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OBWALDEN: Die Welle der Hilfsbereitschaft rollt an

Das Flüchtlingsdrama berührt die Region. Die Obwaldner wollen helfen. In Engelberg und Sarnen wurde am Samstag kräftig gesammelt.
Sammelaktion für Flüchtlinge in Engelberg: Daniela Gnilke, Maya Spaar, Silja Sandbakk und Stefan Brunqvist (von links). (Bild Marion Wannemacher)

Sammelaktion für Flüchtlinge in Engelberg: Daniela Gnilke, Maya Spaar, Silja Sandbakk und Stefan Brunqvist (von links). (Bild Marion Wannemacher)

Marion Wannemacher

Vor dem Hotel Spannort herrscht reges Treiben. Einheimische bringen Berge von Kleidern, Decken, Schuhen. Im Flur stapeln sich mehrere Schichten von Säcken mit bereits sortierter Ware, im Restaurant sind es so viele, dass der Versuch, sie zu zählen, scheitern muss. Ein Dorf sammelt für syrische Flüchtlinge: «Engelberg hilft» heisst die Aktion.

Bild schockierte Stefan Brunqvist

Bereits eine Weile lang posteten Stefan Brunqvist, Besitzer des Hotels Spannort, und seine Kollegen Artikel zum Flüchtlingsdrama auf Facebook. Der Auslöser für die Hilfsaktion war das Bild des kleinen syrischen Jungen, der tot am Strand in Bodrum angeschwemmt wurde. Stefan Brunqvist war schockiert: «Hey, können wir nichts machen, zum Beispiel Kleider sammeln?», postete er auf Facebook. Seine Kollegin Silja Sandbakk und seine Nachbarin Maya Spaar, die neben dem Hotel ein Sportgeschäft führt, waren sofort dabei. Die Gemeinde Engelberg versprach, pro Kilo gespendetes Material einen Franken zu geben. Ob den Verantwortlichen klar war, was da zusammenkommt?

Stefan Brunquvist erzählt, dass am Morgen bereits ein Vertreter der Gemeinde vor Ort gewesen sei und ihm versichert habe, dass man eine Lösung finden werde. Der Schwede ist überwältigt von so viel Hilfsbereitschaft. «Ich dachte eigentlich, ich würde die Hilfsgüter mit einem Kleinlastwagen zu Syriaid nach Bern transportieren. Von da gehen sie direkt nach Syrien.» Nun hofft er auf Engelberger Transportunternehmen, die ihn unterstützen.

«Leute wollen helfen»

Viele aussergewöhnliche Gesten haben die drei und ihre zahlreichen Helfer erlebt: «Leute haben uns Kuchen gebacken, den wir an die Spender ausgeben können, Frauen haben extra für die Aktion gestrickt und eine ganze Kiste voll gebracht, Geschäfte im Dorf haben neue Kleider und Geld gespendet, ein Hotel brachte eine Kiste mit Essen, es kam sogar jemand aus Zürich, der bei seinen Freunden gesammelt hatte», erzählen sie begeistert. Fazit für die drei: «Die Leute sind frustriert. Sie wollen helfen.» Anni Infanger, bekannte Engelberger Sagenerzählerin, trennt sich heute von einem kleinen persönlichen Schatz: «Die Babyschuhe meines Sohnes», erzählt sie. «Ich habe sie lange aufgehoben, jetzt sollen sie jemandem Glück bringen.» Sie findet die Sammlung «super», wie sie betont. «Weil es direkt nach Syrien geht, da, wo es die Leute am nötigsten haben.»

Zusammenarbeit via Facebook

Ortswechsel nach Sarnen in einen Quartierraum in der Tiefgarage der Büntenstrasse 15. Drei Frauen haben sich via Facebook zusammengefunden und sammeln ebenfalls. Wie im Taubenschlag geht es bei Antonia Spichtig, Nadine Regli und Johanna Kathriner zu. Sie nehmen fleissig an und sortieren. Die Waren sind für Durchgangslager in der Deutschschweiz. Lehrerin und Familienfrau Johanna Kathriner weiss, was benötigt wird: «Eigentlich alles. Aber nicht nur Kleider, sondern auch Velos und Trottinette für Kinder.» Eine ansehnliche Anzahl ist bereits zusammen. Auch die drei brauchen noch zusätzliche Unterstützung für den Transport, bereits am frühen Nachmittag ist viel mehr da als erwartet. Nadine Regli aus Sarnen ist sich bewusst: «Unsere Sammlung ist nicht die Lösung für die Probleme, aber eine kleine Unterstützung. Die Flüchtlinge sind monatelang unterwegs und kommen ohne etwas an. Das ist das Mindeste, das wir tun können.»

Plan wegen Zollgebühren geändert

Auch Taxiunternehmer Lutz Agner wird helfen. Seine Tour auf eigene Kosten von Langenthal nach Bern zur Hilfsorganisation Syriaid ist auf den 19. September geplant. Eigentlich hatte er vollbeladen mit Hilfsgütern nach Ungarn fahren wollen. Das hätte ihn und seine Kollegin aus Langenthal allerdings 2500 Franken Zollgebühren gekostet. «Zu teuer», fanden beide und disponierten um. Jetzt gehen alle Waren direkt nach Syrien. Für den Taxiunternehmer aus Flüeli-Ranft hatte ebenfalls das Bild des kleinen Jungen am Strand den Ausschlag gegeben. «Ich wusste, jetzt musst du was machen.»

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