OBWALDEN: Der grosse Appetit auf die Alpbeizli

Zwischen Brünig, Pilatus und Titlis gibt es offiziell 37 Alpbeizli. Wie beliebt sie sind, erkennt man etwa auf dem Sattelpass.

Romano Cuonz
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Im Alpbeizli Sattelalp geniessen Besucher Atmosphäre und Aussicht (Bild: Romano Cuonz / Neue OZ)

Im Alpbeizli Sattelalp geniessen Besucher Atmosphäre und Aussicht (Bild: Romano Cuonz / Neue OZ)

Bergwirt Andreas Gasser (links) und der Älpler Sepp Huser kochen Älplermagronen für die Wanderer. (Bild: Romano Cuonz / Neue OZ)

Bergwirt Andreas Gasser (links) und der Älpler Sepp Huser kochen Älplermagronen für die Wanderer. (Bild: Romano Cuonz / Neue OZ)

«Stundenlang wanderten wir schon auf den Spuren von Nik Hartmann über Bergpfade, als mein Begleiter plötzlich den Wegweiser zum ‹Alpbeizli Sattelpass› entdeckte», erzählt die Lehrerin Elisabeth Eckinger aus Wetzikon ZH. Nun sitzen die beiden an einem mit wundervoll farbigen Bergblumen geschmückten Tisch. Mächtig Durst und Appetit hätten sie, sagt die Frau. Auf einer Tafel ist das ganze Angebot an Getränken und einfachen «Plättli» mit Kreide notiert: kalte Milch und Ovo etwa, Café crème oder Kafi fertig, Chäs­schnitte, Chäsbrättli, Wienerli, Schüblig oder auch ganz einfach ein Biberli.

Seit 40 Jahren auf der Alp

«Unsere Auswahl ist eher bescheiden, aber zusammen mit der guten Luft und dem prächtigen Weitblick bis in die Berner Alpen schmeckt es doppelt und dreifach», sagt Andreas Gasser. Der pensionierte Sekundarlehrer aus Lungern führt seit diesem Alpsommer mit dem Sattelalp-Älpler Sepp Huser das Beizli. 2003, nach dem Wiederaufbau der vom Sturm Lothar zerstörten Gebäude, ist es entstanden. «Auf die heurige Saison haben wir es nun erweitert», sagt Huser, der seit 40 Jahren auf dieser Alp tätig ist. «Die Bewilligung, zu wirten und auch Alkohol auszuschenken, habe ich von der Gemeinde Giswil. Ab und zu besucht uns eine Lebensmittelkontrolleurin», schildert Sepp Huser. Dazu bezahle er eine pauschale Kurtaxe fürs Übernachten auf den zwölf Massenlager-Schlafplätzen.

Froh um helfende Hände

Er selber habe eigentlich mit den 70 Rindern, drei Kühen und fünf Kälbern auf der Alp bereits alle Hände voll zu tun. «Deshalb bin ich heilfroh, dass mein neuer Kollege, Andreas Gasser, die Gäste mit Freude und Enthusiasmus bewirtet und betreut», anerkennt der Älpler. Als weitere zupackende Hilfskraft geht zurzeit auch noch der 19-jährige Student Rafael Bänziger aus Wald AR dem Älpler zur Hand. «Chässchnitten kann ich schon wie ein Obwaldner zubereiten», schwärmt der Student, der später Maschinenbau studieren möchte.

Stammgäste und neue Gesichter

«Eine nennenswerte Einnahmequelle ist die Alpbeiz nicht», versichert Sepp Huser. Eine willkommene Abwechslung in den oft monotonen Alltag der Älpler bringe sie aber alleweil. Andreas Gasser staunt, wie viele verschiedene Gäste er da schon begrüsst hat: Wanderer, Biker, Pilz- und Beerensammler, Jäger, Tier- und Blumenfotografen, ja, sogar der kleine Claudio mit einer Gitarre kommen an diesem Mittelpunkt zwischen Glaubenbielen und Glaubenberg, zwischen Giswil und Flühli LU, vorbei. Der Wanderer Erwin Zimmermann aus Luzern meint: «Auf einer Alp entdeckt man selbst im Nebel ständig Neues.» Und Margrit Zimmermann aus Bern fügt bei: «Besonders schätze ich die Gemütlichkeit, die Ruhe und den Frieden.» In der Tat: Motorfahrzeuge müssen rund drei viertel Stunden weiter unten im «Zwirchi» abgestellt werden. «Das ist gut so», findet Huser, «aber wenn eine Firma oder Gesellschaft bei uns ‹Älplermagronä› essen will, gibt es schon auch einmal eine Ausnahmebewilligung.»

«Wir wissen gut, dass Alpbeizli vom Sommer bis zum Herbst überaus beliebt und mehr und mehr im Trend sind», bestätigt Walter Küchler, SVP-Kantonsrat und Präsident von Gastro Obwalden. «Gegen diesen Strom zu schwimmen, wäre völlig sinnlos», ist er überzeugt. Auf etwas allerdings würden Wirte Wert legen: «In Bergbeizen müssen die gleichen strengen Regeln gelten wie bei uns im Tal.» Eine Revision des Gastgewerbegesetzes mit entsprechenden Zusätzen stehe auch bei Politikern auf der Traktandenliste. «Einerseits ist von einer minimalen Grundausbildung für Bergwirte die Rede. Andererseits geht es um regelmässige Kontrollen, damit die Vorschriften der Gastgewerbeverordnung überall gleich strikte eingehalten werden.» Küchler vermutet, dass es neben den Bergbeizen mit gemeindlichen Bewilligungen noch eine Dunkelziffer gibt, etwa Alpbetriebe, die mit dem grundsätzlich bewilligungsfreien Verkauf von Eigenprodukten zu weit gehen.

Kontrolleure scheuen Weg nicht

«Bei gemeldeten Bergbeizen führen wir wie bei allen andern Gastbetrieben alle vier Jahre unangemeldete Kontrollen durch», beteuert Beat Kollöffel vom Laboratorium der Urkantone in Brunnen. Dabei würde die Qualität der Lebensmittel kontrolliert. Den Hygienevorschriften verleihe man, wenn nötig, Nachdruck. «Besonders darauf achten müssen wir auf Alpen, dass die Aufbereitung des Trinkwassers gut ist», sagt Kollöffel. Wo Vorschriften nicht eingehalten würden, hätten Alpwirte mit Beanstandungen oder gar Strafanzeigen zu rechnen. «Allerdings», lobt Kollöffel, «in den letzten Jahren war auf Obwaldner Bergen stets alles in Ordnung.»