Obwalden
Die kantonale Verwaltung ist weiterhin am Anschlag

Die Fluktuation in der Kantonsverwaltung betrug 2020 knapp 7 Prozent. Durch Corona stieg die Belastung der Mitarbeitenden noch zusätzlich, sie können nicht mehr alle Projekte erledigen. Dies hält die Regierung in ihrer Antwort auf eine Interpellation fest.

Philipp Unterschütz
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Die Obwaldner Regierung will den Personalstopp erst aufheben, wenn sich die Finanzlage des Kantons verbessert hat.

Die Obwaldner Regierung will den Personalstopp erst aufheben, wenn sich die Finanzlage des Kantons verbessert hat.

Bild: Manuela Jans-Koch (Sarnen, 21. Januar 2021)

«Die Durchhaltefähigkeit der Mitarbeitenden ist aufgrund der starken Beanspruchung teilweise nicht mehr gegeben.» Der Kanton Obwalden ist in einer schwierigen Situation wegen knapper personeller Ressourcen. Es klingt bedenklich, was die Regierung in ihrer Antwort auf eine Interpellation von Kantonsrätin Silvia Zbinden (CSP, Sarnen) schreibt, die Fragen zur Personalfluktuation in Obwalden stellte.

In verschiedenen Bereichen der Verwaltung habe sich gezeigt, dass aufgrund des Stellenabbaus und einer gleichzeitigen Zunahme von Aufgaben die Arbeitsbelastung deutlich zugenommen habe. «Es hat sich herausgestellt, dass die Verwaltung in der normalen Lage ihre Aufträge nur noch knapp erfüllen kann», heisst es in der Antwort. Aufgrund der Arbeitsbelastung müssten die Aufgaben stark priorisiert werden und verschiedene Projekte musste zurückgestellt werden, darunter die Totalrevision der Prämienverbilligung, das Bedrohungsmanagement oder der Wirkungsbericht zum Tourismusgesetz. Erschwerend kommt die Coronapandemie dazu mit vielen Zusatzaufgaben. Sie zeige deutlich auf, wo die Grenzen einer kleinen, schlanken Verwaltung liegen würden, hält die Regierung fest.

Personalstopp bleibt vorerst bestehen

Viel Hoffnung auf eine grosse Verbesserung kann die Regierung allerdings nicht machen. Kurzfristig könne der Regierungsrat für den Abbau eines Arbeitsüberhanges oder für die Erledigung besonderer Aufgaben zeitlich befristete Aushilfsstellen bewilligen, was er in der Vergangenheit bereits mehrmals getan habe. «Nach wie vor ist die finanzielle Situation des Kantons aber angespannt und es muss im jeweiligen Einzelfall genau analysiert werden, ob die Aushilfsstelle tatsächlich notwendig und unverzichtbar ist.» Erst wenn es die finanzielle Situation erlaubt, kann sich die Regierung vorstellen, mittelfristig den Personalstopp aufzuheben und punktuell wieder zusätzliche unbefristete Stellen zu genehmigen.

Zur Frage der Fluktuationsrate beim Kantonspersonal zeigt die Antwort auf, dass die Bruttofluktuation 2020 bei 13,13 Prozent lag. Diese Rate beinhaltet alle Austritte inklusive Kündigungen, Ablauf befristeter Arbeitsverträge, Pensionierungen und Todesfälle. Vor dem Hintergrund der finanziellen Situation, der Belastung und der bekanntermassen tieferen Löhne im Vergleich mit den Nachbarkantonen ist aber vor allem die Nettofluktuation, also die Anzahl Kündigungen durch Mitarbeitende von besonderem Interesse. Diese lag 2020 bei den Kadermitarbeitenden bei 6,42 Prozent und war damit leicht tiefer als beim gesamten Verwaltungspersonal mit 6,94 Prozent (2017 7,28%; 2018 8,27%; 2019 6,11%).

Know-how-Verlust oder gesunde Auffrischung?

Diese Zahlen würden jährlich unter der Leitung der Vorsteherin des Finanzdepartements mit der Personalkommission und den Personalverbänden besprochen. Aktuell bestehe kein Handlungsbedarf für Massnahmen. Weil entsprechende Zahlen nicht erwähnt werden, lässt die Antwort der Regierung keinen direkten Vergleich zu mit den Nachbarkantonen. Es stelle sich die Frage, ob die Fluktuation von 6,94 Prozent tatsächlich zu hoch sei, heisst es. Fluktuation sei keineswegs nur unerwünscht und habe mithin auch positive Auswirkungen, eine hohe Fluktuation stelle jedoch einen Know-how-Verlust dar und sei finanziell negativ. Die Regierung geht davon aus, dass 5 bis 10 Prozent eine günstige Grösse darstelle, in der eine gesunde Auffrischung stattfinde und dennoch kein grösserer Substanzverlust eintrete.

Dass der Lohn nicht stimmt, war laut den Austrittsinterviews auch einer der vier häufigsten Gründe für den Austritt, gibt die Regierung zudem bekannt. Weitere waren, dass das Aufgabengebiet nicht mehr gefalle oder Schwierigkeiten mit Vorgesetzten und/oder Kollegen. Die Fluktuation sei aber ein erheblicher Kostenfaktor. «Beim Wechsel einer Führungskraft belaufen sie sich schätzungsweise auf 80 bis 120 Prozent eines Jahreslohns», hält die Regierung fest.

Regierungsrätin und Finanzdirektorin Maya Büchi-Kaiser muss Finanzverwalter Daniel Odermatt (vorne) ersetzen.

Regierungsrätin und Finanzdirektorin Maya Büchi-Kaiser muss Finanzverwalter Daniel Odermatt (vorne) ersetzen.

Bild: Pius Amrein (Sarnen, 28. März 2019)

Weitere Kaderangestellte verlassen die kantonale Verwaltung

Nach 24 Jahren als Finanzverwalter des Kantons Obwalden hat sich Daniel Odermatt entschlossen, einen neuen Weg zu gehen und hat deshalb im März auf Ende Oktober 2021 seine Kündigung eingereicht. «Mit meiner frühzeitigen Kündigung sollten gute Voraussetzungen für die Nachfolgeplanung geschaffen werden», schreibt Odermatt auf Anfrage. Im Anschluss an seine Tätigkeit beim Kanton habe er zusammen mit seiner Ehefrau eine längere Auszeit geplant. Er hätte eine der interessantesten Tätigkeiten mit einem breit gefächerten Arbeitsgebiet in der Verwaltung ausüben dürfen. «Für mich war es aber auch immer klar, dass ich diesen Job nicht bis zum ordentlichen Pensionsalter ausüben wollte und ich entschied, dass nun der richtige Zeitpunkt für eine Veränderung ist.»

Ebenfalls gekündigt hat auch Peter Berchtold, Leiter der kantonalen Finanzkontrolle.

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