Obwalden
Eltern wehren sich gegen Masken in Schulen: Kantonsarzt widerspricht ihren Aussagen

Laut dem Kantonsarzt stimmen nicht alle Behauptungen, welche im offenen Brief an die Regierung genannt wurden. Auch der Lehrerinnen- und Lehrerverein relativiert die Bedenken der Eltern.

Florian Pfister
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In einem offenen Brief an den Obwaldner Regierungsrat hatten sich Eltern dafür eingesetzt, dass ihre Kinder keine Masken mehr im Präsenzunterricht tragen müssen. Dazu hatten sie die IG «Eltern für Schüler ohne Masken» gegründet. Sie verlangt von der Regierung andere Lösungen. Schülerinnen und Schüler ab dem siebten Schuljahr müssen seit dem 25. Januar während des Unterrichts Gesichtsmasken tragen. Das Ziel der IG sie es, die Gesundheit und Entwicklung ihrer Kinder zu schützen.

Die IG schreibt, dass sich in den Masken Bakterien, Pilze und Viren ansammeln würden, welche gesundheitsschädigende Folgen generieren könnten. Wie beurteilt der Kantonsarzt die Lage? «Dass sich Bakterien und Pilze in Masken ansammeln, ist so klar wie das Amen in der Kirche», sagt Mario Büttler. «Dass diese schädlich sind, nachdem es sich am ehesten um Mundflora handelt, ist unwahrscheinlich und kann mit dem regelmässigen Wechseln der Masken wohl einfach und effizient vermieden werden.»

«Auch Jugendliche sollten Masken tragen»

Die IG bemängelt weiter, dass sich in den Masken ebenfalls das ausgeatmete Kohlendioxid anhäufe, welches die Sauerstoffaufnahme und die Versorgung des Blutes, der Organe und des Gehirns mit Sauerstoff verhindere. «Der Ein- und Ausatemwiderstand von geprüften Atemschutzmasken muss einer DIN-Norm entsprechen», erklärt Büttler. Bei korrekter Handhabung komme es nicht zu einer Ansammlung von CO2 unter der Maske.

«Es gab offenbar vor Jahren eine wissenschaftliche Arbeit, welche dies behauptete. Diese ist aber schon lange widerlegt worden», so Bütler. «Wie könnte man sonst das stundenlange Maskentragen in einem Operationssaal oder bei Zahnärzten ohne Gesundheitsschädigung erklären?» Das Maskentragen sei aber sicher hinderlich oder zumindest störend für die Atmung und es gäbe bestimmte Personengruppen, denen zu Recht eine Dispens von der Maskentragpflicht abgegeben wird. «Dort, wo konstante Distanzierung nicht möglich ist, bringt die Maske ihren Nutzen, indem sie die Verbreitung von Aerosolen und Tröpfchen vermindert. Auch Jugendliche sollten Masken tragen.»

Maske verdeckt nur teilweise, wie es den Jugendlichen geht

Für Claudia Hagmann, Co-Präsidentin des kantonalen Lehrerinnen- und Lehrervereins Obwalden LVO, machen die Massnahmen der Regierung durchaus Sinn: «Die Einführung der Maskenpflicht trägt dazu bei, dass der Präsenzunterricht weitergeführt werden kann. Es ist wichtig, in die Schule kommen zu können.» Viele Jugendliche halten sich an die Maskenpflicht, sagt sie weiter. «Es gibt das Gefühl, sich zu schützen und etwas gegen die Verbreitung der Viren machen zu können.»

Die IG kritisiert in ihrem Brief weiter, dass die Kinder und Jugendlichen die Mimik untereinander und gegenüber den Lehrpersonen kaum noch wahrnehmen könnten. «Bekanntlich kann aus dem Gesichtsausdruck gelesen werden, wie es einer Person geht. Dies ist mit der Maske schwieriger», sagt Claudia Hagmann. «Das Wohlbefinden muss deshalb teilweise gezielter erfragt werden.» Das Sprechen hinter der Maske sei zudem anstrengender. «Es braucht mehr Präsenz, um die Stimmung wahrzunehmen. In der Schule ist es möglich, den Jugendlichen diese Aufmerksamkeit zu geben», so Hagmann. Sie sagt aber auch: «Da der ganze Körper zeigt, wie es einer Person geht, sind mir keine Situationen bekannt, in denen das Befinden eines Jugendlichen falsch eingeschätzt wurde.»