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OBWALDEN: Der Wolf ist noch immer im Melchtal

Der Wolf, der im August zwischen Melchtal und Engelberg zehn Schafe gerissen hat, wurde auch in den letzten Wochen mehrmals gesichtet. Ob ihm bald ein Abschuss drohen könnte, ist noch unklar. Das bringt Schafälpler in Bedrängnis.
Franziska Herger
Auf der Alp Hohmad wurden Ende August neun Schafe gerissen. (Bild: PD)

Auf der Alp Hohmad wurden Ende August neun Schafe gerissen. (Bild: PD)

Franziska Herger

franziska.herger@obwaldnerzeitung.ch

Es war ein Wolf, der am 21. August auf der Alp Hohmad zwischen Melchtal und Engelberg neun Schafe gerissen hat (wir berichteten). Dies bestätigt die DNA-Analyse der Uni Lausanne, wie der kantonale Jagdverwalter Cyrill Kesseli auf Anfrage mitteilt. «Es ist auch wahrscheinlich, dass es das gleiche Tier italienischer Abstammung war, das am 29. August ein weiteres Schaf auf der Alp Oberwend im Melchtal gerissen hat», so Kesseli. Dies lasse die räumliche Verteilung der Risse vermuten. Und: «Der Wolf ist immer noch in diesem Gebiet. Er wurde in den letzten Wochen mehrmals gesichtet.»

Gemäss Konzept Wolf Schweiz kann der Abschuss eines Wolfes verfügt werden, wenn er 25 Tiere in einem Monat oder 35 innert vier Monaten gerissen hat. Ob die bisherigen zehn Risse des Wolfs im Melchtal zu dieser Abschussquote zählen, ist nicht klar. «Die Alpen Hohmad und Oberwend gelten als Gebiet mit Wolfspräsenz, in welchem aufgrund früherer Ereignisse zumutbare Herdenschutzmassnahmen getroffen werden müssen», erklärt Kesseli. «In den beiden Fällen von August waren die Herden nicht geschützt. Die Risse wurden entschädigt. Sie zählen aber dann nicht zum abschuss­relevanten Kontingent, wenn in den Gebieten Herdenschutzmassnahmen zumutbar gewesen wären.»

Hunde kommen wegen Wanderern nicht in Frage

Der Kanton habe bisher in diesem Gebiet anerkannte Herdenschutzmassnahmen nicht empfehlen können, sagt der kanto­nale Herdenschutzbeauftragte Tony Aufdermauer: «Herdenschutzmassnahmen sind auf den Alpen Hohmad und Oberwend aufgrund einer groben Einschätzung schwierig umzusetzen. Wolfssichere Zäune sind wegen der Topografie fast unmöglich, die ständige Behirtung ist ein schwer lösbares Personalproblem, und Herdenschutzhunde kommen aufgrund der stark benutzten Wanderwege kaum in Frage.» Eine abschliessende Beratung vor Ort hätte in diesen Tagen stattfinden sollen, wurde aber wegen des frühen Schnees verschoben, so Aufdermauer.

Ob Herdenschutzmassnahmen nun zumutbar gewesen wären und die Risse damit nicht zur Abschussquote gezählt werden, ist damit zurzeit noch ungeklärt. «Die Frage ist aber wahrscheinlich auch hinfällig», so Aufdermauer, «die Schafe wurden abgealpt.» Die Rückkehr ins Tal bleibe oft als einzige Möglichkeit, wenn keine anderen Massnahmen umsetzbar seien, so der Herdenschutzbeauftragte. Der Aufwand der Bauern für den frühzeitigen Alpabzug sowie die durch den kürzeren Alpaufenthalt gestrichenen Sömmerungsgelder würden den Älplern aber nicht entschädigt. «Das ist schade», so Aufdermauer. Werner Keiser aus Kerns ist Pächter der Alp Hohmad mit 182 Schafen. Seit August sind es 17 Schafe weniger. «Neben den neun, die als Wolfsrisse bewiesen werden konnten, haben wir acht weitere Schafe einfach nie mehr gefunden», sagt der Hobbyälpler, der auch sieben eigene Schafe auf der Alp Hohmad hatte. «Von denen habe ich zum Glück keines verloren.»

Verbesserungen wurden dem Bafu vorgeschlagen

Dass Herdenschutzmassnahmen zuerst nicht empfohlen wurden, nun aber trotzdem als zumutbar erklärt werden könnten, wodurch die Risse nicht zur Abschussquote zählen würden, lässt Werner Keiser den Kopf schütteln. «Als Alternative bleibt mir, nicht mehr auf die Alp zu gehen. Ob das für den Tourismus und das Land besser wäre, finde ich fraglich.» Auch Ruedi Fässler, Co-Präsident der Vereinigung zum Schutz von Jagd- und Nutztieren vor Grossraubtieren in der Zentralschweiz (VSvGZ), sieht die Alpwirtschaft gefährdet: «Einmal kann man so ein Ereignis noch verkraften. Doch wenn immer und immer wieder Wolfsrisse vorkommen, müssen die Alpen aufgegeben werden.»

Hanspeter Rohrer, Geschäftsführer ad interim bei Pro Natura Unterwalden, relativiert die Bedeutung der Schafe für die Nutzung der Alpen. «Es ist bekannt, dass bei Schafalpen die Gefahr von Über- oder Unternutzung besteht. Die Schafe sind zudem an manchen Orten beim Futter eine Konkurrenz zu den Wildtieren. Unser Standpunkt ist daher klar: Der Wolf darf wegen der Schafalpung nicht ferngehalten werden.» Der VSvGZ sieht das anders und plädiert für eine Abschussbewilligung schon ab dem ersten Riss. Schafälpler Keiser stimmt zu: «Der Wolf gewöhnt sich an eine Schafherde. Ich will nicht die Ausrottung aller Wölfe, aber nach einem Riss sollte man ihm bei der Herde abpassen dürfen.» Tony Aufdermauer denkt an eine andere Lösung: «Die zwangsmässige Abalpung müsste, wie die anderen Herdenschutzmassnahmen, vom Bundesamt für Umwelt (Bafu) finanziell unterstützt werden, wenn sonst keine Massnahmen möglich sind.»

Entsprechende Vorschläge habe man in der Vernehmlassung zu den neuen Herdenschutzrichtlinien gemacht, die das Bafu derzeit erarbeitet, sagt Bruno Abächerli, Leiter des Amts für Landwirtschaft und Umwelt. «Die Konferenz der Landwirtschaftsämter der Zentralschweiz hat auf die Problematik hingewiesen und gefordert, dass die Ausfälle der Schafhalter ausreichend entschädigt werden müssen. Eine weitere Forderung ist, dass alle Wolfsrisse bei der Abschussquote mitgezählt werden müssen.» Ob dieses Anliegen beherzigt wurde, wisse man erst in den nächsten zwei Monaten, wenn die neue Richtlinie erscheinen soll.

«Eine Entschädigung für den Alpabzug fände ich eine gute Idee», so Werner Keiser. «Jede Massnahme, die dem Wolf nicht wehtut, ist sowohl Wolfs- als auch Herdenschutz.» Weniger überzeugt ist Ruedi Fässler: «Wir sind zwar auf Entschädigungen für die Umtriebe angewiesen. Aber man soll auch nicht glauben, dass man mit ein paar Franken alle Probleme lösen kann. Für uns ist es brutal, zuschauen zu müssen, bis der Wolf seine Quote erfüllt hat.»

Zwischen Hohmad und der Alp Oberwend, wo er ein Schaf riss, tauchte der Wolf italienischer Herkunft seither mehrmals auf. (Bild: Grafik: jn)

Zwischen Hohmad und der Alp Oberwend, wo er ein Schaf riss, tauchte der Wolf italienischer Herkunft seither mehrmals auf. (Bild: Grafik: jn)

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