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OBWALDEN: Christoph Amstad blickt auf sein erstes Regierungsjahr zurück

Vor einem Jahr hat Christoph Amstad das Justiz- und Sicherheitsdepartement übernommen. Weshalb er seither nur noch mit Helm zur Arbeit fährt und was ihn am jüngsten Bundesratsentscheid stört, erzählt er im Gespräch.
Christoph Riebli
Regierungsrat Christoph Amstad in seinem Büro im Polizeigebäude. (Bild: Christoph Riebli (Sarnen, 5. Juli 2017))

Regierungsrat Christoph Amstad in seinem Büro im Polizeigebäude. (Bild: Christoph Riebli (Sarnen, 5. Juli 2017))

Interview: Christoph Riebli

christoph.riebli@obwaldnerzeitung.ch

Vor einem Jahr rückte Christoph Amstad (CVP) als Nachfolger von Hans Wallimann in die Obwaldner Regierung nach. Seither ist er Vorsteher des Sicherheits- und Justizdepartements. Viel ist passiert, und geschäftig geht es auch im Hier und Jetzt zu. Auch wegen Bruder Klaus, der mitten an der Wand von Christoph Am­stads Büro im Sarner Polizeigebäude hängt. Die Feierlichkeiten rund um den Eremiten fordern nämlich auch «seine» Mitarbeiter. «Dezent im Hintergrund», wie Amstad sagt. Dazu kommt das gestrige Bundesratsreisli mit grossem Vorbereitungsaufwand in puncto Sicherheit. Allesamt Arbeiten, die im Foribach abseits des Trubels im Stillen vor sich gehen. «Es wird nicht alles gegen aussen getragen, doch in Obwalden gibt es alles, was es in anderen Kantonen auch gibt», meint der Sarner zu den Kriminalfällen. Und: «Ich habe grossen Respekt vor der täglichen Arbeit der Polizei. Hut ab!»

Verzeihen Sie also die Einstiegsfrage zum Jahresrückblick mit dem Sicherheits- und Justizdirektor:

Christoph Amstad, gerade gestern haben mich Ihre Mitarbeiter geblitzt, mit dem grünen, getarnten Radargerät. Hinterrücks! So Sachen hören Sie jetzt wohl öfters?

Also erstmals muss sich jeder selber an der Nase nehmen, der zu schnell fährt. Wir haben klare Spielregeln, das ist wie im Fussball, wenn man ein Foul macht …

… ja, gerade im Fussball wird jeweils ausgiebig diskutiert …

Diskutieren kann man, das stimmt. Doch wenn ich solche Reaktionen er­halte, geht es eher darum, mich hochzunehmen, wie jetzt bei Ihnen. Auf der anderen Seite gibt es etwa den Fall ­Stuechferich, der ja auch in der Zeitung auftauchte, wo Einzelpersonen an mich gelangten und wegen Radarkontrollen reklamierten. Das sind aber wirklich Einzelfälle. Doch es gibt auch Meldungen aus der Bevölkerung wie:«Gopfridstutz, macht dort mal Kontrollen, dort wird immer zu schnell gefahren!» Das leite ich dann jeweils weiter.

Sie blitzt es ja eher weniger als Velofahrer.

(Lacht) Aufpassen muss ich trotzdem, etwa bei Rotlicht oder beim Bahnübergang. Ich bin aber tatsächlich viel mit dem Velo unterwegs. Das sorgte auch schon für Verunsicherung: Gerade zu Beginn erhielt ich oft Reaktionen, ob ich überhaupt im Büro sei. Mein Parkplatz vor dem Polizeigebäude steht nämlich meist leer und das Velo versteckt im Veloständer. Das hat sich inzwischen aber geklärt.

Wie sind Sie als Regierungsrat unterwegs, noch im Prolog oder schon mitten in den Bergetappen?

Der Prolog war sehr schnell durch. Gerade die Situation in und um die Kesb hat mich anfangs stark beschäftigt. Es war sehr emotional und laut. Auch die Sitzung im Kantonsrat. Heute bin ich erleichtert, dass wir eine Lösung für die Entbindung von Beistandspflichten gefunden haben. Es brauchte etwas Geduld, doch wir sind nun auf einem guten Weg. Auch generell, dank einem super Team. Denn ohne Team geht wie im Radsport gar nichts.

Ihr grösstes Aha-Erlebnis bisher?

Einerseits war das beim neuen Abstimmungsgesetz, wo es darum ging, neue Abstimmungscouverts einzuführen. Dafür musste eine Botschaft mit 30 Seiten ausgearbeitet und im Gesetz über 40 Artikel angepasst werden. Da dachte ich schon: wau, das alles wegen eines neuen Couverts! Andererseits war ich mir bisher nicht bewusst, was die Fachstelle Gesellschaftsfragen, die dem Sozialamt angegliedert ist, alles leistet. Inzwischen weiss ich, dass dort sehr viele Projekte mit Bund und Gemeinden laufen, die zu einem grossen Teil fremdfinanziert werden.

Genau diese Fachstelle wollte man ja schon wegsparen im Kantonsrat.

Ja, das stimmt. Eindrücklich ist für mich dabei, dass mit extrem wenig Leuten und Mitteln einiges erreicht wird. Wir durften gerade kürzlich an der Sozialdirektorenkonferenz in Brunnen ein solches Obwaldner Projekt vorstellen, wo es um die Frühintegration und -förderung von Kindern geht. Es machte mich stolz, dass auch ein kleiner Kanton zeigen kann, wir machen mit bescheidenen Mitteln etwas, das grosse Wirkung haben kann.

Was beschäftigt Sie denn am meisten: Asyl, Polizei oder Justiz?

Im Moment ist der Asylbereich gerade wieder ein aktuelles Thema mit der Geschichte im Glaubenberg. Auch der Aufbau der kantonseigenen Sozialdienste Asyl als Nachfolger der Caritas ist für mich zentral. Da lege ich den Fokus darauf, dass das gut läuft. Eine grosse Kiste war auch die Bürgerrechtsrevision, die über drei Jahre vorbereitet wurde und im Kantonsrat nach intensiven Diskussionen um die Sprachenfrage dennoch gut auf die Schiene kam. Auch im Polizeibereich bin ich stolz, dass wir eine Lösung mit dem Feuerwehrinspektorat Nidwalden gefunden haben. Es ist natürlich keine grosse Sache, doch es hat Symbolwirkung, dass künftig mehr Zusammenarbeit betrieben wird – zum Vorteil beider Kantone.

Was bringt Sie eigentlich aus der Ruhe und nervt Sie?

Wenn es unehrlich und gemein wird, dann kann ich schon auch laut werden. Was mich zuletzt wirklich nervte, war die Art und Weise, wie Bundesrätin Sommaruga den Glaubenberg als Standort für ein Bundesasylzentrum abservierte. Unsere Vernehmlassungsantwort war nämlich noch auf der Post, als sie sich bereits entschieden hatte. Das war schon eher die unfeine Art von partnerschaftlicher Zusammenarbeit und das habe ich ihr in Bern auch so gesagt.

Ihre Antwort?

Dass man jetzt positiv nach vorne schauen wolle, ganz ohne selbstkritische Töne. Ich störe mich vor allem daran, dass wir seit Ende März nichts mehr aus Bern hörten und dann plötzlich vor scheinbar voll­endete Tatsachen gestellt wurden. Das war anders abgemacht.

Gibt es ein Rückkommen?

Aktuell ist gerade politische Sommerpause in Bern. Wir müssen uns danach auf den Weg machen und klären, was wir mit dem Glaubenberg genau erreichen wollen. Denn A zieht sich das Militär 2020 von dort zurück und B läuft der Asylbetrieb noch voraussichtlich bis Mitte 2022. Wir müssen den Fokus also generell auf den Standort legen, ob mit oder ohne Asylzentrum. Das klare Ziel ist, die bestehenden Gebäude auch weiterhin nutzen zu können.

Als Finanzexperte wären Sie der prädestinierte Nachfolger von Hans Wallimann gewesen. Sind Sie eventuell auch froh, das heisse Eisen «Finanzstrategie» nun doch nicht in den Händen zu halten?

Im Grundsatz tragen wir von der Regierung alle die Verantwortung für die Finanzstrategie mit. Alle Departemente müssen Sparpotenziale und Ertragsoptimierungen aufzeigen. In dem Sinne ist es ein Gemeinschaftswerk. Schliesslich gibt es in allen Departementen Herausforderungen, die wir angehen müssen und dürfen. Da spielt «das liebe Geld» immer eine Rolle. Ich glaube auch nicht, dass es ein Schoggi-Departement gibt, mit weniger oder einfacherer Arbeit.

Ich erlebe Sie als sehr zugänglich und humorvoll. Müssen Sie sich seit Amtsantritt stärker abgrenzen?

Man muss sicher nicht immer alles zu ernst nehmen. Vor allem sich selbst nicht. Ich sage immer: Heiterkeit entlastet das Herz. Mir ist es wichtig, dass ich als Mensch mit all meinen Charakterzügen so bleibe, wie ich bin. Darum habe ich auch nicht so Schwierigkeiten, mich abzugrenzen.

Dann bewegen Sie sich noch genau gleich im Dorf wie zuvor?

Jein. Ich bin sicher nicht mit hohlem Kreuz und geschwellter Brust unterwegs. Das einzige, was ich wahrnehme, ist, es kennen mich jetzt mehr Leute. Die wissen genau, das ist der Amstad dort drüben. Und ich habe dann jeweils keine Ahnung, wer das ist und denke, von wo kenne ich den oder die jetzt schon wieder? Übrigens: Dass ich wahrgenommen werde, zeigt, dass ich mir einen Velohelm zugelegt habe. Ich wurde zuvor mehrmals darauf hingewiesen, dass ich jetzt als Regierungsrat eine Vorbildfunktion hätte (lacht).

Wie schalten Sie eigentlich ab?

Am liebsten mit Familie oder Freunden. Das klappt aber auch sehr gut beim Joggen, dann bin ich in meiner Welt. Den Sport sehe ich allgemein als Ausgleich zu den vielen Apéros, zu denen man als Regierungsrat eingeladen ist (lacht). Zum Ziel gesetzt habe ich mir zudem die Teilnahme am nächsten Jungfrau-Marathon.

Stichwort Freizeit: Was hat sich für Ihre Familie seit Amtsantritt verändert?

Ich hoffe nicht viel. Ich versuche der gleiche Vater und Ehemann zu sein wie zuvor. Einzig die Koordination der Familienagenda ist ein wenig anspruchsvoller geworden. Doch das liegt nicht nur an mir. Meine Kinder sind jetzt 10 und 16. Von dieser Seite gilt es bereits auch schon, einige Termine zu berücksichtigen.

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