Obwalden
EWO liefert in Obwalden weniger Strom, aber macht mehr Gewinn

Trotz coronabedingten Einbruchs beim Strombedarf ist der EWO-Geschäftsführer zufrieden mit dem vergangenen Jahr. Nun steht eine «hausgemachte» Herausforderung an.

Matthias Piazza
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Das EWO tritt neu auch als Investor für Fotovoltaikanlagen auf.

Das EWO tritt neu auch als Investor für Fotovoltaikanlagen auf.

Bild: Urs Flüeler/Keystone (2. September 2016)

Das Elektrizitätswerk Obwalden (EWO) machte 2020 einen Jahresgewinn von 8,78 Millionen Franken. «Damit wurden unsere Erwartungen übertroffen», freut sich Thomas Baumgartner, Vorsitzender der Geschäftsleitung. Denn der Lockdown im März 2020 führte zu einem markanten Rückgang des Stromverbrauchs bis im Juni. Danach habe sich Corona kaum mehr auf den Stromverbrauch ausgewirkt.

Mit 129,6 Gigawattstunden produzierte das EWO 2020 allerdings 3,6 Prozent weniger Strom als im Jahr zuvor. Ein schneearmer Winter 2019/20 sowie weniger Niederschläge als im langjährigen Mittel beeinträchtigten die Produktionsmenge der eigenen Wasserkraftwerke. Zudem musste im Oktober aufgrund geplanter Sanierungsmassnahmen an der Wasserfassung der Kleinen Melchaa während vier Wochen Wasser ausgeleitet werden. Gut 30 Prozent des verkauften Stromes stammen aus Obwaldner Wasserkraft.

Grosskunden innerhalb und ausserhalb des Kantons

Mit 520,4 Gigawattstunden konnte das EWO trotzdem 1 Prozent mehr Strom verkaufen als noch 2019. Das Unternehmen kauft etwa zwei Drittel auf dem Strommarkt ein. Der Umsatz stieg denn auch um 1,5 Prozent auf 65,7 Millionen Franken. «Wir konnten auch im vergangenen Jahr viele Grosskunden ausserhalb des Kantons mit Strom beliefern», erklärt Thomas Baumgartner, Vorsitzender der EWO-Geschäftsleitung. Innerhalb des Kantons hätten erneut alle Grosskunden ihre Energielieferverträge mit dem EWO verlängert. Zur Erklärung: Grosskunden können im Gegensatz zu Privatkunden ihren Stromlieferanten selber auswählen.

Die drei Fotovoltaikanlagen auf dem Dach der Kantonsschule in Sarnen, auf dem Unterwerk Sarnen und bei der Wasserfassung Grosse Melchaa produzierten dank viel Sonnenschein 0,118 Gigawattstunden und damit 3,5 Prozent mehr Sonnenstrom als im Vorjahr. In Obwalden gingen 116 neue Solaranlagen ans Netz. Zusammen mit den bestehenden decken sie 4,7 Prozent des Obwaldner Strombedarfs.

EWO ist neu auch Investor für Fotovoltaikanlagen und Elektro-Ladestationen

Doch das EWO produziert nicht nur Strom. Eine immer wichtigere Rolle spielen Dienstleistungen in den Bereichen Elektroinstallationen, Gebäudeautomation, Fotovoltaik und Elektromobilität. Solche Dienstleistungen im neu geschaffenen Geschäftsbereich Gebäudetechnik mit 30,8 Vollzeitstellen hätten weiter ausgebaut werden können. Den neuen Weg will das EWO weiter gehen. So tritt es neu bei Firmen und Privatkunden auch als Investor für Fotovoltaikanlagen und Elektro-Ladestationen auf.

Eine der grossen Herausforderungen in diesem Jahr ist sozusagen hausgemacht. Das EWO baut bekanntlich in den nächsten zwei Jahren am bestehenden Standort in Kerns einen neuen Hauptsitz. In den nächsten Wochen heisst es darum, an den provisorischen Standort nach Sachseln umzuziehen. Dabei ist es mit dem Transport von Büromobiliar aber nicht getan. Auch die Leitstelle, also das Nervenzentrum der gesamten Obwaldner Stromversorgung, zieht vorübergehend um. «Das Unterfangen ist eine Herausforderung, denn wir müssen ja die Stromversorgung lückenlos garantieren», erklärt Thomas Baumgartner. Sollte etwas schiefgehen, heisst das allerdings nicht, dass es in ganz Obwalden dunkel wird. Beim Unterwerk in Sarnen gibt's eine zweite Leitstelle, die dasselbe kann, als Reserve für Notfälle, sollte es mit der Hauptleitstelle ein Problem geben.