OBWALDEN: Bessere Finanzierung für junge Pflegefälle

Für junge Pflegebedürftige wird es auch in Zukunft keine spezialisierten Institutionen in Obwalden geben. Der Regierungsrat will aber die Finanzierung langfristig stärker auf den Einzelfall abstimmen.

Franziska Herger
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Eine Frau im Rollstuhl in ihrer Wohnung. Für die Nidwaldner Regierung ist klar: «Nicht jedes Bedürfnis, sei es noch so berechtigt, soll per Gesetz geregelt werden.» (Archivbild Neue NZ)

Eine Frau im Rollstuhl in ihrer Wohnung. Für die Nidwaldner Regierung ist klar: «Nicht jedes Bedürfnis, sei es noch so berechtigt, soll per Gesetz geregelt werden.» (Archivbild Neue NZ)

Franziska Herger

franziska.herger@obwaldnerzeitung.ch

Junge Menschen, die wegen einem Unfall oder einer Krankheit wie Multiple Sklerose, ALS oder einem Schlaganfall pflegebedürftig werden, finden in Obwalden keine auf sie zugeschnittenen Institutionen. Sie haben daher oft nur die Wahl zwischen einem Leben in einem Alters- oder Pflegeheim, einem Heim für Menschen mit Behinderung wie der Stiftung Rütimattli, oder einem langjährigen Aufenthalt in Krankenhäusern oder Rehabilitationseinrichtungen.

Eine unbefriedigende Situation, fand der SP-Fraktionspräsident und Sarner Gemeindeschreiber Max Rötheli. Per Postulat forderte er im Dezember 2014 einen Bericht über die Lage junger Pflegebedürftiger in Obwalden und Möglichkeiten zu deren Verbesserung. Im Kanton Uri wurde gleichzeitig ein fast identischer Vorstoss eingereicht. Die Kantone gaben daher gemeinsam bei der Hochschule Luzern–Soziale Arbeit einen Fachbericht in Auftrag, der nun vorliegt. Er rät davon ab, in Obwalden spezialisierte Institutionen für junge Pflegefälle aufzubauen. Denn: Im Kanton wurden nur 12 junge Pflegebedürftige ermittelt, die heute zwischen 18 und 64 Jahre alt sind. Davon sind drei unter 30 Jahre, und eine weitere Person zwischen 30 und 39 Jahre alt. Die eine Hälfte von ihnen wohnt zu Hause und wird dort von Angehörigen und der Spitex Obwalden betreut und gepflegt, die andere Hälfte lebt in verschiedenen Pflegeheimen im Kanton.

Institutionen in anderen Kantonen sind zu weit weg

Ein neues stationäres Angebot wäre zudem mit erheblichem personellem und finanziellem Aufwand verbunden, so der Bericht. Spezialisierte Institutionen in den umliegenden Kantonen, vor allem in Luzern und Zug, kämen dagegen für die meisten Betroffenen und ihre Angehörigen wegen der Entfernung nicht in Frage. Trotzdem empfiehlt der Obwaldner Regierungsrat in seinen Erwägungen zum Fachbericht, auf bereits bestehende Angebote in der Zentralschweiz zurückzugreifen.

Die Hochschule rät weiter, die Angehörigen möglichst früh auf bestehende Unterstützungs- und Begleitungsangebote hin­zuweisen, wie sie im ambu­-lanten Bereich neben der öffentlichen Spitex auch von privaten Spi­tex­organisationen, dem Roten Kreuz, der Pro Senectute Obwalden oder Pro Infirmis Zentralschweiz angeboten werden. Der Kanton will abklären, wie die Angehörigen besser Zugang zu diesen Informationen finden. Zuständig ist das Gesundheitsamt, wie dessen Leiter Patrick Csomor auf Anfrage mitteilt.

Ideale Lösung soll nicht am Geld scheitern

Kompliziert ist die Finanzierung bei jungen Pflegefällen: Die Gemeinden sind verantwortlich für Pflegefinanzierung und Betreuung, während die Finanzierung im Behindertenbereich zu einem Viertel den Gemeinden und zu drei Vierteln dem Kanton obliegt. «Zudem ist die normale Pflege­finanzierung nicht in jedem Fall auf die Bedürfnisse junger Pflegebedürftiger ausgerichtet», sagt Patrick Csomor. «Das kann zu Finanzierungsengpässen führen.»

Klarheit bringen soll ein bestehendes Projekt der Zentralschweizer Regierungskonferenz. Unter dem Stichwort Subjekt­finanzierung soll eine besser auf die betroffene Person zugeschnittene Finanzierung möglich werden. «Ende 2018 dürften wir erste Massnahmen erarbeitet haben», sagt Anton Pfleger, Leiter des Sozialamts Obwalden, auf Anfrage. Weiter empfiehlt der Regierungrat der interkommu­nalen Gesundheitskommission, die Möglichkeiten und Grenzen eines Case Managements, das heisst einer einzelfallgerechten Koordination, zu überprüfen.

Postulant unterstützt Haltung der Regierung

Max Rötheli ist zufrieden mit dem Fachbericht und den vom Regierungsrat vorgeschlagenen Massnahmen. «Ich erwarte allerdings, dass der kleine Kanton Obwalden für pragmatische Lösungen offensteht. An der Finanzierung sollten ideale Lösungen für die Betroffenen nicht scheitern.» Der Regierungsrat beantragt dem Kantonsrat, den Bericht an seiner Sitzung vom 27. Oktober zur Kenntnis zu nehmen.