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OBWALDEN: Die Jagd auf Hirsche wird ausgedehnt

Die Abschusszahlen beim Hirsch werden heraufgeschraubt. Der Anstieg bei der Population verlangt von den Kantonen eine vermehrte Zusammenarbeit.
Oliver Mattmann
Ein Exemplar aus dem Hirschpark Luzern. Die Hirschpopulation in der freien Wildbahn hat in der jüngsten Vergangenheit kontinuierlich zugenommen. (Bild Pius Amrein)

Ein Exemplar aus dem Hirschpark Luzern. Die Hirschpopulation in der freien Wildbahn hat in der jüngsten Vergangenheit kontinuierlich zugenommen. (Bild Pius Amrein)

Oliver Mattmann

Diese Zahlen stechen auch Nicht­jägern sofort ins Auge: 2006 wurden bei den frühjährlichen Wildzählungen in Obwalden 336 Hirsche registriert, 2012 waren es bereits hundert mehr, und aktuell ist der Bestand innert einem Jahr von 688 auf 847 Tiere angewachsen. Letzteres ist eine Zunahme um 23 Prozent. Ein Laie zieht daraus die Schlussfolgerung: Die Abschusszahlen für Jäger auf der Hochjagd im Herbst müssen entsprechend erhöht werden. Doch hier bremst der Fachmann, in diesem Fall Cyrill Kesseli, Jagdverwalter des Kantons Obwalden: «Wir erfassen die Rotwildbestände im März, wenn sich die Tiere in den Wintereinständen befinden. Dabei haben wir festgestellt, dass Tiere aus den Kantonen Bern und Luzern nach Giswil kommen, was wesentlich zum Anstieg der Population geführt hat.»

Hirsche kennen keine Kantonsgrenzen, sie nutzen einen sehr grossen Lebensraum. Am 1. September, wenn in Obwalden heuer zur Jagd geblasen wird, sei der Bestand ungleich kleiner, weil zahlreiche Tiere den Kanton in der Zwischenzeit wieder verlassen haben, ist Kesseli überzeugt. «Es macht daher keinen Sinn, die Abschusszahlen in unrealistischer Weise heraufzusetzen.»

Männchen beliebter als Weibchen

Der Jagdverwalter betont zudem, dass für die Bestandsregulierung der Abschuss der weiblichen Tiere ausschlaggebend sei. Eine Erhöhung bei der Abschusszahl der männlichen Hirsche bringe in dieser Hinsicht kaum einen Effekt. «Viele Jäger wollen zwar lieber einen kapitalen Hirsch mit Geweih schiessen, das ist verständlich», erklärt Cyrill Kesseli. Solange dieses Kontingent aber nicht ausgeschöpft sei, werde weniger weibliches Wild erlegt. «Einen Hirsch anzuvisieren, ist grundsätzlich einfacher. Beim Kahlwild (weibliche Tiere und Kälber; Anm. d. Red.) muss der Jäger in kurzer Zeit erkennen, ob es sich um ein Muttertier mit Kalb handelt oder um ein Tier, das kein Junges führt. Das ist anspruchsvoll.»

Jährlich müssen rund 35 Prozent der Tiere abgeschöpft werden, wie es im Fachjargon heisst, um den Bestand im Gleichgewicht zu halten. Die Folge einer Überpopulation wäre eine Zunahme von Wildschäden in der Landwirtschaft und im Wald. Und dies will niemand. «Nicht zuletzt mit Blick auf die Schutzfunktion von Wäldern gilt es, die Schäden auf ein erträgliches Mass einzudämmen», sagt Kesseli.

Aufwand wäre nicht gerechtfertigt

Doch zurück zu den Abschusszahlen und dem konkreten Kontingent: Gegenüber dem Vorjahr (35) können in dieser Jagdsaison 45 männliche Hirsche geschossen werden. Beim Kahlwild können auf der Septemberjagd 140 Stück erlegt werden. Der Kanton legt danach ein zusätzliches Kontingent fest für die nachgelagerte Regulationsjagd. Für den ersten Teil im November geht er von rund 40 zusätzlichen Tieren aus. «Aus un­serer Sicht und aufgrund der Erfahrungen der vergangenen Jagdsaisons sind dies realistische Zielsetzungen.»

Doch weshalb wird das Wild nicht kurz vor der Jagderöffnung gezählt, um ein besseres Abbild über den Bestand zu erhalten? Kesseli: «Der Aufwand wäre unverhältnismässig, weil sich die Tiere auf ein ungleich grösseres Gebiet verteilen als im März, wo sie sich wegen Schnee und dem verminderten Nahrungsangebot in einem reduzierten Lebensraum in tieferen Lagen aufhalten.»

Zusammenarbeit drängt sich auf

Dennoch tut sich bezüglich Abschussplanung von Wildtieren etwas – nämlich bei der kantonsübergreifenden Zusammenarbeit. «Gerade bei Hirschen muss eine Betrachtungsweise in grösseren Räumen erfolgen, vor allem, wenn wie aktuell die Bestände auch anderswo zunehmen.» Eine Kooperation in der Jagdplanung dränge sich förmlich auf, so Cyrill Kesseli, «und wir sind auch schon dran». Aufgrund teils unterschiedlicher Jagdsysteme und Strukturen in den Verwaltungen brauche dieser Schritt aber seine Zeit.

Wildschwein auf dem Vormarsch

Bei Grossraubtieren wie dem Wolf oder dem Luchs funktioniere die Zusammenarbeit bereits sehr gut. Eine solche sei in Zukunft übrigens auch für Wildschweine wünschenswert, hält Kesseli fest. «Es ist eine Frage der Zeit, bis sich die Tiere auch in unserer Region etablieren werden», sagt er mit Blick auf die Wildtierdurchgängigkeit entlang der Autobahn A 1 im Raum Bern, Aarau und Zürich, die mit baulichen Massnahmen laufend verbessert worden ist. «Das Wildschwein ist eine interessante Wildtierart, doch auch hier wird es dereinst Eingriffe brauchen, um die Population auf einem dem Lebensraum angepassten Niveau zu halten.»

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