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OBWALDEN: «Es würde mehr Ärzte ertragen»

Die Regierung findet die Situation der Hausärzte nicht alarmierend, wie sie auf einen Vorstoss von Arzt und Kantonsrat Leo Spichtig schreibt. Er selber sieht die Lage etwas zugespitzter.
Markus von Rotz
Leo Spichtig untersucht in seiner Praxis in Alpnach eine Patientin. (Archivbild Corinne Glanzmann)

Leo Spichtig untersucht in seiner Praxis in Alpnach eine Patientin. (Archivbild Corinne Glanzmann)

Markus von Rotz

CSP-Kantonsrat und Hausarzt Leo Spichtig wird im November 61 Jahre alt. Ab 60 müsse man sich für eine Nachfolge umsehen, wenn man sich ordentlich pensionieren lassen wolle. Er tut das demnächst mit einem Praxisassistenten: Bei diesem Modell arbeitet ein Spital-Assistenzarzt ein halbes Jahr in einer Praxis und lernt so den Alltag des Hausarztes kennen. Dabei übernehmen Gastarzt, Spital und Kanton je einen Drittel des Lohns. «Das ist eine sehr gute Lösung, und es ist lobenswert, dass der Kanton hier auch mitmacht», sagt Spichtig. Die Möglichkeit gibt es erst mit dem seit Februar dieses Jahres geltenden Gesundheitsgesetz.

Nötig ist es offenbar. So wie Spichtig geht es vielen: 9 der aktuell 40 Ärzte im Kanton (ohne Spezialisten) sind derzeit über 60 Jahre alt. In den vergangenen zehn Jahren konnten Praxen in zehn Fällen «nur dank Ausländern» offen bleiben. Spichtig schiebt nach, dass er nichts gegen Ärzte von ennet der Grenze habe, aber wenn sie nicht Sprache und Mentalität kennen würden, werde es oft schwierig – dann würden Patienten teilweise in andere Praxen abwandern. «Dabei ist die Auslastung der Hausärzte bereits heute sehr gross», sagt Spichtig. 35 bis 40 Patienten pro Tag sind bei ihm der Normalfall, gestern waren es allein von 7.15 Uhr bis am Mittag gegen 30 Patienten. «Es würde mehr Ärzte in Obwalden ertragen», sagt Spichtig überzeugt. In Obwalden trifft es pro Arzt 921 Einwohner – gesamtschweizerisch sind es nur 463.

Regierung ist optimistisch

Spichtig wollte nicht zuletzt wegen der Nachfolgesorgen und der geringen Ärztedichte via Vorstoss von der Regierung wissen, wie sie diese einschätzt. In ihrer Antwort schreibt sie, die Nachfolge habe bisher «ausreichend geregelt» werden können, und es gebe «keine Anzeichen, dass dies in Zukunft nicht der Fall sein sollte». Der Kanton sei auch laufend mit der Ärztevereinigung OW-Cura im Gespräch und kenne dank der Kleinräumigkeit des Kantons die Lage immer gut. Sie sieht darum aktuell keine Notwendigkeit, einzugreifen.

Teilzeitarbeit wird gestärkt

Die Regierung betont auch, das neue Gesundheitsgesetz stelle die Ärzte etwa durch die explizite rechtliche Regelung des Notfalldienstes besser. Ärzte dürften ferner weiterhin eine Privatapotheke führen (Selbstdispensation), «was einerseits gut für die Versorgungssituation ist, aber auch die finanzielle und unabhängige Situation der Ärzteschaft stützt. All diese Massnahmen unterstützen direkt die Vereinbarkeit des Hausarztberufs mit Teilzeitarbeit und ermöglichen eine Reduktion von hohen Präsenzzeiten.»

Das sei alles gut und recht, sagt Spichtig, doch dürfe man nicht vergessen, dass die Obwaldner Ärzte pro Taxpunkt 86 Rappen verrechnen dürften, die Genfer Kollegen aber 96 – sprich, in Obwalden gibt es gut 10 Prozent weniger zu verdienen. «Da ist die Selbstdispensation eigentlich nur eine Kompensation.» Der beste Weg führt laut Spichtig über Gemeinschaftspraxen, so wie er es seit 15 Jahren mit einem Kollegen macht. Allerdings müsse man das konsequent tun, um durch gemeinsame Infrastruktur Fixkosten zu senken: «Wer sparen will, braucht gemeinsame Angestellte und eine gemeinsame Tür.»

Auf keinen Fall sieht Spichtig ein grosses Ärztehaus am Kantonsspital fürs Sarneraatal. «Die Grundversorgung braucht es in der Gemeinde.» Er ist auch dezidiert der Meinung, dass der Notfalldienst nur am Wochenende am Kantonsspital angeboten werden darf. «Die Verführung, Computertomografen und andere teure Geräte einzusetzen, um sich medizinisch und juristisch besser abzusichern, wäre für junge Spezialisten und Assistenzärzte gross und könnte sicher kostentreibend sein.»

Etwas zu zurückhaltend gibt sich die Regierung in Spichtigs Augen in der Frage der gemeinsamen Ausbildung von Ärzten am Institut für Hausarztmedizin in Luzern. Dieses soll ab 2017 der Universität angegliedert werden. Vor einer Beteiligung will die Regierung Erfahrungen abwarten. Spichtig findet: «Hier müssen wir unbedingt dranbleiben.»

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