OBWALDEN: Engelberg trotzt dem Projekt-Abbruch

Das nationale Projekt der chinesischen Skilehrer ist beerdigt: zu wenig Schüler. Engelberg lässt das kalt. Das Skigebiet will jetzt eigene Wege gehen.

Drucken
Teilen
Ein chinesischer Skilehrer unterrichtet eine Gruppe Kinder auf der Gerschnialp. In Engelberg ist dies auch weiterhin geplant. (Bild Manuela Jans)

Ein chinesischer Skilehrer unterrichtet eine Gruppe Kinder auf der Gerschnialp. In Engelberg ist dies auch weiterhin geplant. (Bild Manuela Jans)

Laut Schätzungen fahren rund fünf Millionen Chinesen Ski. Diesem Umstand will Schweiz Tourismus Rechnung tragen. Deshalb hat die nationale Organisation im Winter vor zwei Jahren ein Projekt gestartet: Sieben bis acht Skilehrer aus China kamen in den vergangenen zwei Saisons für vier Monate in die Schweiz, um ihren Landsleuten das Skifahren beizubringen. Auch das Skigebiet Engelberg hat am Projekt teilgenommen. Peter Reinle, Leiter Marketing der Titlis Bergbahnen, zieht eine positive Bilanz: «Die Rückmeldungen der Touristen zeigten, dass das Angebot beliebt ist.»

Trotzdem zeigt sich jetzt, dass das Projekt von Schweiz Tourismus zu wenig Erfolg versprechend ist und deshalb beerdigt wird, wie der «Tages-Anzeiger» berichtet. Interessant: Im vorgestern erschienenen Magazin «my Switzerland» von Schweiz Tourismus wird der Abbruch des Projekts mit keiner Silbe erwähnt. Vielmehr lobt Schweiz Tourismus das Angebot der chinesischen Skilehrer in der Schweiz.

Zu wenig flexibel, zu wenig Gäste

Véronique Kanel, Sprecherin Schweiz Tourismus, bestätigt indes, dass die chinesischen Skilehrer trotz steigender Nachfrage zu wenig gebucht wurden. Auch in Engelberg hat man diese Feststellung gemacht. Reinle sagt: «Wir haben den chinesischen Skilehrer auch so quasi als Allrounder im Gästekontakt eingesetzt.» So habe der Skilehrer beispielsweise zusätzlich Journalisten oder Reiseveranstalter betreut.

Weiter hat laut Kanel der feste Standort der Lehrer die Flexibilität erschwert. Sie sagt: «Skilehrer konnten nicht von einem Skiort zum anderen reisen, selbst wenn es die Auslastung verlangt hätte.»

Doch ganz vorbei mit den chinesischen Skilehrern ist es nicht. Kanel: «Wir stellen das Angebot an chinesischen Skilehrern nicht ein, sondern passen es vielmehr den Erfahrungen an, die wir mit den teilnehmenden Destinationen während der letzten zwei Jahre gesammelt haben.» Kurzum: Das Modell muss flexibler werden, um die Skibegleitung für chinesischen Gäste auf der Piste zu garantieren. Kanel sagt zu den konkreten Anpassungen: «Diese Saison werden 30 Personen in der Schweiz für den Skiunterricht der Chinesen zuständig sein.» Zehn davon seien lokale Skilehrer mit Chinesisch-Kenntnissen, und 20 Lehrer fungierten als sogenannte Sprachvermittler, die zum Teil Chinesen seien und in der Schweiz lebten oder aber Einheimische, welche die Sprache sehr gut beherrschen würden. «Diese Ski-Instruktoren können, wenn es die Nachfrage verlangt, auch an verschiedenen Skiorten eingesetzt werden.» Zudem stellt Kanel in Aussicht, dass unter Umständen doch noch drei Skilehrer aus China eingeflogen würden.

Bei Schweiz Tourismus betrachtet man China denn auch weiterhin als wichtigen Markt, gerade auch im Hinblick auf die Olympischen Winterspiele 2022 in Peking. «Wir rechnen mit einem Boom des Skifahrens in China und somit auch mit mehr chinesischen Wintergästen in der Schweiz», sagt die Sprecherin. Dies bestätigen die prognostizierten Zahlen eindrücklich: Schweiz Tourismus erwartet während der Wintersaison 2022 rund 400 000 Logiernächte von Chinesen. Zum Vergleich: Im vergangenen Winter zählte man knapp 187 500 Hotelübernachtungen.

Engelberg steht mehr in der Pflicht

Der Kursänderung von Schweiz Tourismus zum Trotz: In Engelberg will man auch künftig chinesische Skilehrer anstellen. Peter Reinle sagt: «Die Nachfrage chinesischer Touristen, welche die Engelberger Pisten erkunden wollen, steigt von Jahr zu Jahr. Demnach werden wir auch diese Saison und in Zukunft einen chinesischen Skilehrer und Gästebetreuer engagieren.»

Mit dem Abbruch des nationalen Projekts steht Engelberg Tourismus jetzt allerdings etwas mehr in der Pflicht. Will heissen: Es wird ihnen künftig kein Skilehrer von Schweiz Tourismus mehr zugeteilt, sondern sie müssen selber einen rekrutieren. Die Kosten für einen chinesischen Skilehrer pro Saison betragen rund 25 000 Franken.

Der Betrag wird in Engelberg wie bisher von den Skischulen, Engelberg Tourismus und den Titlis-Bergbahnen übernommen. Engelberg kann allerdings weiterhin auf Unterstützung der nationalen Organisation zählen. Reinle sagt: «Schweiz Tourismus hilft uns nach wie vor bei der Vermittlung geeigneter Lehrer und unterstützt uns bei den administrativen Tätigkeiten wie etwa dem Einholen der Aufenthalts- und Arbeitsbewilligung.»

Skilehrer gründen Schulen in China

Die sieben bis acht Skilehrer aus China waren bisher auf die Gebiete Zermatt, Verbier, Grindelwald, Gstaad, Davos, St. Moritz, Villars und Engelberg verteilt. Drei der Skilehrer, die in der Schweiz im Einsatz waren, haben jetzt in China in Kooperation mit Swiss Snowsports Skischulen gegründet. «Sie sind jetzt in China als ‹Botschafter› für die Schweiz tätig», sagt Véronique Kanel.

Yasmin Kunz