OBWALDEN: Biker preisen Waldgesetz – zu Recht?

In der Mountainbike-Szene wird das neue Waldgesetz des Kantons begeistert aufgenommen. Der Baudirektor warnt allerdings vor allzu viel Enthusiasmus.

Adrian Venetz
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Teilnehmer der Bike-O-Tour 2013 an der Schliere in Alpnach. (Bild Philipp Schmidli)

Teilnehmer der Bike-O-Tour 2013 an der Schliere in Alpnach. (Bild Philipp Schmidli)

Adrian Venetz

«Obwalden gibt alle Wanderwege für Mountainbiker frei» – so lautet die Überschrift eines Artikels, der kürzlich auf der Internetplattform des «Ride Magazins» publiziert wurde. Zur Erinnerung: Das neue Waldgesetz des Kantons befindet sich derzeit in der Vernehmlassung. Es ersetzt die Forstverordnung von 1960. Unter anderem wird im Gesetzesentwurf das Mountainbiken im Wald geregelt. Dies ist in der geltenden Verordnung nicht der Fall. Das Mountainbiking habe «heute im Wald eine Bedeutung erlangt, die nicht mehr ignoriert werden kann», schrieb die Regierung vor der Vernehmlassung. So seien in Obwaldner Wäldern beispielsweise Downhill-Pisten oder Biketrails errichtet worden, ohne vorher die Waldeigentümer oder den zuständigen Forstdienst zu kontaktieren.

Freie Fahrt auf allen Wanderwegen?

Künftig soll das Velofahren prinzipiell nur auf Waldstrassen und -wegen erlaubt sein. Für spezielle Bikewege braucht es neu eine Bewilligung. Es dürfe nicht sein, so sagte Baudirektor Paul Federer im Dezember gegenüber unserer Zeitung, dass einige unbedachte Biker kreuz und quer durch Jungwälder rasen und so zur Belastung für die Natur werden. Was man unter einem «Weg» zu verstehen hat, definiert der Kanton ebenfalls in der Gesetzesvorlage: Gemeint seien hiermit «bestehende und dauerhaft eingerichtete Pfade».

Und genau hier spitzen die Mountainbiker die Ohren und frohlocken. Im besagten Artikel des «Ride Magazins» lautet dies so: «Übersetzt heisst dies: Der Kanton Obwalden öffnet auf Gesetzesstufe den Mountainbikern sein gesamtes Netz an Wanderwegen. Demnach ist Mountainbiken im Kanton Obwalden auf als Wanderweg markierten Singletrails prinzipiell erlaubt.» Und weiter: «Damit nimmt Obwalden in der Schweiz eine Vorreiterrolle ein.» Erstmals gebe eine Kantonsbehörde schriftlich vor, was sie unter dem Begriff «Weg» verstehe. «Mit ‹dauerhaft eingerichteten Pfaden› ist unmissverständlich das gesamte Netz an Wanderwegen gemeint.»

«Nicht einfach eine Träumerei»

Autor des Artikels und gleichzeitig Herausgeber des Davoser «Ride Magazins» ist Thomas Giger. Legen die Biker den vorliegenden Gesetzesentwurf nicht etwas zu sehr zu ihren Gunsten aus? «Keineswegs», sagt Giger gegenüber unserer Zeitung. «Das ist nicht einfach eine Träumerei. Wir haben uns in einschlägigen Kreisen umgehört und stehen mit dieser Interpretation nicht alleine da.» Fakt sei, dass der Kanton Obwalden ziemlich genau definiere, was Bikern erlaubt sei und was nicht.

Beliebt in der Biker-Szene sind vor allem sogenannte Singletrails. Dies sind schmale Pfade und Wege, auf denen man nicht nebeneinander fahren kann – typische Wanderwege in höheren Lagen. Und da der Kanton Obwalden ein riesiges Netz an Wanderwegen hat, entsteht mit der neuen Gesetzesregelung – so die Interpretation der Mountainbiker – auch ein riesiges Netz an «legalen» Singletrails.

Kaum im Sinne des Erfinders

Der Obwaldner Baudirektor Paul ­Federer, der sich besagten Artikel nach Anfrage unserer Zeitung ebenfalls zu Gemüte geführt hat, warnt vor voreiligen Schlüssen. «Derzeit läuft die Vernehmlassung.» Diese diene dazu, allfällige Mängel in der Gesetzesvorlage zu erfassen und darauf reagieren zu können. «Es kann nicht im Sinne des Erfinders sein, dass das Biken künftig auf jeglichen Wanderwegen im Kanton vorbehaltlos erlaubt ist.»