OBWALDEN: Bischof Huonder will mehr sein als nur Zuschauer

Zur offiziellen Bruder-Klaus-Feier in Sarnen ist auch Bischof Vitus Huonder eingeladen. Doch dieser sagt ab und zeigt sich leicht pikiert. Nun darf er an einer «Alternativ-Feier» als Redner auftreten – ausgerechnet am 19. August.

Adrian Venetz
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Bischof Vitus Huonder (74) vor der Kathedrale in Chur. (Bild: Arno Balzarini/Keystone)

Bischof Vitus Huonder (74) vor der Kathedrale in Chur. (Bild: Arno Balzarini/Keystone)

Adrian Venetz

adrian.venetz@obwaldnerzeitung.ch

«Missbraucht und zurechtgebogen» werde Bruder Klaus. Der Schutzpatron «würde sich im Grab umdrehen». Das «grenzt an Blasphemie». – So reagierten einige unserer Leser im Internet auf die zusätzliche Gedenkfeier zum 600-Jahr-Jubiläum von Bruder Klaus am 19. August (Ausgabe von gestern). Für Aufregung sorgt vor allem die Tatsache, dass mit dem Churer Bischof Vitus Huonder und dem SVP-Politiker Christoph Blocher gleich zwei Redner auftreten, die polarisieren.

An der Spitze des Vereins «Die Schweiz mit Bruder Klaus» steht die Obwaldner Kantonsrätin und SVP-Kantonalpräsidentin Monika Rüegger. Sie betont auf Anfrage, dass die Gedenkfeier am 19. August in Flüeli-Ranft keine Konkurrenz zum bestehenden Programm darstelle, sondern eine Ergänzung. «Unsere Veranstaltung ist eine Feier für die ­ganze Familie und hat wunderbar Platz neben all den Anlässen, die der Trägerverein organisiert.»

Allerdings ist diese «Alternativ-Feier» ausgerechnet an jenem Datum, an dem abends das Visions­gedenkspiel auf einer Wiese zwischen Sachseln und Flüeli-Ranft zum ersten Mal aufgeführt wird. «Das ist purer Zufall», betont Monika Rüegger. Das Premierendatum des Visionsgedenkspiels sei noch nicht bekannt gewesen, als man den 19. August für die Gedenkfeier mit Huonder und Blocher festlegte. «Zudem findet unsere ­Feier tagsüber statt und nicht am Abend – die beiden Termine überschneiden sich also nicht», sagt Monika Rüegger. Auch sie hat die Leserkommentare gesehen. «Ich bin schon überrascht, wie viele Leute den Bruder Klaus für sich pachten wollen und zu wissen glauben, wie er geurteilt hätte.» Zudem sei der Artikel in unserer Zeitung «fast ketzerisch verfasst» gewesen und «respektlos gegenüber Christoph Blocher und Bischof Vitus Huonder». Ihr sei bewusst, dass Vitus Huonder keine unumstrittene Person sei. «Aber er ist unser Bischof. Ich begegne ihm mit grossem Respekt, und wir sind geehrt, dass er als Redner zugesagt hat. Wenn einzelne Personen ein Problem mit ihm haben, ist das für mich sekundär.»

Diplomatisch auf die zusätzliche Feier reagiert Beat Hug, Projektleiter des offiziellen Trägervereins. «Grundsätzlich freuen wir uns über das grosse Interesse an Niklaus von Flüe», sagt er auf Anfrage. «Wenn es weitere Projekte und Anlässe zum Jubiläum gibt, sehen wir das nicht als Konkurrenz, sondern als Ergänzung und Bereicherung.» Als Gesamtprojektleiter des Trägervereines werde er «nicht andere Projekte und Anlässe bewerten oder sie beurteilen», sagt Hug.

War Bischofsrede auf dem Landenberg unerwünscht?

Pikant: Eingeladen für die nationale und offizielle Gedenkfeier vom 30. April auf dem Landenberg in Sarnen wurde – neben anderen kirchlichen Würdenträgern – auch Bischof Vitus Huonder. Dieser aber hat sich entschuldigt. «Der Kanton ist der Gastgeber und lädt zum Staatsakt ein, nicht der Trägerverein», sagt Beat Hug dazu. Der Anlass auf dem Landenberg sei ein «weltlicher und nationaler Staatsakt, nicht eine kirchliche Feier», deshalb werden «keine kirchlichen Würdenträger Reden halten, sondern weltliche Persönlichkeiten».

Bischof Huonder wurde also als Gast eingeladen, ein öffentlicher Auftritt war für ihn aber nicht vorgesehen. Offenbar war der Bischof darüber etwas pikiert. Der Churer Bistumssprecher Giuseppe Garcia gab unserer Zeitung gestern dazu folgende schriftliche Stellungnahme ab: «Obwohl Bischof Vitus Huonder der Bischof des Bistums ist, in dessen Gebiet Bruder Klaus gewirkt hat, wurde er an keinen Anlass eingeladen, um zu den Feierlichkeiten einen eigenen Beitrag zu leisten. Man hat ihn auf dem Landenberg nur als Zuhörenden vorgesehen. Die Anfrage erfolgte zudem erst im August 2016, sodass der Bischof für den 30. April bereits eine Firmung angenommen hatte. Als dann die Anfrage des Komitees ‹Schweiz mit Bruder Klaus› kam, hat der Bischof erfreut zugesagt, weil er so doch noch Gelegenheit bekommt, öffentlich zum 600. Geburtstag des Heiligen Bruder Klaus diesen zu würdigen.»