Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

OBWALDEN: «Es ist eine sehr trostlose Situation»

Werner Amport war für zwei Wochen Helfer im Flüchtlingscamp in Idomeni. Was er vorfand, war schlimmer als anfänglich gedacht.
Interview Adrian Venetz
Werner Amport (links, oben im Bild) verteilt den Flüchtlingen Essen: Die Zeit im Camp in Idomeni (unten) hielt er in Fotos fest. (Bilder PD/Werner Amport)

Werner Amport (links, oben im Bild) verteilt den Flüchtlingen Essen: Die Zeit im Camp in Idomeni (unten) hielt er in Fotos fest. (Bilder PD/Werner Amport)

Interview Adrian Venetz

Es war ein spontaner Entscheid: Der 58-jährige Giswiler Unternehmensberater Werner Amport (Bild) entschied sich vor rund einem Monat für einen humanitären Einsatz im Flüchtlingslager von Idomeni. In diesem kleinen griechischen Dorf an der Grenze zu Mazedonien warten rund 11 000 Flüchtlinge auf ihre Weiterreise. Zwei Wochen dauerte sein Einsatz. Vergangenen Dienstag ist Amport zurückgekehrt.

Werner Amport, wie kam es zu Ihrem Engagement im Flüchtlingscamp?

Werner Amport: Das Bedürfnis, einen humanitären Einsatz zu leisten, hatte ich schon länger. Nun konnte ich es mir beruflich einrichten, zwei Wochen frei zu nehmen. Im Gespräch mit einer Kollegin aus Luzern, die gerade von einem Hilfseinsatz an der mazedonischen Grenze zurückgekehrt war, entschloss ich mich dann, nach Idomeni zu reisen.

Was haben Sie da gemacht?

Bild: Werner AmportBild: Werner Amport
Bild: Werner AmportBild: Werner Amport
Bild: Werner AmportBild: Werner Amport
Bild: Werner AmportBild: Werner Amport
Bild: Werner AmportBild: Werner Amport
Bild: Werner AmportBild: Werner Amport
Bild: Werner AmportBild: Werner Amport
Bild: Werner AmportBild: Werner Amport
Bild: Werner AmportBild: Werner Amport
Bild: Werner AmportBild: Werner Amport
Bild: Werner AmportBild: Werner Amport
Bild: Werner AmportBild: Werner Amport
Bild: Werner AmportBild: Werner Amport
Bild: Werner AmportBild: Werner Amport
Bild: Werner AmportBild: Werner Amport
Bild: Werner AmportBild: Werner Amport
Bild: Werner AmportBild: Werner Amport
Bild: Werner AmportBild: Werner Amport
Bild: Werner AmportBild: Werner Amport
Bild: Werner AmportBild: Werner Amport
Bild: Werner AmportBild: Werner Amport
Bild: Werner AmportBild: Werner Amport
Bild: Werner AmportBild: Werner Amport
Bild: Werner AmportBild: Werner Amport
Bild: Werner AmportBild: Werner Amport
Bild: Werner AmportBild: Werner Amport
Bild: Werner AmportBild: Werner Amport
Bild: Werner AmportBild: Werner Amport
Bild: Werner AmportBild: Werner Amport
Bild: Werner AmportBild: Werner Amport
Bild: Werner AmportBild: Werner Amport
Bild: Werner AmportBild: Werner Amport
Bild: Werner AmportBild: Werner Amport
Bild: Werner AmportBild: Werner Amport
Bild: Werner AmportBild: Werner Amport
Bild: Werner AmportBild: Werner Amport
Bild: Werner AmportBild: Werner Amport
Bild: Werner AmportBild: Werner Amport
Bild: Werner AmportBild: Werner Amport
Bild: Werner AmportBild: Werner Amport
Bild: Werner AmportBild: Werner Amport
Bild: Werner AmportBild: Werner Amport
42 Bilder

Bilder aus dem Flüchtlingszentrum Idomeni

Amport: Ich habe mich einer Gruppe von Helfern angeschlossen, die täglich rund 1800 Lunchpakete zubereiten und verteilen. In der zweiten Woche haben wir von zwei Amerikanern eine Teestation übernommen, wo wir gemeinsam mit Flüchtlingen bis Mitternacht Tee gemacht und verteilt haben.

Haben Sie vor Ort übernachtet?

Amport: Einquartiert war ich in einer kleinen Wohnung in Axioupoli, rund 20 Autominuten von Idomeni entfernt. Dort gibt es auch ein Hotel, das mittlerweile dazu benutzt wird, die verschiedenen Hilfs­projekte in Idomeni zu koordinieren. Es ist quasi zu einer Art Treffpunkt für freiwillige Helfer aus aller Welt geworden.

Im Sommer erlebte man in Deutschland eine riesige Solidaritätswelle. Es gab fast schon einen Überfluss an Menschen, die Gutes tun wollten. War das in Idomeni ähnlich?

Amport: Es hat viele freiwillige Helfer, aber sicher nicht zu viele. In den vergangenen Wochen waren viele Studenten im Einsatz, die Semesterferien hatten. Diese sind nun wieder abgereist. Momentan herrscht eher ein Mangel an Freiwilligen.

Man kennt Idomeni aus Berichten im Fernsehen und in der Zeitung. Zeigt sich vor Ort ein anderes Bild?

Amport: (überlegt) Ich kriege jetzt noch Gänsehaut, wenn ich mich daran erin­nere. Für mich persönlich war die Situation vor Ort eindrücklicher und auch schlimmer, als ich sie in den Medien wahr­genommen hatte. Dieses ständige Gefühl der Hoffnungslosigkeit ist viel stärker spürbar. Vor allem die Einzelschicksale, mit denen man im Gespräch mit Flüchtlingen konfrontiert wird, gehen einem schon unter die Haut – oder auch, wenn man ein krankes Kind sieht. Es ist eine sehr trostlose Situation.

Medien berichten auch über Gewalt.

Amport: Eine gewisse Aggressivität von einzelnen Gruppen war während der Essensausgabe schon spürbar, vor allem von jüngeren Männern. Sie sind zornig, weil einfach nichts passiert. Ein Mann sagte mir: «Schau, was ihr hier macht – das ist lieb von euch. Aber eigentlich brauche ich keine Schuhe und Kleider. Ich brauche eine Zukunft für meine Kinder.» Das ist mir schon heftig eingefahren.

Haben Sie auch Aggressionen erlebt?

Amport: Eine Gruppe von Flüchtlingen hatte zum Hungerstreik aufgerufen. Es passte ihnen dann gar nicht, dass wir mit unseren zwei Kleinbussen auftauchten und Lunchpakete verteilten. Sie kamen mit Eisenstangen auf uns zu. Sie wollten uns – da bin ich mir ziemlich sicher – nicht verletzen, aber sie wollten die Autos demolieren. Da ergriffen wir die Flucht.

Man will helfen und wird vertrieben: Wie hält man das aus?

Amport: Man muss sich ständig vor Augen halten, dass es nur eine ganz kleine Gruppe von Menschen ist, die Probleme bereiten. Sie suchen damit vor allem die Aufmerksamkeit der Medien, die ja vor Ort stark präsent sind. Die ganz grosse Mehrheit der Flüchtlinge war unheimlich dankbar und ausgesprochen herzlich.

Was raten Sie andern Menschen, die vor Ort helfen möchten?

Amport: Man muss sich bewusst sein, dass man dort keine grossen Probleme lösen kann. Die Hilfe eines Einzelnen ist nur ein Tropfen auf einen heissen Stein. Der Austausch mit anderen freiwilligen Helfern ist wichtig, ich habe viele wertvolle Gespräche geführt. Hätte ich allein in einem Hotelzimmer gewohnt, hätte ich das Ganze vermutlich nicht ausgehalten.

Weitere Bilder aus dem Flüchtlingscamp von Werner Amport: www.luzernerzeitung.ch/bilder

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.