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OBWALDEN: Der Anwalt für die Interessen der Fische

Das Wasser und seine Bewohner begleiten ­Fischereiaufseher Armin von Deschwanden das ganze Jahr: vom Notausfischen an heissen Sommertagen bis zur Aufzucht über den Winter.
Christoph Riebli
Der kantonale Fischereiaufseher Armin von Deschwanden und Praktikantin Helena Vogler beim Foribach in Kerns. (Bild Corinne Glanzmann)

Der kantonale Fischereiaufseher Armin von Deschwanden und Praktikantin Helena Vogler beim Foribach in Kerns. (Bild Corinne Glanzmann)

Christoph Riebli

«Extrem angefressen» sei er gewesen, erinnert sich Armin von Deschwanden an seine Jugendzeit zurück. «Bereits morgens um vier bin ich mit dem Töffli nach Melchsee-Frutt gefahren, um dort zu fischen.» Ein Hobby, das der 32-Jährige auch heute noch mit viel Leidenschaft ausübt. Doch: «Irgendeinmal habe auch ich genug von den Fischen», gesteht der Kernser ein. Seit er vor drei Jahren kantonaler Fischereiaufseher wurde, fährt er nicht mehr so oft mit seinem Boot auf den Alpnachersee raus. Schliesslich könne er sich nicht auch noch in seiner ganzen Freizeit mit den Schuppentieren beschäftigen, erklärt er. Kulinarisch hält von Deschwanden aber nach wie vor zu Felchen, Forellen & Co. Sein Lieblingsgericht: ein mit Speck ummantelter Hechtbraten mit Gemüsefüllung auf dem Grill – ein Kollege von ihm macht seiner Meinung nach den besten.

Zweiten Traumjob gefunden

Wer nun denkt, dass Armin von Deschwanden zum Fischereiaufseher berufen ist, irrt zumindest zur Hälfte: «Bis 2012 arbeitete ich als Forstwart, das war mein Traumjob!», sagt der stämmige Mann. «War» deshalb, weil er aufgrund eines Bandscheibenvorfalls den ärztlichen Ratschlag beherzigte, den Rücken fortan zu schonen und sich möglichst bald nach einem anderen Beruf umzusehen. «Das hat mir sehr zu schaffen gemacht», meint von Deschwanden dazu. Ohne grosse Hoffnungen bewarb er sich dann 2013 auf die ausgeschriebene Stelle als Obwaldner Fischereiaufseher. Nach erfolgreich bestandener Berufsprüfung kann er heute sagen: «Ich habe einen zweiten Traumjob gefunden.» Schon immer habe er gerne in der Natur gearbeitet, nun auch noch das Hobby zum Beruf machen können.

Die Zeichen der Natur lesen

«Ausgelernt, das hat man als Fischereiaufseher mit 100-prozentiger Wahrscheinlichkeit nie», ist von Deschwanden überzeugt. Er steht mit Gummistiefeln im oberen Foribach in Kerns, hebt einen Stein aus dem Wasser und zeigt auf dessen Unterseite. Köcherfliegenlarven tummeln sich darauf. «Ein gutes Zeichen», stellt der Fischereiaufseher fest. Ihm dienen die kleinen Tiere als Bio-Indikator – mit ihrer Präsenz zeigen sie, dass mit der Wasserqualität alles im Reinen ist. Ihren Köcher, den schützenden Panzer, der wie eine Höhle ausschaut, bauen sich die Larven aus kleinen Steinen oder auch Tannennadeln – «was gerade zur Verfügung steht», führt von Deschwanden fasziniert aus. «Schon nur darüber liesse sich eine Doktorarbeit schreiben.»

Einflüsse der Zivilisation im Blick

Mit dem Kontrollieren der Fischer und deren Patenten ist die Arbeit eines Fischereiaufsehers in der heutigen Zeit längst nicht mehr getan: «Meine Hauptaufgabe ist es, die Vielfalt der einheimischen Wasserlebewesen und deren Lebensräume zu erhalten. Ich setze mich so auch für die Interessen der Fische ein», erzählt von Deschwanden weiter. «Ich bin also eine Art Anwalt für diese Tiere». Wird in der Nähe eines Baches gebaut, ist er zur Stelle. Bei Bedarf 24 Stunden am Tag: Fliesst irgendwo etwas in ein Gewässer, das dort nicht hineingehört, klingelt von Deschwandens Telefon. Trocknet im heissen Sommer, wie im letzten Jahr geschehen, ein Bachbett aus, leitet er eine Notausfischung zur Rettung der grösseren Bachbewohner in die Wege. Und das ist nur ein kleiner Teil seiner Arbeit.

Steckbrief für jeden Bach

«Ohne Helfer könnte ich meinen Job gar nicht machen», windet er den freiwilligen Fischereiaufsehern und weiteren helfenden Händen im Kanton ein Kränzchen. Auch bei seinem Augenschein im Foribach hat er Unterstützung dabei: die Biologin Helena Vogler aus Lungern. Sie hat gerade ihren Bachelor-Abschluss an der Uni Zürich gemacht und will sich nun auf das Themenfeld Gewässerökologie spezialisieren. Dafür absolviert sie derzeit ein freiwilliges Praktikum in der Abteilung Umwelt beim Kanton. «Wir erstellen hier ein Bewirtschaftungskonzept, eine Art Steckbrief für jeden Obwaldner Bach», erklärt die 24-Jährige. Das systematische Erfassen sämtlicher relevanter Informationen soll künftig auch die Frage klären, ob der Besatz mit Jungfischen vor Ort Sinn macht oder die «natürliche Verlaichung» ausreichend funktioniert.

Ferienstopp von Oktober bis Mai

Damit hängt die zweite grosse Arbeit des Fischereiaufsehers zusammen: die Aufzucht und das Aussetzen von Felchen, See- und Bachforellen. Pro Jahr züchtet von Deschwanden schätzungsweise 200 000 Forellen und 4 Millionen Felchen, welche in Gewässern mit eingeschränkter Fortpflanzung eingesetzt werden sollen.

Damit das möglich ist, hat der Fischereiaufseher von Oktober bis Mai jeweils Ferienstopp. Praktisch sieben Tage die Woche kümmert er sich dann in der Brutanlage um die Laichgewinnung und das tägliche Aussortieren unbefruchteter Eier – «eine Tüpflischiisser-Arbeit», wie er sagt. Sobald die kleinen Fische aus ihren Eiern geschlüpft sind, ist das Füttern und vor allem die Putzerei, «wegen der Hygiene und sonst drohender Krankheiten», ein tägliches Muss.

Von Orten mit Wasser angezogen

«Schon als Bub war ich vom Wasser fasziniert, etwa beim Baden oder Böötlifahren. Auch auf wenn ich Ferienfotos anschaue, fällt mir auf, dass es mich immer an Orte mit Seen, Flüssen oder Bächen hinzieht», schildert Armin von Deschwanden seine Faszination für das kühle Nass. Gerade in der Schweiz als Wasserschloss Europas gelte es dazu besonders Sorge zu tragen, fügt er an. Dem pflichtet auch die Biologin Helena Vogler bei – eine begeisterte Sporttaucherin: «Ich möchte mit meiner Arbeit einen kleinen Teil dazu leisten, dass unser Wasser auch künftig so sauber und gesund bleibt.»

In unserer Sommerserie «Mit Wasser im Element» stellen wir Nid- und Obwaldner vor, die in ihrem Beruf oder in der Freizeit massgeblich mit Wasser zu tun haben. Bisher erschienene Beiträge finden Sie unter www.nidwaldnerzeitung.ch/serien oder www.obwaldnerzeitung.ch/serien.

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