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OBWALDEN: Ein Buch zum Lesen und Nachdenken

Zum 600. Geburtstag von Niklaus von Flüe hat der Trägerverein ein Gedenkbuch herausgegeben. 69 Autorinnen und Autoren diskutieren und aktualisieren die Bedeutung des Mystikers und Mittlers.
Romano Cuonz
Landammann Franz Enderli mit dem Buch «Mystiker – Mittler – Mensch» vor dem einzigen Bild im Sarner Rathaus, das Niklaus von Flüe zeigt. (Bild: Romano Cuonz (Sarnen, 7. Januar 2017))

Landammann Franz Enderli mit dem Buch «Mystiker – Mittler – Mensch» vor dem einzigen Bild im Sarner Rathaus, das Niklaus von Flüe zeigt. (Bild: Romano Cuonz (Sarnen, 7. Januar 2017))

Romano Cuonz

redaktion@nidwaldnerzeitung.ch

«Der Sammelband aktualisiert die Mystik des Ranft-Eremiten, diskutiert die Bedeutung seiner Versöhnungs- und Friedensspiritualität und dokumentiert die heutige Auseinandersetzung mit der Frau an der Seite des Schweizer Heiligen», steht im Leitartikel zum neuen Gedenkbuch über Niklaus von Flüe. Damit fassen vier Personen als Herausgeber ihr ambitioniertes Vorhaben zusammen: der Bruder-Klaus-Biograf Roland Gröbli, der Theologe Thomas Wallimann-Sasaki, die Journalistin Heidi Kronenberg und der Kirchenhistoriker Markus Ries. Noch eine Aussage, die für sein umfangreiches Sammeln von Stimmen entscheidend ist, hebt das Quartett hervor: «Der sperrige, gottsuchende Eremit spricht Menschen aller konfessionellen Traditionen an und ist auch spirituelle Leitfigur für Menschen, die ausserhalb religiöser Gemeinschaften stehen.» Das Werk, das unter solchen Prämissen geschaffen wurde, ist 388 Seiten stark, eher zurückhaltend, aber sorgsam klug illustriert, und es vermittelt vielfältige, teils auch unerwartet neue Impulse, die Leser zum Nachdenken und zu einer intensiven Auseinandersetzung mit Niklaus von Flüe – aber immer auch mit seiner Frau Dorothee Wyss – anregen mögen.

Ganz persönliche Bekenntnisse

Das eigentlich Überraschende für den Leser des neuen Buches sind weniger neue Forschungen und Erkenntnisse zum Eremiten oder seiner Frau, als erstaunliche, oft sehr persönliche Bekenntnisse von Zeitgenossen. So wird der Leser gleich eingangs von einem Gedicht des bekannten Autors Franz Hohler überrascht. Es mündet in eine bis heute gültige Frage des Autors, angeregt durch die Lichtvision: «Wer blickte dich an von da oben? Ich glaube, das waren wir, wir alle, die heute hier leben, umgeben vom Schrecken der Welt, und wir hätten dich gerne gefragt: Was sollen wir tun, Bruder Klaus, was sollen wir tun?»

Persönlich und in die Zukunft blickend auch die Konsequenz, die Gottfried Wilhelm Locher (Ratspräsident Schweizerischer Evangelischer Kirchenbund) und Bischof Charles Morerod (Präsident der Schweizerischen Bischofskonferenz) gemeinsam ziehen: «Wir sehen Kirchen, die aus der Kraft des christlichen Glaubens als Vordenkerinnen der Gesellschaft wirken und sie auf dem Weg zu Versöhnung und Frieden voranbringen.»

Franz Enderli – Theologe und sinnigerweise gerade im Gedenkjahr Landammann von Obwalden – bekennt: «Auch ich suche, vom Mösli kommend, des Öftern die Nähe von Bruder Klaus im Ranft, bin gleichzeitig ‹geprägt von Büchern› und stehe zu Vielem in einer gewissen kritischen Distanz, was unter dem Anspruch von Frömmigkeit daherkommt.»

Neue Blickwinkel statt Forschung

Eine Tatsache können – und wollen – die Herausgeber nicht verschweigen. Ja sie artikulieren sie gleich im Vorwort: Dank der grossen Quelleneditionen, die Robert Durrer und Pater Rupert Amschwand 1917 und 1987 publiziert hätten, sei man über das Leben von Niklaus von Flüe, sein öffentliches Wirken und seine innere Entwicklung gut und zuverlässiger informiert.

Den Freiraum, der dadurch entsteht, wissen die Herausgeber zu nutzen. Sie bieten 69 Autorinnen und Autoren Gelegenheit, sich mit individuellen und kollektiven Beziehungen heute lebender Menschen zu Bruder Klaus auseinanderzusetzen. Das Spektrum jener, die das tun, ist weit. Geht von A wie Judith Albert, die sich den Visionen von Bruder Klaus über schöpferische Videokunst und Installationen annähert, bis hin zu Z wie Elisabeth Zurgilgen, die literarisch feinfühlig einen neuen und überraschenden Zugang zu Dorothee findet.

Man begegnet auf den 388 Buchseiten immer auch wieder alten Bekannten, wenn auch mit teils neuen Gedanken. Etwa dem Geschichtsschreiber Pirmin Meier. Er untermauert mit gleichzeitig ausschweifend dargestellten wie historisch fundierten Argumenten eine Binsenwahrheit: «Obwohl Klaus von Flüe immer wieder mal auch überschätzt wurde, versteht man ohne seine Geschichte das staunenswerte politische Gebilde, das sich Eidgenossenschaft nannte, nicht ausreichend.» Zum «Wiederlesen» kommt es auch, wenn man der Journalistin Klara Obermüller und ihren Gedanken zu Dorothee begegnet. Oder aus der Musikperspektive: Wissenschaftler Angelo Garovi und Carl Rütti, dem man bedeutende Kompositionen im Zusammenhang mit Bruder Klaus verdankt. Auch eigentliche Überraschungen gibt es. So befasst sich der ultralinke Politiker und Historiker Josef Lang kritisch mit dem berühmten «Zaun» des Eremiten. Überraschend ist – um nur ein weiteres Beispiel zu nennen – auch der Bericht der slowakischen Theologin Iva Boutellier, die viele neue Wege in den Ranft aufzeigt. Sinnvoll. Gerade in diesem Jahr.

Hinweis

«Mystiker – Mittler – Mensch» ist in der Edition NZN beim Theologischen Verlag Zürich erschienen. 388 Seiten, Hardcover. ISBN 978-3-290-20138-8. 36.80 Franken. Erhältlich im Buchhandel.

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