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OBWALDEN: Ein Tanz, der reift wie ein guter Wein

Am Volkskulturfest Obwald tanzt Estefania Sanchez Flamenco. Die gebürtige Indianerin gehört heute zu einer andalusischen Gypsy-Familie.
Romano Cuonz
Die Flamenco-Tänzerin Estefania Sanchez bei ihrem Auftritt in Giswil. (Bild: Pius Amreih / Neue LZ)

Die Flamenco-Tänzerin Estefania Sanchez bei ihrem Auftritt in Giswil. (Bild: Pius Amreih / Neue LZ)

Romano Cuonz

Die Gypsy-Tänzerin Estefania Sanchez tritt an die Rampe der Waldbühne. Steht allein vor dem grossen Obwald-Publikum. Stolz und Würde, aber auch ein hohes Mass an Konzentration, Spannung und Körperbeherrschung strahlt sie aus. Wenn sie im Zentrum des Geschehens eine facettenreiche Folge rascher und langsamer, feuriger und doch stets bodenhaftender Fussbewegungen ausführt, zieht sie alle Blicke auf sich. Bis zum Erreichen der Perfektion körperlicher und künstlerischer Ansprüche im Flamencotanz ist es ein weiter Weg. Der Weg aber, den Estefania Sanchez dafür ging und immer noch geht ist eher unüblich. Ihre spannende Geschichte ist ein wenig die Geschichte des Völker verbindenden Flamenco selber.

Trost im Tanz

«Ich stamme aus dem amerikanischen Staat Idaho», erzählt die 34-jährige Tänzerin, die heute in Jerez de la Frontera (Andalusien) lebt. «Mein Vater ist ein Yaqui- Indianer und meine Mutter eine Navajo-Indianerin.» In Estefanias Kinderzeit wohnt ihre Familie stets dort, wo ihr Vater Arbeit findet. Als sie 20 wird, passiert eine Tragödie, bei der ihr jüngerer Bruder Miguel stirbt. «Ich war tief erschüttert und suchte nach Wegen, darüber hinweg zu kommen.» Weil Gesang und Tanz in der indianischen Kultur als Heilmittel gelten, ist sie überzeugt, damit Linderung in ihrem Leid zu finden. «Früher hatte ich ‹Lindy Hop› getanzt, nun suchte ich nach einem Tanz, mit dem ich meine Gefühle noch stärker ausdrücken konnte», erzählt Estefania. Der Zufall will es, dass zu dieser Zeit die bekannte Roma-Sängerin La Chiqui de Jerez mit ihrer Sippe durch Amerika tourt und Flamenco in Reinkultur zelebriert. Estefania hört zu und weiss: «Das ist, was ich suche!» Bald geht ihr der Unterricht in Oregon nicht mehr «tief» genug. Sie sucht nach den Ursprüngen.

Wahre Odyssee ins Flamenco-Land

«Ich fühlte in meinem Herzen, dass ich diese Zigeunerin ‹Chiqui de Jerez’ finden musste, wenn ich die Geheimnisse des Flamenco wirklich entdecken wollte», erzählt Estefania. So fliegt sie nach Madrid. Ohne zu ahnen, dass sie dort eine neue Heimat finden wird. Ein wunderbarer Zufall reiht sich nun an den andern. Estefania lernt einen Musiker kennen, der für sie die Verbindung zu Chiqui herstellt. Die überraschende Antwort der Roma-Sängerin: «Wenn die junge Frau so fühlt und lernen will, soll sie zu mir kommen, ich unterrichte sie.» An diesem Tag beginnt ein wahres Flamenco- und Zigeunermärchen. La Chiqui lehrt die junge Indianerin Spanisch. Singt und tanzt mit ihr und führt sie in die Kultur der andalusischen «Gypsy» ein. «Die Familien Bermudez und Pena fanden, dass ich gar nicht amerikanisch aussähe», schmunzelt Estefania. Weil «Yaqui» – der Name ihres indianischen Stammes – bei den Zigeunern «Feuer» heisst, und weil Estefanias Augen beim Flamenco wirklich lodern, wird sie in die Sippe aufgenommen. Chiqui entschliesst sich sogar, sie zu adoptieren. «Und dann kommt alles, wie es kommen muss», verrät Estefania Sanchez.

Sie verliebt sich heimlich in den Tänzer Luis De La Tota, den Sohn ihrer neuen Ziehmutter! Was sie nie mehr vergessen wird: Wie Luis in Anwesenheit ihrer Adoptiveltern vorerst nicht einmal direkt mit ihr reden darf. «Die entscheidende Frage, ob er mit mir tanzen dürfe, musste er über die Eltern an mich richten», lächelt Estefania. Inzwischen haben die beiden einen dreijährigen Jungen. «Zum Andenken an meinen verstorbenen Bruder habe ich ihn Miguel Bermudez getauft.» Und der stolze Vater Luis lobt: «Unser gemeinsamer Tanz wird tagtäglich schöner. Reift zur Perfektion. Wie eine gute Flasche Wein!»

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