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OBWALDEN: Das Velofahren gibt den Frauen neue Freiheiten

Migrantinnen lernen in Sarnen Velofahren. Der Kurs findet zum ersten Mal im Kanton Obwalden statt. Er soll den Frauen neue Chancen eröffnen.
Martin Uebelhart
Velokurs: Migrantinnen üben sich auf dem Sportplatz der Sarner Schule im Slalomfahren. (Bild: Pius Amrein)

Velokurs: Migrantinnen üben sich auf dem Sportplatz der Sarner Schule im Slalomfahren. (Bild: Pius Amrein)

Pünktlich zum Kursbeginn setzt Regen ein. Doch davon lassen sich die Leiterinnen und Teilnehmerinnen des Velokurses für Migrantinnen nicht abhalten. Zunächst üben sie am Samstagvormittag Slalomfahren auf dem Sarner Schulhausplatz. Immer wieder kurven die acht Frauen – die meisten von ihnen stammen aus Eritrea – zwischen den kleinen Pylonen hindurch. Sie sollen Sicherheit erlangen auf dem Zweirad. Sie üben Manöver wie das Zurückschauen und das einhändige Fahren, wenn es um das Abbiegen geht. Dabei wird viel gelacht, die Frauen haben sichtlich Spass. Und auch die Theorie gehört dazu: Monika Küng, Co-Präsidentin von Pro Velo Unterwalden, erklärt den Frauen die Bedeutung der verschiedenen Verkehrszeichen und geht mit ihnen Verkehrsregeln durch. Jene Teilnehmerinnen, die am sechsten und letzten Kurstag bereits über genügend Können verfügen, streifen sich eine gelbe Weste über und drehen in Begleitung von Helferinnen eine Runde auf der «richtigen» Strasse.

«Ich fahre schon ganz stabil»

«Ich habe schon viel gelernt», sagt Tsega Kesete im Gespräch mit unserer Zeitung. Sie habe viel Freude am Velofahren, eine Herausforderung sei es jedoch noch, einhändig zu fahren. Das findet auch Silav Atroshi aus dem Nordirak etwas vom Schwierigeren. «Ich bin noch nicht perfekt, aber ich fahre schon ganz stabil», sagt sie. Auf der Strasse sei sie allerdings noch nicht gewesen: «Ich möchte gerne, doch bisher habe ich mich noch nicht getraut.» Den Kurs macht sie, damit sie mit ihren Kindern Velofahren kann. Und sie kann sich auch vorstellen, einst mit dem Velo zur Arbeit zu pedalen.

«Velofahren gibt diesen Frauen eine Freiheit, eine Unabhängigkeit», sagt Küng. Sie müssten teilweise mit 10 Franken im Tag auskommen – jede Zugfahrt sei da eine grosse Ausgabe. «Oder ich beobachte, wie sie schwere Einkäufe zu ihren Wohnungen schleppen.» Da könne ein Velo eine Erleichterung sein. «Sie sind sehr begeistert, konzentriert und motiviert», sagt Küng. «Es hat jedes Mal geregnet an den Kurstagen, und am Anfang war es zum Teil hart. Einige haben bestimmt am nächsten Tag gut gespürt, was sie gemacht haben.»

Für die Migrantinnen bedeute ein solcher Kurs auch Integration und einmal «aus dem Haus kommen», hält Küng fest. «Und wenn sie etwas erreichen, wovon sie gar nicht gedacht haben, dass sie das schaffen, gewinnen sie an Selbstvertrauen. Sei das nun ein Deutsch- oder ein Velokurs.»

Türen geöffnet

Pro Velo Unterwalden hat zum ersten Mal einen solchen Velokurs durchgeführt. In Bern und in der Ostschweiz etwa gibt es die Kurse schon länger und auch in der Zentralschweiz an einzelnen Orten (siehe Box). «Die Kurse sind ein Projekt von Pro Velo Schweiz», sagt Monika Küng. «Wir wurden angefragt, ob wir auch solche durchführen möchten.» Also habe man die Nachfrage abgeklärt und nach Unterstützung gesucht. «Und da sind für uns alle Türen aufgegangen», freut sie sich. Die Gemeinde stelle den Sportplatz und Räumlichkeiten für die Betreuung der Kinder unentgeltlich zur Verfügung und ein lokaler Händler die Velos für den Kurs. Die Arbeit der Helferinnen sei weitgehend ehrenamtlich, so Küng. «Wir erhalten eine kleine Entschädigung.» Einen Unkostenbeitrag leisten auch die Teilnehmerinnen. Und auch auf Spenden kann Pro Velo zählen. «Es gibt auch Frauen, die kein eigenes Velo haben, jedoch eines möchten, um das Gelernte weiter zu üben», so Monika Küng. Zwei Frauen habe man eine Occasion fast kostenlos vermitteln können. «Sie könnten es sich nicht leisten, für zwei-, dreihundert Franken ein Velo zu kaufen.»

Martin Uebelhart

Velokurse scheitern oft an fehlendem Personal

Pro Velo Luzern hat 2013 und 2014 einen Velokurs für Migrantinnen durchgeführt. Jeweils ein gutes Dutzend Frauen haben laut Geschäftsführerin Barbara Irniger teilgenommen. Die Rückmeldungen seien sehr positiv gewesen. Im vergangenen Jahr konnte der Kurs nicht durchgeführt werden, da der Leiterin die Zeit dafür fehlte. Mit einem neuen Konzept nehmen jetzt zwei Frauen die Planung wieder auf, sagt Irniger. Pro Velo Luzern hofft auf die Durchführung erster Kurse im Frühling 2017. Keine Velokurse für Migrantinnen und Migranten bietet Pro Velo Sursee an. Ein Vereinsmitglied habe vor ein paar Jahren auf privater Basis einen Kurs angeboten, hält Präsidentin Marianne Steiner fest. Eine Übernahme des Kurses ins Programm von Pro Velo sei dann am Zeitmangel der betreffenden Person gescheitert. Eine Schwierigkeit sei auch die fehlende Unterstützung solcher Kurse durch den Bund – im Gegensatz etwa zu Velokursen für Kinder, sagt Steiner.

Regelmässige Kurse in Uri

Ebenfalls aus personellen Gründen musste Pro Velo Zug eine Anfrage für einen Kurs für Flüchtlinge abschlägig beantworten. Die Gemeinde Cham hatte Interesse bekundet, so der Verein gegenüber unserer Zeitung.
Im Kanton Uri werden seit 2013 Velokurse für Migrantinnen durchgeführt. Vermittelt werden sie über die Deutschkurse und das Rote Kreuz. Laut Ruth Simon von Pro Velo Uri sind jeweils 9 bis 11 Teilnehmerinnen dabei. Die meisten von ihnen können am Ende des Kurses mehr oder weniger sicher alleine fahren.
Mehr Informationen: www.pro-velo.ch

mu/om

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