OBWALDEN: Der Pferdezuchtverein kämpft ums Überleben

Innert weniger Jahre ist die Zahl der Zuchtpferde massiv zurückgegangen. Der Pferdezuchtverein bekam deshalb in diesem Frühjahr keinen Hengst aus dem Nationalgestüt in Avenches.

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Am Jubiläumsfest 2008 des Pferdezuchtvereins Innerschweiz waren nahezu 100 Pferde zu sehen, darunter auch der Fünfspänner von Markus Bürgi aus Kägiswil. (Archivbild: Paul Küchler)

Am Jubiläumsfest 2008 des Pferdezuchtvereins Innerschweiz waren nahezu 100 Pferde zu sehen, darunter auch der Fünfspänner von Markus Bürgi aus Kägiswil. (Archivbild: Paul Küchler)

Es war im Jahr 2008, als der Pferdezuchtverein Innerschweiz, der vorwiegend aus Mitgliedern der Kantone Ob- und Nidwalden besteht, mit einer eindrücklichen Show in Sarnen das 100-jährige Bestehen feierte. Im Rahmenprogramm dieses Festes waren nahezu 100 Pferde zu sehen.

Rund 50 Jahre vorher, im Jahr 1956, wurde in Sarnen, wie an mehreren Orten in der Schweiz, ein «Tag des Pferdes» durchgeführt. Dieser ging mit einem grossartigen Umzug mit ungefähr 150 Pferden und 67 Wagen über die Bühne und zog rund 3000 Besucher in seinen Bann. In einem Bericht ist darüber zu lesen, dass der Festredner, Landammann Gotthard Odermatt, auf eindrückliche Weise dargelegt hat, wie das Pferd durch die technische Entwicklung langsam aus dem Transportgewerbe, aus der Landwirtschaft und aus der Armee verstossen wird. Der Festredner sollte Recht bekommen.

Zuchtstation erstmals ohne Zuchthengst

Die Pferdezuchtgenossenschaft, wie sie in früheren Jahren bezeichnet wurde, erhielt jeweils alljährlich im Frühjahr vom eidgenössischen Hengstendepot in Avenches für die Deckperiode von rund 4 Monaten einen Freiberger-Zuchthengst zur Verfügung gestellt. Während des Zweiten Weltkrieges und auch in den Jahren kurz vorher wurden in der Pferdezuchtstation in Sarnen jeweils bis gegen 120 Stuten gedeckt. Die Zuchtstation befand sich bis 1941 in einem der Ställe des kantonalen Bürgerheims, in welchem auch eine Wärterwohnung eingebaut war und wo der Hengst durch einen Wärter des Bundes betreut wurde.

Das änderte im Jahr 1942, als der Bund aus Kostengründen keinen Wärter mehr zur Verfügung stellte. Ab diesem Zeitpunkt wurde der Hengst jeweils auf einem privaten Landwirtschaftsbetrieb gehalten: bis zum Jahr 1977 in Sarnen auf der Liegenschaft Feldheim, von 1978 bis 1994 in der Buechgründlen in Kerns und ab 1995 auf der Liegenschaft Hohflue, Flüeli-Ranft.

Die Zahl der Stuten, die auf der hiesigen Zuchtstation gedeckt wurden, ging in den letzten Jahren rasant zurück. Während zu Beginn dieses Jahrhunderts noch gegen dreissig Stuten gedeckt wurden, waren es 2016 gerade noch deren drei. Aus diesem Grund erhielt der Pferdezuchtverein dieses Jahr vom Schweizer Nationalgestüt in Avenches, wie es jetzt genannt wird, keinen Zuchthengst mehr zur Verfügung gestellt.

Zuversicht trotz des gegenwärtigen Tiefs

Die Gründe dafür, dass im letzten Jahr auf der Zuchtstation Hohflue nur noch drei Stuten gedeckt wurden, sehen Sachverständige darin, dass nach den Vorschriften des Bundes eine Zuchtstute nicht mehr allein gehalten werden darf, wenn das Fohlen den Betrieb verlässt. Man sei deshalb gezwungen, ein zweites Pferd zu halten. Überdies fehlt es auf den Landwirtschaftsbetrieben oft auch an der verfügbaren Zeit zur Pflege der Pferde. Ein alter «Rösseler» stellt zudem fest, dass einzelne Pferdezüchter ihr Pferd gezielt für eine spezielle Linienzucht bei einem andern Hengst irgendwo in einer anderen Landesgegend decken lassen. Dies ist denn auch der Grund, dass es dieses Jahr in Sarnen mit ungefähr sechs Fohlen gleichwohl noch eine Fohlenschau geben wird.

Cornelia Arnold-Durrer aus Kägiswil, die Präsidentin des Vereins, sagt dazu, dass die Schau in Verbindung mit andern Schauen in der Innerschweiz durchgeführt werde. Die Präsidentin ist zuversichtlich, dass es mit der Pferdezucht nach dem gegenwärtigen Tief wieder aufwärtsgehen werde und die Hengststation vielleicht wieder besetzt werden könnte. Sie ist davon überzeugt, dass es wieder vermehrt Leute gibt, welche die Freibergerrasse mit ihrer Vielseitigkeit schätzen. Die Möglichkeiten, die das Freibergerpferd biete, seien schier unbegrenzt.

Paul Küchler

redaktion@obwaldnerzeitung.ch