OBWALDEN: Die Suche nach dem perfekten Pegel

Der Kanton informierte über den Stand der Dinge beim Hochwasserschutz. Schwierig ist es, alle Interessen unter einen Hut zu bringen.

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Das Auslaufbauwerk des Stollens unterhalb des Wichelsees. (Bild: Bau- und Raumentwicklungsdepartement OW/Zeichnungen Eduard Imhof)

Das Auslaufbauwerk des Stollens unterhalb des Wichelsees. (Bild: Bau- und Raumentwicklungsdepartement OW/Zeichnungen Eduard Imhof)

Es war eine Flut von Informationen: Mit knapp 100 Bildern, Skizzen, Diagrammen und technischen Zeichnungen hat der Kanton über den Fortschritt bei der Hochwasserschutz-Planung informiert. Überraschende Neuigkeiten, was den Bau des Stollens und die Massnahmen an der Sarneraa betrifft, erhielten die rund 70 Zuhörer in der Aula Cher in Sarnen am Dienstagabend zwar nicht. In einigen Bereichen können die Planer nun aber etwas detailliertere Angaben machen.

Seeregulierung als Knacknuss

Ersichtlich wurde an der knapp zweistündigen Veranstaltung einmal mehr, welch ungeheurer Aufwand nötig ist, um die verschiedenen Begehren rund um dieses Jahrhundertbauwerk unter einen Hut zu bringen. Besonders gilt dies für die ökologischen Ausgleichsmassnahmen entlang der Sarneraa. Sowohl Amtsleiter Peter Lienert wie auch Projektleiter Viktor Schmidiger liessen mehrmals durchblicken, dass dieses Thema die Behörden und Planer zwar nicht gerade zur Verzweiflung bringt, aber doch enorm viel Substanz kostet.

Als besonders harten Brocken stellte Schmidiger die Regulierung des Sarnersees vor. Hierzu wird im Bereich der Rütistrasse in Sarnen ein Schlauchwehr realisiert, zu dessen Betrieb ein Reglement nötig ist. (Ein Schlauchwehr ist ein Stauwehr, bei dem auf der Flusssohle ein riesiger Schlauch liegt, der mit Wasser gefüllt werden kann und dadurch den Fluss staut.) Beim Erstellen eines Wehrreglements – sozusagen die Betriebsanleitung fürs Wehr – gilt es nicht nur, die gesetzlichen Vorgaben rund ums Thema Ökologie zu erfüllen. Auch alle Vierwaldstättersee-Kantone müssen dem Reglement zustimmen.

Weshalb das so ist, zeigt ein Beispiel: Steigt der Sarnersee bei heftigen Regenfällen bedrohlich an, könnte der Kanton theoretisch den Stollen komplett öffnen und zusätzlich möglichst viel Wasser via Sarneraa abfliessen lassen. Problem gelöst? Mitnichten. Der Kanton Luzern hätte – verständlicherweise – keine Freude daran, dass man in Obwalden das Wasser einfach möglichst schnell Richtung Vierwaldstättersee leitet. Im Wehrreglement muss deshalb haargenau festgehalten werden, was sich der Kanton Obwalden bei Hochwasser erlauben darf und was nicht.

Eine weitere Hürde: Zu tief darf man den Pegel des Sarnersees nicht sinken lassen, weil dann etwa das Naturschutzgebiet Hanenried in Sachseln trockengelegt würde – daran wiederum hätten Umweltschutzverbände keine Freude. Schmidiger sagte bezeichnenderweise, dass es bei der Regulierung des Sarnersees praktisch darum gehe, eine «eierlegende Wollmilchsau» heranzuzüchten.

Furcht vor Einsprachen

In der Fragerunde zeigte sich, dass sich die Sorgen der Zuhörer ebenfalls ums Thema ökologische Massnahmen drehen. Mehrfach wurden Befürchtungen geäussert, wonach Umweltverbände das Projekt durch Einsprachen blockieren könnten. «Dem Umweltschutz wird mit all den ökologischen Ausgleichsmassnahmen längstens Rechnung getragen», sagte etwa der Alpnacher alt Kantonsrat Walter Hug. Er hoffe sehr, dass Umweltverbände das Projekt nicht unnötig mit Einsprachen blockieren.

Adrian Venetz