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OBWALDEN: Daniel Wyler will kein Parolendrescher sein

Am 18. Oktober werden der National- und der Ständerat von Obwalden gewählt. Für den Sitz in der Grossen Kammer hat Amtsinhaber Karl Vogler (CSP) in der Person von SVP-Kandidat Daniel Wyler einen Konkurrenten erhalten.
Daniel Wyler, SVP, 55, Engelberg, Jurist/Unternehmensleiter. (Bild: Corinne Glanzmann / Neue NZ)

Daniel Wyler, SVP, 55, Engelberg, Jurist/Unternehmensleiter. (Bild: Corinne Glanzmann / Neue NZ)

Engelberg Wer Daniel Wyler in ein Schema pressen möchte, das man gemeinhin einem «typischen» SVP-Kandidaten zuschreibt, wird rasch eines Besseren belehrt. Und wer ihm vorhält, dass er mit seinen politischen Ansichten genauso gut in einer Mittepartei aufgehoben wäre, dem widerspricht der 55-jährige Jurist gar nicht erst. Zwar politisiert er in vielen Themen im Einklang mit dem rechtsbürgerlichen Lager. Demgegenüber gibt es aber auch einige typische, von der SVP besetzte Streitplätze, die massgeblich dazu beigetragen haben, dass die SVP zur wählerstärksten Schweizer Partei gewachsen ist – Streitplätze, auf denen sich Daniel Wyler aber nur bedingt mit «seiner» Partei identifizieren kann. Prominentestes Beispiel: Ausländerpolitik. Hier weicht Wyler bisweilen von der strammen Parteilinie ab. «Ich bin nicht einer, der sagt: ‹Ausländer raus!› Ich sage: Wir brauchen diese Leute in der Arbeitswelt.»

Argumentieren statt polemisieren

Fast schon in Rage gerät Wyler beim Thema Flüchtlingsproblematik: Wie andere Staaten betreibe auch die Schweiz hier vorwiegend eine «Pflästerli-Politik» und konzentriere sich auf Symptombekämpfung, statt zu fragen: «Wo liegt denn eigentlich das wahre Problem?» Es sei richtig und wichtig, dass die SVP ein kritisches Auge auf die Flüchtlingspolitik halte. «Aber die Art und Weise, wie die SVP das tut, gefällt mir nicht immer», spricht Wyler den zuweilen aggressiven Ton an. «Ich bin kein Parolendrescher», sagt er. «Ich will nicht polemisieren, sondern argumentieren.» Wer Daniel Wylers politische Arbeit im Kantonsrat mitverfolgt, weiss, dass er nun nicht dem Wahlkampf zuliebe den gemässigten SVP-Mann zur Schau stellt. Auch im Kantonsparlament lässt er sich von niemandem vorschreiben, wie er abzustimmen hat. Dass er sagt, was er denkt, und dabei nicht immer erst das Parteiprogramm konsultiert, hat dem gebürtigen St. Galler im Kantonsrat grossen Respekt verschafft. Sogar innerhalb der eigenen Partei: Seit 2012 ist er Fraktionspräsident der SVP.

«Nicht besser, aber sicher anders»

Gegen den Strich geht es ihm, wenn politische Gegner desavouiert werden. «In der Politik kämpft man nicht gegen eine Person, sondern für eine Sache.» Genau deshalb liege es ihm auch fern, die Arbeit von Karl Vogler in Bern zu kritisieren. «Ich würde es nicht besser machen als er, aber sicher anders.» Dies gelte zum Beispiel in Sachen Sozialpolitik: «Können wir das Demografieproblem mit Mehrwertsteuern und höheren Lohnabzügen lösen?», fragt Wyler und liefert die Antwort gleich selbst: «Definitiv nein!» Hinter der AHV-Finanzierung stehe ein Umlageverfahren – sprich: Die Jungen müssen die Alten mitfinanzieren. «Dieses System wird in spätestens in 10 bis 15 Jahren zusammenbrechen. Hier brauchen wir völlig neue Lösungsansätze von kreativen Köpfen.» Ein SVP-Mann ist Wyler nach eigenen Angaben auch in Fragen der Steuerpolitik und der Landwirtschaft. Ein «schlanker und effizienter Staat» liege ihm sehr am Herzen.

Tochter schwärmte von Engelberg

Wyler arbeitet seit 2002 als Direktor beim Schweizerischen Verband für Gemeinschaftsaufgaben der Krankenversicherer (SVK) in Solothurn. Das sei «ein extrem spannender Job», welcher verschiedene Themen beinhalte, die ihn interessieren – Medizin, Gesetzgebung, Sozial- und Krankenversicherung. Seit diesem Jahr sitzt Daniel Wyler zudem in der Konzernleitung von Santésuisse. Gerade weil er viel unterwegs ist, schätzt er es, seine freien Tage in seiner Wohnung in Engelberg zu verbringen. Was sein Privatleben angeht, äussert sich Daniel Wyler nur sehr zurückhaltend. Er tönt aber an, dass es nicht immer in angenehmen Bahnen verlief und er als alleinerziehender Vater auch an Grenzen stiess, vor allem nach dem Tod der Mutter seiner vier erwachsenen Kinder. «Es war, besonders für die Kinder, keine einfache Zeit», sagt er rückblickend.

Heute pflege er zum Sohn und den drei Töchtern ein freundschaftliches Verhältnis. Es war übrigens eine Tochter, die ihn vor langer Zeit nach Engelberg geführt hat. Sie war als Teenager in einem Skilager im Klosterdorf. «Als sie zurückkam, sagte sie: ‹Paps, Engelberg ist genial!›», erinnert sich Wyler. Seine heutige Lebenspartnerin wohnt in Luzern und «interessiert sich glücklicherweise nicht gross für Politik», wie er lachend anmerkt. In seiner Freizeit sitzt er hin und wieder auf den Töff – vor allem dann, wenn er «abschalten» will. «Auf dem Töff muss man sich auf die Strasse konzentrieren und kann an nichts anderes denken.»

Adrian Venetz

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