müsste.»

Alpnach könnte Präjudiz werden

Beschwerde cri. Gerüchteweise hört man, der WWF wolle in Alpnach mit seiner Beschwerde ein Exempel statuieren – gegen den verschwenderischen Umgang mit Bauland. «Ein Exempel ist es bestimmt nicht», sagt Marc Germann, Geschäftsführer des WWF Unterwalden auf Anfrage. «Ich unterschreibe aber, dass in Obwalden, ja in der ganzen Zentralschweiz, nicht sehr haushälterisch mit Bauland umgegangen wird.» Deswegen habe der WWF auch schon diverse Einsprachen bei Luzerner Gemeinden platziert. Das Verfahren in Alpnach sei aber am weitesten fortgeschritten, deshalb besitze der Fall schon eine gewisse Relevanz, so Marc Germann.

Keine Kritik an Käsereiprojekt
Der WWF fordert die konsequente Umsetzung des verschärften Raumplanungsgesetzes (RPG), das 2014 in Kraft trat. Deshalb habe man nach dem positiven Urnenentscheid der Alpnacher zu ihrer Ortsplanrevision im März auch Beschwerde erhoben. «Wir haben absolut nichts gegen das Projekt der Käserei einzuwenden», stellt Germann klar, «wir kritisieren die gesamte Teilzonenplanrevision».
Die Gemeinde Alpnach habe es dabei etwa unterlassen, den zeitlichen Bedarf für ihre Baulandreserven auszuweisen. «Also ob die Reserven für 15 Jahre, wie es das RPG fordert, oder beispielsweise für 40 Jahre reichen.» Auch habe die Gemeinde in Flugplatznähe eine grosse Landwirtschaftszone in eine Zone für öffentliche Zwecke umgewandelt. Und zwar ohne eine gleichgrosse Fläche andernorts wieder auszuzonen.
Bis wann die Beschwerde durch die Obwaldner Regierung behandelt wird, ist beim zuständigen Departement nicht in Erfahrung zu bringen. Der WWF rechnet nach rund 6 Monaten mit einem ersten Entscheid.

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