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OBWALDEN: Fische müssen zur Volkszählung

Wie viele Fische leben eigentlich im Sarnersee? Und welche? Das «Projet Lac» geht dieser Frage auf den Grund. Rund 150 Netze kommen dafür übernächste Woche zum Einsatz.
Matthias Piazza
So wie damals auf dem Lac de Bret VD werden übernächste Woche auf dem Sarnersee die Fische gezählt. (Bild: PD)

So wie damals auf dem Lac de Bret VD werden übernächste Woche auf dem Sarnersee die Fische gezählt. (Bild: PD)

Matthias Piazza

matthias.piazza@obwaldnerzeitung.ch

Übernächste Woche wird der Sarnersee akribisch erfasst – beziehungsweise seine Bewohner. Die Arbeitsgemeinschaft Teleos und Aquabios wird im Auftrag des Kantons Obwalden vom 11. bis 15. September insgesamt rund 150 Netze im See installieren. 90 2 Meter breite Vertikalnetze reichen vom Seegrund bis zur Oberfläche des Sees. 56 Grundnetze – 30 Meter lang und 1,5 Meter hoch – werden am Seegrund montiert. Die Netze werden im ganzen rund 6 Kilometer langen und 7,5 Quadratkilometer grossen Sarnersee nach dem Zufallsprinzip verteilt. Freizeitfischer und Wassersportler sollten einen Mindestabstand von rund 50 Metern zu den roten Bojen halten, welche den Standort der Netze markieren.

Die gefangenen Fische werden vermessen, gewogen und fotografiert, zudem werden spezielle Merkmale beschrieben und Gewebeproben für genetische und ökologische Analysen zurückbehalten. Sämtliche Daten kommen in eine Datenbank, die mit dem Schweizer Zentrum für die Kartografie der Fauna koordiniert ist. Nach Abschluss des Projekts werden alle Daten frei zugänglich sein.

Fische als wichtiger Indikator für das Ökosystem

Von der Aktion erhofft sich Alain Schmutz, Leiter der Abteilung Umwelt des Kantons Obwalden, genauere Erkenntnisse zur Fauna im Sarnersee. «Wir wissen sehr wenig darüber, welche und wie viele Fische im Sarnersee leben.» Einzige Informationsquelle seien die Fischfangstatistiken. «Da die Fischer jedoch gezielt nur bestimmte Fischarten und Grössenklassen fangen, widerspiegeln diese Angaben nicht den tatsächlichen Fischbestand, dies insbesondere, da seit Aufgabe der Berufsfischerei mit Netzen im Jahre 2007 nur noch die Zahlen der ­Angelfischerei zur Verfügung stehen», erklärt Abteilungsleiter Alain Schmutz.

Dabei seien solche Informationen wichtig. «Die Fische sind ein wichtiger Indikator für das Ökosystem eines Sees.» Mit dieser erstmaligen Aktion, die man künftig vielleicht im Abstand von zehn bis fünfzehn Jahren durchführen wolle, würde der Sarnersee besser dokumentiert. Dies lasse dann auch Vergleiche mit anderen Seen zu, welche schon erfasst worden seien. Die Resultate dürften in etwa einem Jahr vorliegen.

Mit überraschenden oder besorgniserregenden Erkenntnissen rechnet Alain Schmutz zwar nicht. «Schliesslich fliessen keine Abwässer von Kläranlagen in den Sarnersee», gibt er zu bedenken. Doch könne er sich vorstellen, dass die Erkenntnisse einen Einfluss auf die künftige fischerei­liche Bewirtschaftung des Sees hätten.

Als Zeitpunkt wurde wie bei den anderen Seen der Spätsommer ausgewählt, wegen der Vergleichbarkeit. Das Wetter sollte gemäss Schmutz keinen besonderen Einfluss auf die Bestandesaufnahme haben, es sei denn, der See wäre wegen heftiger Unwetter stark eingetrübt.

Der Alpnachersee dürfte interessant werden

Wird wegen der intensiven Befischung der Sarnersee jetzt leergefischt? Alain Schmutz beruhigt: «Das ist in einer Woche nicht möglich. Die Fauna gerät des­wegen nicht aus dem Gleich­gewicht.» Auch Hobbyfischer müssten keine grösseren Einschränkungen auf sich nehmen, doch empfiehlt er ihnen, genügend Abstand zu den Netzen beziehungsweise den Bojen zu halten, da sich ansonsten der Angelhaken in den Netzen verfangen könne.

Der Vierwaldstättersee wurde 2014 untersucht – allerdings ohne den Alpnachersee. Dieser könnte laut Schmutz im nächsten Jahr an die Reihe kommen. Die Erkenntnisse dürften interessant werden. Denn der Alpnachersee ist belastet mit Inhaltsstoffen von Medikamenten, Körperpflegeprodukten, Reinigungsmitteln, aber auch Pflanzenschutzmitteln. Sie stammen wohl zum grössten Teil von den beiden ­Abwasserreinigungsanlagen in Stansstad und Alpnach, wo solche Produkte heute noch nicht abgebaut werden und deren ­Abwasser in den Alpnachersee fliessen.

Aufgegleist wurde das «Projet Lac» vom Wasserforschungsinstitut Eawag. Die Resultate sollen ermöglichen, die Artenvielfalt der Fische in den Schweizer Seen zu verstehen. An den Kosten von rund 40 000 Franken für die Bestandesaufnahme des Sarnersees beteiligt sich der Bund mit 25 Prozent, den Rest übernimmt der Kanton.

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