Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Konto per E-Mail erhalten.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

OBWALDEN: Flüeli soll Werkstatt des Friedens werden

Aus einem isolierten Meditationszirkel soll im Flüeli eine Plattform für die Friedensbotschaft von Bruder Klaus entstehen – mit mutiger Architektur. Doch es gibt eine grosse Hürde: die Finanzierung.
Christoph Riebli
So soll der Bau gemäss einer ersten architektonischen Vision einst aussehen. Rechts im Bild sieht man das Hotel Paxmontana. (Bild: Thomas Schregenberger)

So soll der Bau gemäss einer ersten architektonischen Vision einst aussehen. Rechts im Bild sieht man das Hotel Paxmontana. (Bild: Thomas Schregenberger)

Christoph Riebli

«Christliche Kontemplation, Spiritualität und Persönlichkeitsbildung»: Mit solchen esoterischen Kursangeboten schreibt der Verein Via Cordis (Lateinisch für Weg des Herzens) seit Jahren Defizite. Und damit auch die gleichnamige Stiftung, die das Bildungshaus St. Dorothea in Flüeli-Ranft vor acht Jahren von den Dorothea-Schwestern erwarb. Die Auslastung ist zu gering. Nach dem Einsatz einer Task-Force zog der Stiftungsrat unlängst die Notbremse. Wie unsere Zeitung berichtete, schliesst das Bildungshaus – das als Friedensdorf bekannt wurde – Ende Monat. 20 Mitarbeiter verlieren ihren Job. Die Führung ist bis dahin Sache der Stiftung, da die Vereinskasse trotz Spenden aus der Weggemeinschaft keine weiteren Defizite mehr verkraftet.

Flüeli-Ranft als «Leuchtkörper»

Nun versucht der Stiftungsrat Via Cordis die Kehrtwende: Mit einer Neu­positionierung als Friedenshaus Flüeli- Ranft und einer zeitgenössischen ­Architektur soll die Lebens- und Wirkungsstätte von Bruder Klaus zum internationalen Kompetenzzentrum für Friedensfragen werden, ganz in Anlehnung an dessen Friedensbotschaft von 1482 im Nachgang zum Stanser Verkommnis. Die Kosten für den Neubau mit drei Gebäudekomplexen und vorgelagertem Meditationsraum liegen gemäss der Stiftung im zweistelligen Millionenbereich.

«Flüeli-Ranft wird zu einem Leuchtkörper, zu einer Werkstatt für den Frieden», steht in der Projektbroschüre. Geplant sei ein Brückenschlag zwischen Spiritualität und Wissenschaft. Künstlerische und praktische Forschungspro­jekte sollen hier unweit des Geburtshauses von Bruder Klaus mit anderen Leistungsträgern – unter anderem Universitäten – angestossen werden. Ein integrierter Hotelbetrieb mit 45 Zimmern und Seminarbereich soll den betrieblichen Grundstein dieses «offenen Forums» bilden.

«Für Obwalden etwas Gutes»

«Diese Thematik und das Projekt passen zu 100 Prozent an diesen Ort. Das ist für mich der Motor, hier mitzuarbeiten», sagt Walter Wyrsch, Vizepräsident der Stiftung und CSP-Kantonsrat. Er ist überzeugt, dass die Ausstrahlung eines solchen Projekts dem «Bruder-Klausen-Kanton» gut ansteht: «Wir wollen zu namhaften Institutionen Brücken bauen, dann haben wir auch für den Kanton Obwalden etwas Gutes gemacht.»

Doch wird hier nicht mit zu grosser Kelle angerührt? «Entweder gelingt es uns, mit einem grossen Wurf etwas Neues zu schaffen, oder dann nicht. So wie früher geht es bestimmt nicht weiter», unterstreicht Wyrsch den bewussten Bruch mit dem bisherigen Konzept. Dies werde auch durch die architektonische Vision ausgedrückt.

Erst «eine Duftnote» gesetzt

Und über die lässt sich streiten. Ob die Flüeler Freunde solch zeitgenössischer Architektur sind, wird sich zeigen. Projektleiterin und Historikerin Christina Haffter aus Zürich, Ehefrau von Stiftungsratspräsident Andreas Haffter, hat bisher noch keine negativen Rückmeldungen erhalten. Sie betont: «Es ist kein bewilligungsfähiges Projekt, wirklich erst eine architektonische Vision.» Damit werde quasi eine erste «Duftnote» gesetzt. Planerisch startete man im Dezember 2015. «Dafür sind wir super unterwegs.» Aktuell kläre man die Finanzierung ab – «auch über die Schweiz hinaus». Für das Fundraising bei privaten Investoren, Organisationen und Stiftungen rechne man zwei bis drei Jahre Zeit ein. Eine Umsetzung auf den 600. Geburtstag von Bruder Klaus nächstes Jahr sei «völlig unrealistisch». Das neue Haus sei nicht vor 2019 oder 2020 denkbar.

Und was sagt ihr Bauchgefühl zur Realisierbarkeit? «50:50», gesteht Christina Haffter. «Wir haben gemerkt, dass die Mittelbeschaffung Geduld braucht.» Bei vielen Leuten käme die Grundidee gut an, so auch bei der Gemeinde, dem Obwaldner Volkswirtschaftsdepartement oder der Denkmalpflege. Dass neu gebaut werden müsse, liege am «sehr sanierungsbedürftigen Zustand» der Liegenschaften. «Das zwingt uns zum Handeln.» Der «bewusste Schritt gegen aussen» mit möglichst grosser Vernetzung sei die logische Konsequenz daraus. Haffter ist überzeugt, dass Flüeli-Ranft und das Erbe Niklaus von Flües «einer säkularen Gesellschaft sehr viel geben können».

Geschützte Umgebung

Die Liegenschaften am Hubel liegen in der Bauzone, aber auch in einem Schutzperimeter des Bundes. Das Flüeli gehört zum Inventar schützenswerter Ortsbilder von nationaler Bedeutung der Schweiz (Isos). Bei einem Neubau ist besonders auf das Hotel Paxmontana, ein Baudenkmal von ebenfalls nationaler Bedeutung, Rücksicht zu nehmen. «Hier spielt der Umgebungsschutz hinein», bestätigt Obwaldens Denkmalpfleger Peter Omachen. Das gelte für das «Paxmontana» und die Karl-Borromäus-Kapelle – zwei prägende Bauten. «Wenn in diesem Kontext etwas Drittes entstehen soll, muss das funktionieren.»

«Der Ausgang ist völlig offen», betont Christina Haffter. Die Stiftung habe wirtschaftlichen Druck, vorwärtszumachen. «Auch ein leer stehendes Haus kostet.» Eine erste Lagebeurteilung durch den Stiftungsrat folgt im Juli. Gelangt er zu einer negativen Einschätzung, ist das Via-Cordis-Haus wohl dereinst auf dem Immobilienmarkt wieder anzutreffen. «Bis uns jemand das Gegenteil beweist, glaube ich, dass das Friedenshaus eine Zukunft hat», gibt sich Stiftungsrat Walter Wyrsch jedoch optimistisch.

Mehr Infos: www.friedenshaus.ch

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.