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OBWALDEN: Flüchtlinge schuften nach Unwetter auf Feld

Sie bringen Wanderwege in Schuss und helfen beim Aufräumen von Unwetterschäden: Für Flüchtlinge ist die Arbeit eine willkommene Abwechslung.
Adrian Venetz
Asylsuchende säubern das Wiesland in Stalden von den letzten Spuren des Unwetters Ende Juni. (Bild Adrian Venetz)

Asylsuchende säubern das Wiesland in Stalden von den letzten Spuren des Unwetters Ende Juni. (Bild Adrian Venetz)

Adrian Venetz

«Du arbeitest wie eine Maschine», lobt Daniel Iten den 29-jährigen Syrer Satuf. «Thank you, Dani», antwortet Satuf, während er sich eine kurze Verschnaufpause gönnt.

Satuf ist einer von acht Asylsuchenden, die im Dorf Stalden im Einsatz stehen. Auf einer Wiese der Korporation räumen sie Steine und Schwemmholz weg – Material, das nach dem heftigen Gewitter vom 24. Juni dort liegen geblieben ist. Daniel Iten ist Mitarbeiter der Betreuungsfirma ORS im Asylzentrum auf dem Glaubenberg. «Es ist einfach enorm wichtig, dass die Leute eine Beschäftigung haben», sagt Daniel Iten. «Und so können die Asylsuchenden der Bevölkerung gleichzeitig etwas zurückgeben.»

Mehr Interessenten als Plätze

Der Einsatz in Stalden ist eines von mehreren so genannten GEP-Projekten in Obwalden für Asylsuchende vom Glaubenberg. GEP bedeutet: gemeinnütziges Einsatzprogramm. Und diese Programme kommen an. «Bis jetzt hatten wir immer mehr Interessenten als freie Plätze», sagt Iten. Deshalb muss ein Asylsuchender schon etwas Glück haben, wenn er gleich zwei Tage hintereinander im Einsatz stehen kann.

Satuf ist einer davon. Weil ein anderer Asylsuchender sich zwar auf der Liste eingeschrieben hatte, morgens dann aber doch nicht rechtzeitig parat stand, durfte Satuf gestern Donnerstag nochmals nach Stalden und den Rechen in die Hand nehmen. 30 Franken Sackgeld gibts für einen Tag Arbeit. «Ich mag es, zu arbeiten», sagt der Syrer. «Oben auf dem Glaubenberg gibt es sonst halt nicht viel zu tun.»

Auch andernorts standen Asylsuchende bereits im Einsatz. Eine Gruppe war beispielsweise kürzlich im Sarner Lido am Jäten, eine andere Gruppe brachte den Wanderweg über den Schlierengrad wieder in Schuss und entfernte alte Stacheldrähte entlang der Strecke. «Ziel ist es, dass wir täglich von Montag bis Freitag einen Einsatz anbieten können», sagt Daniel Iten. Probleme gab es bislang keine. Im Gegenteil: «Es ist sensationell, wie sie arbeiten», sagt Iten.

Weitere Projekte geplant

Die Bevölkerung schätze die Arbeit der Asylsuchenden ebenfalls, sagt Sebi Rohrer, Försterpraktikant bei der Arbeitsgemeinschaft (Arge) Forst Sarnen. Die Arge koordiniert den Einsatz der Asylsuchenden im Auftrag der Gemeinde Sarnen. «Momentan konzentrieren sich die Arbeitseinsätze auf Unwetterschäden», erklärt Rohrer. Als Nächstes stehe beispielsweise die Bekämpfung von invasiven Pflanzen auf dem Programm.

«Wirklich gute Arbeit geleistet»

Obwohl Einsätze von Asylsuchenden üblicherweise auf öffentlichem Grund und Boden stattfinden, sei die Gemeinde Sarnen auch einigen Privaten entgegengekommen, erklärt Rohrer weiter. «Es handelt sich hauptsächlich um Bauern, deren Land vom Unwetter in Mitleidenschaft gezogen wurde.»

Zu diesen Landwirten gehört auch Josef Burch aus Stalden. Steine, Sand und Wurzeln blieben nach dem heftigen Gewitter im Juni auf seinem Land liegen. «Ich selber hatte fast keine Zeit, das aufzuräumen – der Sommer war ja genug schlecht für uns Bauern bisher», sagt Burch. «Sie haben wirklich gute Arbeit geleistet», attestiert er den Asylbewerbern.

Bund muss grünes Licht geben

Jeder geplante Arbeitseinsatz muss dem Bund zur Genehmigung vorgelegt werden. Zuständig bei der Gemeinde Sarnen sind dafür die Gemeinderätin Manuela von Ah sowie alt Kantonsoberförster Peter Lienert. «Wenn wir einen möglichen Arbeitseinsatz haben, melde ich das dem Bund und beschreibe kurz die geplante Arbeit», erklärt Lienert. Sobald der Bund grünes Licht gibt, delegiert Lienert den Arbeitseinsatz weiter an eine Stelle vor Ort – beispielsweise Forst oder Korporation.

«Die Asylsuchenden verrichten hauptsächlich ‹Feinarbeiten›», sagt Lienert. Für die Bedienung von Maschinen – etwa Bagger oder Kettensägen – dürfe man die Asylsuchenden natürlich nicht einsetzen. «Zudem sollen es Arbeiten sein, die nicht mit der Privatwirtschaft konkurrieren», betont Peter Lienert. Zum Einsatz kommen jeweils Gruppen von acht Personen plus eine Betreuungsperson des Bundeszentrums. Für den Transport, die Ausrüstung und die Verpflegung der Asylsuchenden ist das Bundeszentrum verantwortlich.

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