OBWALDEN: Ein Alpnacher wird Chef-Kurator in New York

Jorrit Britschgi ist ab März künstlerischer Direktor des Rubin Museum in New York. Der 36-jährige Alpnacher ist eine Kapazität in Sachen ostasiatische Kunst.

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Jorrit Britschgi ist ab März künstlerischer Direktor des Rubin Museum in New York. (Bild: pd)

Jorrit Britschgi ist ab März künstlerischer Direktor des Rubin Museum in New York. (Bild: pd)

Als Zivildienstler rettete er Kulturgüter aus dem 2005 überschwemmten Frauenkloster St. Andreas in Sarnen. Just zuvor war er aus China von einer archäologischen Ausgrabung zurückgekehrt. In den letzten sieben Jahren betreute er als Kurator die Sammlung bedeutender indischer Malerei des Zürcher Rietberg-Museums. Nun folgt er dem Ruf aus New York ans Rubin Museum of Art – einem führenden, auf die Kunst der Himalaja-Region spezialisierten öffentlichen Museum. Dort tritt der Alpnacher Jorrit Britschgi im März die Stelle als Direktor für Ausstellungen, Sammlungen und Forschung an. «Ich soll das Gesicht des Museums sein», erklärt der 36-Jährige im Gespräch. Als künstlerischer Direktor leitet er künftig ein rund 20-köpfiges Team. «Es ist eine grosse Herausforderung, die mir einiges abverlangen wird», freut er sich.

«Alle Fachleute sind vor Ort»

Aufgewachsen ist Britschgi im «Gärtli» oberhalb von Alpnach in der Nähe des Guber-Steinbruchs. Wie reift man da als Kapazität auf dem Gebiet der chinesischen und indischen Kunst heran? Asien habe ihn schon immer interessiert, erklärt Britschgi. Den typischen Kinderwunschberuf wie Feuerwehrmann oder Polizist habe er nie gehegt. Dafür habe er gelernt, zu merken, «was mir gefällt, und mich in diese Richtung zu bewegen». So wählte er auch sein Studium: «Wenn man in eine Kultur eintauchen will, ist das Grundlegendste die Sprache. China ist eine wichtige Zivilisation. So habe ich angefangen, Chinesisch zu studieren.»

Abgeschlossen hat er 2005 in Kunstgeschichte Ostasiens, Sinologie und Publizistik. Sein geografischer Schwerpunkt: China, Japan und Korea. Nach seiner Lehrzeit im Rietberg-Museum gehört nun auch Indien dazu und Sanskrit zu seinem erweiterten Sprachschatz. Gewissermassen «Neuland» sei für ihn das Himalaja-Gebiet. «Ich bin kein Spezialist für traditionelle Kunst aus dieser Region», sagt Jorrit Britschgi, «ich sehe mich zudem weniger als Fachfreak an.» Ihn reize es, mehrere Regionen zu überblicken. Nicht zuletzt deshalb fühlt er sich im Big Apple richtig aufgehoben: «New York ist toll, alle Fachleute der Welt sind vor Ort», gerät er ins Schwärmen. Diese könne man zur Entwicklung neuer Ausstellungsprojekte gleich hinzuziehen. Und genau das ist es, was Jorrit Britschgi an seinem Job als Kurator besonders mag: «Etwas Greifbares fürs Publikum zu schaffen. Mit einer Ausstellung schafft man ein Erlebnis und nicht bloss einen Artikel in einer Publikation, den nur die Fachwelt liest.» Vielmehr wolle er die Besucher mit Themen, die nicht nur in der Kunst eine Rolle spielten, ansprechen. Eine Herausforderung in einem solch spezialisierten Museum.

Mit Flieger zum Bewerbungs­gespräch

Und wie ging das mit der Bewerbung? «Ich wurde angefragt, mich auf die Stelle zu bewerben», sagt er schmunzelnd. Und erklärend: «Es gibt weltweit nicht so viele Leute, die sich mit Kunst aus diesen Regionen auseinandersetzen.» Vieles hänge deshalb vom eigenen Netzwerk ab. Er habe zudem das Glück gehabt, 2011 eine grosse Ausstellung zu gestalten, die dann auch im Metropolitan Museum gezeigt worden sei.

Hinzu kommt, dass Jobangebote in seinem Metier begrenzt sind. In New York habe sich ihm nun eine seltene Gelegenheit geboten. Denn oftmals würden diese Stellen länger besetzt bleiben: «So einen Job macht man nicht nur für ein Jahr. Sonst kann man fast nichts erreichen. Und ich möchte in New York einiges bewegen», hat er sich vorgenommen, «einen konkreten Masterplan gibt es jedoch noch nicht, aber viele Ideen.» Die Bewerbung selbst sei ein gegenseitiger Annäherungsprozess gewesen: Erst sei geskypt worden. Für die finalen zweitägigen Bewerbungsgespräche stieg er dann ins Flugzeug, lernte Museum und die Menschen dahinter kennen.

Familie reist mit

Dass Jorrit Britschgi seine Zelte in der Schweiz abbricht, betrifft nicht bloss ihn: «Meine Frau hat als Kuratorin im Kunsthaus Aarau eine super Stelle, die sie aufgeben wird.» Mit nach Amerika begleiten ihn zudem seine einjährige und seine dreijährige Tochter. Diese seien zum Glück noch in einem «unpro­blematischen» Alter für einen solchen Umzug. «Seinen Lebensmittelpunkt zu verlagern, bringt viel Chancen, ist aber auch nicht nur einfach», ist sich der Familienvater bewusst. Bis Ende Februar gilt es für die Familie Britschgi, ihre Koffer und ihren Überseecontainer zu packen. Bevor es dann endgültig nach Amerika geht, ist jedoch noch Wohnungssuche in Brooklyn angesagt.

Und wie hält es Britschgi mit Obwalden: «Jedes Mal, wenn ich ins Sarneraatal einfahre, denke ich, es ist schon eine schöne Welt. Es ist einfach Heimat.» In puncto Bergen liege seine Arbeit in New York mit der Himalaja-Region als Fokus zudem «gar nicht so weit auseinander».

Christoph Riebli