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OBWALDEN: «Es fühlte sich immer wie zu Hause an»

Neuseeland hatte im Herzen von Pia Knarston-Wallimann schon immer einen besonderen Platz. Doch das Auswandern brachte einige Herausforderungen mit sich.
Carina Odermatt
Pia Knarston- Wallimann (rechts) war im Juli für ein paar Tage zu Besuch bei ihrer Schwester, der Alpnacher Gemeinderätin Sibylle Wallimann. (Bild Corinne Glanzmann)

Pia Knarston- Wallimann (rechts) war im Juli für ein paar Tage zu Besuch bei ihrer Schwester, der Alpnacher Gemeinderätin Sibylle Wallimann. (Bild Corinne Glanzmann)

Carina Odermatt

Reisen gehörte zu Pia Knarston-Wallimanns Leben – wie zu anderen der Lieblingssport. Die gebürtige Alpnacherin stieg nach einer Lehre bei der Post in die Reisebürobranche ein und packte ihre Siebensachen bei jeder Gelegenheit, um sich aufzumachen nach Asien, Australien, Südamerika und wohin auch immer der Wind sie trug. Doch nie fühlte es sich an wie bei Neuseeland. «Wenn ich in Auckland oder Christchurch landete, war es, als würde ich nach Hause kommen», erinnert sie sich. In der Zeit von 1988 bis 1995 bereiste sie das Land insgesamt fünf Mal. «Wieso immer Neuseeland?», fragten die Leute. So ganz genau erklären konnte Pia Knarston ihre Gefühle für diese Inseln am anderen Ende der Welt nicht, doch bei der fünften Reise sagte sie sich: «Entweder ist dies mein letztes Abenteuer in Neuseeland, oder ich finde dort einen Job!»

Herausforderndes Einleben

Gesagt, getan. Beim Besuch ihrer langjährigen Freundin Carol bewarb sie sich aus Neugierde für einen Job in einem kleinen Reisebüro und wurde prompt angenommen. «Der Chef wollte für mich alles mit dem Visum erledigen, dafür musste ich mich für zwei Jahre verpflichten. Ich hatte da schon meine Zweifel, doch im Endeffekt gab es nichts zu verlieren», erzählt sie rückblickend. Sie gab ihr gewohntes Leben in der Schweiz und ihren geliebten Job bei Globetrotter in Bern auf und liess sich im kleinen, etwas konservativen Dunedin auf der Südinsel nieder – wo es laut Pia Knarston immer etwas zu kalt war. «Dunedin hatte einen schottischen Touch und war sehr altmodisch. Eine Schweizerin in der Stadt war eine Sensation, sodass ich vom Radio und der Zeitung interviewt wurde. Das fand ich schon lustig», erinnert sie sich. «Du wirst nie eine von uns werden», sagten ihr die Leute und nannten sie «Ausländerin».

Es blieb nicht bei zwei Jahren. Ein Grund dafür war unter anderem sicherlich der Klassiker: die Liebe. Pia lernte ihren Mann Stuart in einer Wohngemeinschaft kennen und heiratete ihn 1996. Noch im selben Jahr wurde sie stolze Mutter von Vincent, und 1998 kam Tochter Francisca zur Welt. «Als Mutter war ich in der Tat anders als die Neuseeländerinnen. Alle brachten ihre Kinder ab einem Alter von wenigen Monaten in die Krippe, doch ich wollte mich selber um sie kümmern. Auch war es normal, die Mädchen strikt rosa und die Buben blau zu kleiden. Gar nicht mein Ding. Vielleicht habe ich manchmal auch extra ein bisschen getrotzt», gesteht sie mit einem Schmunzeln.

Vollkommen integriert

Heute fühlt sich Pia Knarston vollkommen integriert. Sie lebt mit ihrer Familie seit 16 Jahren im multikulturellen Auckland, weil ihr Mann Stuart dort eine neue Stelle als Verkehrsplaner fand. Auch sie hat sich beruflich neu orientiert, weitergebildet und unterrichtet seit über zehn Jahren Reisefächer an einer Tourismusschule. «Ich wollte immer Lehrerin werden», erzählt sie.

«Manchmal kommt es mir vor, als würden die Leute wollen, dass ich Heimweh habe», sagt Pia Knarston. «Aber ich bin mir als Reisende gewohnt, ohne viel Kontakt zu sein. Früher war das ja auch etwas anders. Da gab es ab und zu ein teures Telefonat oder ein Fax, aber noch kaum E-Mails.» Es gebe aber schon Dinge, die sie ab und zu aus der Schweiz vermisse, sagt sie und lacht: «Die Migros zum Beispiel!» Manchmal habe sie früher auch das Schweizerdeutsch vermisst, weil es mit Englisch ab und zu «Sprachbarrieren» gab. Und obwohl ihr das Englische heute zuerst auf der Zunge liegt, erzieht sie ihre Kinder in ihrer Muttersprache.

Alle zwei Jahre in die Schweiz

Alle zwei Jahre kommt Pia Knarston zurück in die Schweiz, um ihre Familie zu besuchen und den Kindern den Kontakt zu den Grosseltern zu ermöglichen. «Ich habe noch immer ein sehr gutes Bild von der Schweiz. Sie ist ein wunderschönes Land mit vielen Tunnel. Neuseeland hat kaum einen. Für mich ist die Schweiz irgendwie auch eine Insel in der Mitte der Europäischen Union», findet sie. Und leicht kritisierend fährt sie fort: «Der Lebensstandard ist höher als in Neuseeland, und das Schulsystem ist auch besser. Alles ist super organisiert. Trotzdem jammern die Schweizer manchmal etwas zu viel, als würden sie nicht sehen, wie gut sie es hier haben.»

In die Schweiz zurückzukehren, kann sich Pia Knarston dennoch nicht vorstellen: «Nach einer Woche hier vermisse ich bereits das Meer, und in Auckland haben wir mindestens einmal am Tag Sonne. Zudem liebe ich die grüne, unberührte Natur dort und die Offenheit der Menschen», schwärmt sie, und das beim Zuhören erhaltene Bauchgefühl wird durch ihre Worte bestätigt: «Ich spüre, dass ich in Neuseeland zu Hause bin. Das wird sich wohl nie ändern.»

In unserer Sommerserie «Auswanderer» stellen wir Nid- und Obwaldner vor, die in einem Land fernab ihrer Heimat ein neues Zuhause gefunden haben. Bisher erschienene Beiträge finden Sie unter www.nidwaldnerzeitung.ch/serien oder www.obwaldnerzeitung.ch/serien

Pia Knarston erntet Zitronen im Garten vor ihrem Haus in Auckland. (Bild: PD)

Pia Knarston erntet Zitronen im Garten vor ihrem Haus in Auckland. (Bild: PD)

Bild: Grafik Neue LZ

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