OBWALDEN: Ein Einsiedler wird zum Kosmopoliten

Ob in Afrika, Argentinien oder Appenzell: Bruder Klaus hat auf der ganzen Welt seine Spuren hinterlassen. Dass die sakralen Bauten zu seinen Ehren oft modern daherkommen, hat einen ganz bestimmten Grund.

Adrian Venetz
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Die Bruder-Klaus-Kapelle des Architekten Peter Zumthor in Wachendorf (D). (Bilder: Getty)

Die Bruder-Klaus-Kapelle des Architekten Peter Zumthor in Wachendorf (D). (Bilder: Getty)

Adrian Venetz

adrian.venetz@obwaldnerzeitung.ch

Dass Bruder Klaus nicht nur über die Kantonsgrenzen, sondern auch über die Landesgrenzen hinweg verehrt wird, ist bekannt. Und doch staunt man, wenn man die Orte sieht, an denen der Obwaldner Eremit seine Spuren hinterlassen hat. So stösst man etwa auf eine Bruder-Klausen-Kirche in Nowosibirsk (Russland) oder auf eine Kirchengemeinde in Puerto Esperanza (Argentinien). Kapellen und Kirchen, die Bruder Klaus geweiht sind, stehen beispielsweise auch in Heredia (Costa Rica), Ruteng (Indonesien), Busan (Südkorea), Pattaya (Thailand) und Bujumbura (Burundi).

In der Schweiz hingegen finden sich rund 100 Bruder-Klausen-Kirchen und Kapellen. Prominent vertreten in der Liste ist der Kanton Wallis mit 13 Bauten. Eine davon ist die Bruder-Klausen-Kirche des Kapuzinerklosters in Brig-Glis. Gebaut wurde sie in den Jahren 1947 und 1948. Kein Wunder, hatte der Schutzpatron in diesen Jahren Hochkonjunktur: «1947 war die Heiligsprechung von Niklaus von Flüe», erklärt Bruder Fidelis Stöckli, der seit 2010 im Kapuzinerkloster lebt und ursprünglich aus Stans stammt. Die Klosterkirche wurde vor sechs Jahren umfassend renoviert, in den Kirchenfenstern strahlen einzelne Stationen aus dem Leben von Bruder Klaus.

Nur Heilige dürfen Kirchenpatrone sein

An der Kirche des Kapuzinerklosters in Brig-Glis zeigt sich exemplarisch, was für alle Kirchen und Kapellen gilt, die Bruder Klaus gewidmet sind: Sie sind relativ modern. Gemäss katholischem Brauch kann nur eine heiliggesprochene Person als Kirchenpatron ausgewählt werden. Da Bruder Klaus erst vor siebzig Jahren heiliggesprochen wurde, durften ihm zuvor keine Kirchen gewidmet werden. Die Sachsler Pfarr- und Wallfahrtskirche – zwischen 1672 und 1684 gebaut – ist darum nicht etwa Bruder Klaus gewidmet, sondern dem heiligen Theodul. Aber es gibt Ausnahmen (siehe Kasten rechts).

Die lange Liste von Pfarreien, Kirchen, Kapellen und Orten im In- und Ausland, in denen Bruder Klaus und seine Frau Dorothee im Mittelpunkt stehen, sei noch nicht abschliessend, erklärt Doris Hellmüller, Geschäftsleiterin der Bruder-Klausen-Stiftung. «Der grösste Teil ist erfasst, aber wir erfahren noch heute hin und wieder von Orten, die noch nicht verzeichnet sind. Wir nehmen das Gedenkjahr ‹600 Jahre Niklaus von Flüe› auch zum Anlass, das bestehende Verzeichnis zu überarbeiten und das Netzwerk Bruder Klaus zu stärken.» Dies sei eine bereichernde und spannende Arbeit. «Ein modernes Beispiel ist die Bruder-Klaus-Feldkapelle in Wachendorf in Deutschland.» Das eigenwillige Bauwerk – realisiert nach den Plänen des renommierten Schweizer Architekten Peter Zumthor – wurde vor knapp zehn Jahren eingeweiht und sei auch zu einem «Mekka für Architekturliebhaber geworden».

Die späte Heiligsprechung führte zu einer weiteren interessanten Tatsache: In Deutschland gibt es – verglichen mit der Schweiz – verhältnismässig viele Bruder-Klaus-Pfarreien. Der Grund liegt unter anderem darin, dass dort nach dem Zweiten Weltkrieg im Zuge des Bevölkerungswachstums viele neue Pfarreien gegründet wurden. Mit der Heiligsprechung 1947 war Bruder Klaus also just in der Nachkriegszeit ein neuer und «populärer» Heiliger. Auch die Bruder-Klaus-Pfarreien in der Schweiz entstanden nach dem Krieg an Orten und Quartieren mit steigenden Bevölkerungszahlen. In traditionell katholischen und ländlichen Regionen sind die Pfarreien älter – deshalb finden sich hier kaum Bruder-Klaus-Pfarreien. Dass er in Deutschland ein hohes Ansehen geniesst, ist auch ein Verdienst der Katholischen Landvolkbewegung (KLB), die 1951 gegründet wurde und ihn damals als Schutzpatron wählte.

Die weltweite Verehrung von Bruder Klaus ist für den Sachsler Pfarrer Daniel Durrer ein Beweis dafür, dass das Gedankengut des Heiligen noch heute zeitgemäss ist und über die Konfessionen hinweg Beachtung findet. «Bruder Klaus war ein Mediator. Seine Grundaussagen sind nicht nur in der Schweiz gültig, sondern in der ganzen Welt.» Und seine Ausstrahlung wirke bis heute – «auch für Menschen, die sich nicht unbedingt als religiös bezeichnen».

Dies ist ein Nachbau der Ranft-Kapelle auf der indonesischen Insel Flores. (Bild: PD)

Dies ist ein Nachbau der Ranft-Kapelle auf der indonesischen Insel Flores. (Bild: PD)

Die Kirche San Nicolas de Flue in Puerto Esperanza, Argentinien. (Bild: Wikimedia)

Die Kirche San Nicolas de Flue in Puerto Esperanza, Argentinien. (Bild: Wikimedia)