OBWALDEN: Die First Responder bewähren sich

Die First-Responder-Gruppen als wichtiges Glied in der Rettungskette etablieren sich in immer mehr Gemeinden. Um ein flächendeckendes Netz im Kanton aufzubauen, ist die Unterstützung der lokalen Behörden und von Freiwilligen nötig.

Matthias Piazza
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Die sogenannten First Responder haben unter anderem Zugang zu einem Defibrilator wie diesem. (Symbolbild)

Die sogenannten First Responder haben unter anderem Zugang zu einem Defibrilator wie diesem. (Symbolbild)

Matthias Piazza

matthias.piazza@obwaldnerzeitung.ch

Lungern, Juli 2014: Die deutsche Touristin Birgit G. bricht am Morgen kurz nach dem Aufstehen zusammen. Durch die Sanitätsnotrufzentrale 144 wird parallel mit dem Rettungsdienst die First-Responder-Gruppe Lungern alarmiert. Schon nach 3 Minuten treffen die First Responder am Notfallort ein und beginnen mit der Wiederbelebung durch Thoraxkompressionen, Beatmung und Einsatz eines Defibrillators. Als die Ambulanz nach 17 Minuten eintrifft, zeigt Birgit G. wieder Lebenszeichen. Der Kreislauf kann stabilisiert werden; die Wiederbelebung war erfolgreich. Ein Einsatz, wie ihn die örtlichen Herznotfallgruppen immer wieder erleben.

Im vergangenen Jahr rückten die First Responder – als wichtiges Glied der Rettungskette – in Obwalden 48-mal aus. Sie erreichen innert 3 bis 4 Minuten den Notfallort. In der Ausbildung zum First Responder haben sie gelernt, die lebenswichtigen Sofortmassnahmen einzuleiten. Dadurch können zum Beispiel bleibende Hirnschäden verhindert werden oder – wie im Beispiel von Birgit G. – Leben gerettet werden.

«Je nach Einsatzort kann es 10 Minuten oder länger dauern, bis der Rettungsdienst eintrifft. Bei einem Herznotfall sind aber wenige Minuten entscheidend», sagt Sandra Schallberger, die als Mitarbeiterin des Rettungsdienstes Obwalden das Projekt First Responder leitet.

Sachseln und Flüeli-Ranft starten im April

Im Jahre 2009 wurde in Lungern die erste First-Responder-Gruppe der Zentralschweiz ins Leben gerufen. 2012 sind die Gruppen Giswil und Alpnach erfolgreich gestartet. Seit Januar 2016 sind sie in den Gemeinden Kerns, St. Niklausen, Melchtal und Melchsee-Frutt aktiv. Zurzeit werden durch den Rettungsdienst des Kantonsspitals Obwalden die First Responder Sachseln und Flüeli-Ranft auf ihre Arbeit vorbereitet. Sie sollen im April 2017 starten.

Die Gruppen werden parallel mit dem Rettungsdienst durch die Notrufzentrale 144 alarmiert. First Responder, welche sich in der Nähe des Notfallortes befinden, rücken aus, wenn sie abkömmlich sind, beginnen mit der Herz-Lungen-Wiederbelebung, während ein weiterer alarmierter Kollege auf dem Weg zum Einsatzort den Einsatzrucksack mit Defibrillator und Sauerstoff mitnimmt. Dieses System hat sich laut Schallberger bewährt. Im vergangenen Jahr gab es alleine in Lungern zwei erfolgreiche Reanimationen. In einem Fall reanimierten Ersthelfer einen bewusstlosen Badegast bis zum Eintreffen der First Responder.

«Dabei kümmert sich das Team nicht nur um den Patienten, sondern bei Bedarf auch um die Angehörigen», sagt Sandra Schallberger. Doch es gibt noch Lücken im First-Responder-Netz auf der Obwaldner Landkarte. So sind das Gebiet um den Langis-Glaubenberg, Stalden, aber auch die Gemeinde Sarnen und Alpnachstad noch ohne diese lebensrettenden Erstelemente ausgestattet. In Engelberg übernehmen die Hausärzte die Rolle der First Responder.

Es fehle nicht an Freiwilligen, die sich zum First Responder ausbilden lassen wollen. «Ebenso wichtig sind auch der Goodwill und die Unterstützung durch die Gemeinden – vor allem in finanzieller Hinsicht. Mit Sarnen und Alpnach laufen dieses Jahr Gespräche», so Sandra Schallberger. Bis heute begleitete sie mit Rolf Langenbacher, Leiter des Rettungsdienstes des Kantonsspitals Obwalden, das Projekt. Mit der Vereinsgründung «Härz fir Obwalden» soll eine kantonale Dachorganisation den First-Responder-Gruppen Obwalden in Zukunft zur Verfügung stehen.

Noch kein Thema in Nidwalden

«First Responder bilden ein wichtiges Glied in der Rettungskette, die Überlebenschancen des Patienten können steigen, speziell beim Atem-Kreislauf-Stillstand sollte schnellstmöglich mit der Wiederbelebung begonnen werden», sagt Fabian Filliger, Leiter des Rettungsdienstes Nidwalden. Darum würde er eine solche Institution in Nidwalden auch begrüssen. «Doch dazu braucht es auch die Unterstützung des Kantons.»

«Ebenso wichtig sind auch der Goodwill und die Unterstützung durch die Gemeinden – vor allem in finanzieller Hinsicht.»
Sandra Schallberger, Projektleiterin First Responder (Bild: Matthias Piazza / OZ (13. Januar 2016))

«Ebenso wichtig sind auch der Goodwill und die Unterstützung durch die Gemeinden – vor allem in finanzieller Hinsicht.» Sandra Schallberger, Projektleiterin First Responder (Bild: Matthias Piazza / OZ (13. Januar 2016))