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OBWALDEN: Engelberg will demenzfreundlich sein

Die Spitex pflegt Demenzkranke in Hotels: Was überraschend tönt, könnte in Engelberg dereinst Teil der geplanten demenzfreundlichen Gemeinde werden.
Therese Rotzer leitete als Co-Präsidentin der Alzheimervereinigung eine prominent besetzte Runde zum Thema. (Bild: Marion Wannemacher (Neue Obwaldner Zeitung))

Therese Rotzer leitete als Co-Präsidentin der Alzheimervereinigung eine prominent besetzte Runde zum Thema. (Bild: Marion Wannemacher (Neue Obwaldner Zeitung))

Marion Wannemacher

Vom Erfolg der kürzlich durchgeführten Startveranstaltung zur «demenzfreundlichen Gemeinde» zeigt sich Theres Meierhofer überwältigt. «Der Boden ist schon da, jetzt geht es daran, konkrete Projekte aufzugleisen.» Die Leiterin des Pflegeheims Erlenhaus fungiert als Kontaktperson für das Projekt der Alzheimervereinigung Obwalden-Nidwalden und der Gemeinde Engelberg, die beide gemeinsam zum Anlass eingeladen hatten.

Pilotgemeinde noch in Ostschweiz

«Für den Einwohnergemeinderat ist die Anfrage für dieses Pilotprojekt auch Bestätigung für seine Strategie im Bereich der Alters- und Gesundheitsversorgung», sagte Gemeinderat Seppi Hainbuchner am Anlass. Am 13. Januar hatte der Gemeinderat sein Ja zur Pilotgemeinde gegeben. Neben Engelberg nimmt eine weitere Gemeinde im St. Galler Rheintal teil.

«Engelberg ist mit seiner Höhenlage und seiner landesweiten Ausstrahlung ein prädestinierter Leuchtturm dieses Projekts», betonte Ulrich E. Gut, Zentralpräsident der Schweizerischen Alzheimervereinigung, in einem Eröffnungsreferat. Bruno Rohrer, Co-Präsident der Alzheimvereinigung Obwalden-Nidwalden, sagte, für Engelberg spreche, dass es als Bindeglied zwischen beiden Kantonen fungiere und ein geschlossener Sozialraum und durch Tourismus und Sportmittelschule überregional bekannt sei. Ferner sei das Erlenhaus als Pflegeheim «in der Bevölkerung sehr gut verankert». Rohrer sprach von den Bedürfnissen dementer Menschen, die eingebunden sein wollten in die Gesellschaft. Zum Projekt in Engelberg sagte er: «Es braucht Mut, aber ich denke, es wird etwas Gutes.»

Ulrich E. Gut zitierte die Geschäftsleiterin der Schweizerischen Alzheimervereinigung, Stefanie Becker: Ihre Aufgabe sei es, das Bild von Menschen mit Demenz positiv zu beeinflussen und ihnen sowie ihren Angehörigen das Teilnehmen an der Gesellschaft zu ermöglichen. Es gehe darum, Angstbilder und Stigmatisierung abzubauen und Akzeptanz und Wertschätzung von Individualität und Vielfalt zu fördern sowie neue Formen des Miteinanders zu entwickeln. Dazu gehöre vor allem, «Normalbürger», Mitarbeitende in Geschäften, bei Banken, Verkehrsbetrieben und bei der Polizei zu informieren.

Ferien mit dementer Mutter?

Gut brachte das fiktive Beispiel einer Tochter, die schon als Kind mit ihren Eltern in Engelberg Ferien machte. Mittlerweile habe die Mutter Demenz und komme für ihre Ferien immer noch dorthin. Und die Leute hier wüssten Bescheid und seien hilfsbereit. Die Coiffeuse kenne sich dank einem Merkblatt mit Betroffenen aus, im Hotel arbeite eine Spitex.

Konkret wurde es dann in der Gesprächsrunde. Die frisch gewählte Co-Präsidentin der Alzheimervereinigung, Therese Rotzer-Mathyer, bestritt diese mit sechs Persönlichkeiten aus Engelberg zum Thema der persönlichen Erfahrungen mit an Demenz erkrankten Menschen und zur Umsetzbarkeit des Projekts. Für familiengeführte kleinere Hotels könnten demente Gäste ein spannendes Gästesegment sein, meinte Tourismusdirektor Frédéric Füssenich. Er habe bereits zwei bis drei Hotels im Kopf, die er anfragen wolle, sagte er auf Nachfrage. Es gebe bereits Reisegesellschaften, die Ferien von Betroffenen mit Angehörigen und Pflegepersonen organisierten, wusste er. Auch die Hotel­spitex ist keine Zukunftsmusik mehr, sondern bereits verfügbar: Spitex Obwalden bietet Pflege für Hotelgäste gegen Vollzahlung an, wie Merdita Burch, Leiterin des Engelberger Stützpunktes, sagte.

Bis 2035 doppelt so viele Betroffene

Volles Vertrauen in die Umsetzung durch die Dorfbevölkerung zeigte Seppi Hainbuchner: «Der Engelberger ist hilfsbereit.» Das habe sich gezeigt, wenn es darumgehe,Helfer fürAnlässe zufinden, oder während des Hochwassers 2005. Bis 2035 rechne man in Engelberg mit rund 150 Menschen mit Demenz, etwa doppelt so vielen wie jetzt, sagte Hainbuchner. «Wir sind froh, dass es hier in Engelberg Initianten für das Projekt gibt. Sie sind entschlossen, darauf zu achten, dass aus dem Leuchtturm kein Strohfeuer wird», bekräftigte Ulrich Gut.

Hinweis

Nächste Veranstaltung zur «demenzfreundlichen Gemeinde»: Palliative Care und Demenz, Referent Michel Schmieder, Mittwoch, 15. Juni, Kursaal Engelberg, 19 Uhr.

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