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OBWALDEN: Eine Woche Ferien am Stück ist unmöglich

Die Bauern kommen nur dank Zusatz­einkommen ausserhalb der Landwirtschaft über die Runden. Dies führt zu einer sehr hohen Arbeitsbelastung.
Philipp Unterschütz
Markus Lips von der Forschungsanstalt Agroscope mit Volkswirtschaftsdirektor Niklaus Bleiker (rechts) in Lungern. (Bild Philipp Unterschütz)

Markus Lips von der Forschungsanstalt Agroscope mit Volkswirtschaftsdirektor Niklaus Bleiker (rechts) in Lungern. (Bild Philipp Unterschütz)

Eine durchschnittliche Bauernfamilie im Kanton Obwalden erzielt ein jährliches Haushaltseinkommen von gut 63 000 Franken. Davon stammen aber nur gerade 31 000 Franken aus der Landwirtschaft. Aufgrund dieses tiefen Einkommens sehen sich rund 80 Prozent der Landwirte oder Bäuerinnen gezwungen, einem Erwerb ausserhalb der Landwirtschaft nachzugehen, womit sie durchschnittlich gut 32 000 Franken verdienen.

Diese Zahlen stammen aus einer wissenschaftlichen Auswertung von anonymisierten Steuerdaten der Jahre 2010 bis 2012 von 523 direktzahlungsberechtigten Betrieben in Obwalden. Das sind 85 Prozent aller berechtigten Betriebe. Die Zahlen wurden im Auftrag des Kantons von der eidgenössischen Forschungsanstalt Agroscope in Tänikon ausgewertet und gestern in Lungern den Medien vorgestellt. Zusätzlich präsentierte das kantonale Amt für Landwirtschaft und Umwelt die Ergebnisse einer Umfrage (Rücklaufquote 54 Prozent) bei den betriebsleitenden Bauern und den Bäuerinnen.

Arbeitsbelastung ist sehr hoch

«Die Auswertung ist schweizweit einzigartig und umfassend», sagte Volkswirtschaftsdirektor Niklaus Bleiker. «Sie zeigt auch einige alarmierende Aus­sagen.» Die tiefen Produzentenpreise und hohen Produktionskosten sowie der durch die Agrarpolitik des Bundes verursachte hohe administrative Aufwand seien für die Bauern sehr belastend. Doch Bleiker meint vielmehr die Tatsache, dass durch den Zwang, das ­sinkende tiefe Einkommen mit einem Nebenerwerb aufzubessern, eine sehr hohe Gesamtarbeitsbelastung von über 100 Stunden pro Woche für die Bauernfamilien resultiert. Die Mehrheit der Befragten stellt denn auch fest, dass dadurch das Familienleben zu kurz komme. 70 Prozent sagen sogar, es sei unmöglich, irgendwann eine ganze Ferienwoche am Stück einzuschalten.

Und über 50 Prozent der Betriebsleiter sorgen sich um ihre Gesundheit. Die Zahlen zeigten aber auch, dass bei den Haushaltseinkommen der Obwaldner Bauern «eine stabile Situation vorliegt», meinte Markus Lips, Leiter der Forschungsgruppe bei Agroscope. «Die Bauernfamilien sind sehr geschickt beim Erzielen von ausserlandwirtschaftlichen Einkommen und sehr gut im Arbeitsmarkt integriert.» Tatsächlich gibt es im Kanton Obwalden gar 30 Betriebe, die bei der Landwirtschaft drauflegen und den Betrieb durch Nebenerwerb quersubventionieren.

Nebenerwerb bringt mehr ein

Die höchsten Haushaltseinkommen weisen übrigens die Betriebe in Engelberg aus. Dort ist aufgrund der guten Nebenerwerbsmöglichkeiten im Tourismus das Nebeneinkommen bedeutend höher als jenes aus der Landwirtschaft. Die Auswertung zeigt, dass die Bauern ausserhalb der Landwirtschaft massiv höhere Löhne erzielen. Sie erreichen mit dem Nebenverdienst gut 50 Prozent ihres Einkommens, müssen aber nur rund 25 Prozent der Arbeitszeit dafür aufwenden. Dies berge auch eine Gefahr, meinte Walter Furrer, Präsident des Obwaldner Bauernverbandes: «Es stellt sich die Frage, ob kommende Generationen noch bereit sind, für so wenig Geld als Landwirt zu arbeiten, wenn es bessere Verdienstmöglichkeiten gibt.»

Bauern sind trotzdem zufrieden

Doch trotz tiefem Einkommen und hoher Arbeitsbelastung: Den Landwirten und Bäuerinnen bereitet die Arbeit auf ihren Betrieben laut der Umfrage ­grosse Genugtuung, und die finanzielle Situation beurteilen sie mehrheitlich als zufriedenstellend. Sie schätzen das selbstständige Arbeiten, die Vielseitigkeit und die Zusammenarbeit mit der ganzen Familie. Die meisten möchten an der bisherigen Ausrichtung des Betriebs, vorab mit Milchproduktion und Aufzucht, festhalten. Viele wünschen jedoch, den Betrieb flächenmässig durch Zukauf oder Zupacht von Land zu vergrössern und die Milchproduktion auszudehnen. Denn auch wenn die tiefen Milchpreise das Einkommen der Obwaldner Bauern ebenfalls belastet, wird das durch die höheren Direktzahlungen in den Bergzonen wenigstens teilweise aufgefangen.

Diskussionsstoff für den Landrat

«Zwar arbeiten nur 10 Prozent der Obwaldner Bevölkerung in der Landwirtschaft, sie besorgen aber fast die ganze Landschaftspflege», unterstrich Bleiker die Wichtigkeit der Bauern. Es solle nun zusammen mit der Branche geklärt werden, wie die Landwirtschaft künftig gefördert und unterstützt werden könne. «Bis Ende 2016 wollen wir die Antworten ins Parlament bringen.» Das laufende Sparprogramm sei aber sicher nicht dienlich für eine vermehrte Unterstützung, dämpfte er gleichzeitig Erwartungen. «Es wird sicher Diskussionen im Kantonsrat geben.»

Philipp Unterschütz

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