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OBWALDEN: Frutt wird Zuhause für drei Bartgeier

Ab Mitte Juni ist der Bartgeier auf Melchsee-Frutt von einem Infostand aus zu bestaunen. Ausgesetzt werden die jungen Tiere bereits in acht Tagen.
Marion Wannemacher
Vor einem Jahr im Calfeisental SG: Mitarbeiter des Tierparks Goldau und der Stiftung Pro Bartgeier setzen einen Bartgeier aus. (Bild Erhard Gick)

Vor einem Jahr im Calfeisental SG: Mitarbeiter des Tierparks Goldau und der Stiftung Pro Bartgeier setzen einen Bartgeier aus. (Bild Erhard Gick)

Marion Wannemacher

«Das Interesse am Bartgeier ist riesen-gross», stellt Josef Blättler, Co-Präsident des WWF Unterwalden, fest. Der kleine Saal in der «Metzgern» ist bis fast auf den letzten Platz belegt. Doch die meisten Besucher sind nicht wegen der GV des WWF Unterwalden oder der Verleihung seines Umweltpreises da (siehe Seite 24), sondern wegen Franziska Lörchers Referat über den Bartgeier. Der WWF ist neben Vertretern von Tourismus, Behörden, Korporation und Jagdverbänden am Patronatskomitee für den Bartgeier beteiligt. Dessen Vorsitzender, Regierungsrat Paul Federer, war am Donnerstagabend ebenfalls vertreten.

Tag und Nacht bei den Jungvögeln

Bereits am Sonntag, 31. Mai, werden drei junge Bartgeier, die aus dem Tierpark Goldau, aus Wien und aus Spanien stammen, im Gebiet Hengliwang, rund zwei Kilometer nordöstlich der Tannalp, auf Melchsee-Frutt ausgewildert. Die Stiftung Pro Bartgeier Schweiz leitet das Auswilderungsprojekt. Bis dahin sind die drei Bartgeier etwa 100 Tage alt, informiert Ornithologin Franziska Lörcher. Von Anfang an wird sie die Jungvögel während rund sechs bis sieben Wochen Tag und Nacht aus der Distanz überwachen, in einem Container übernachten und ihnen Futter auslegen (wir berichteten). Ein Team ist acht bis zehn Wochen vor Ort.

Das Spannende für interessierte Laien: Sie dürfen den Bartgeier ebenfalls ab 13. Juni, wenn die Bergbahnen öffnen, von einem eigens für sie eingerichteten Infostand aus beobachten. Dort können sie den Fachleuten auch Fragen stellen. «Die Vögel sind einfach zu entdecken», erklärt Franziska Lörcher, die in ihrer Masterarbeit die genetische Diversität von Bartgeiern untersucht hat.

Fliegen von hier bis an die Nordsee

Imposant wirkt so ein mächtiger Vogel, wenn er ausgewachsen ist. Jemand aus dem Publikum erkundigt sich nach der Flügelspannweite. «Zwischen 2,80 und 2,90 Meter», antwortet Franziska Lörcher. «Ein ausgewachsenes Tier ist zwischen 5,5 und 7,5 Kilogramm schwer – das ist eigentlich leicht für seine Spannweite», bewertet sie und erklärt den staunenden Zuhörern, dass der Bartgeier ein sehr guter Flieger sei und seine Touren problemlos von hier bis an die Nordsee reichen könnten – und wieder retour. Die Jungvögel lernen allerdings erst in der Melchsee-Frutt das Fliegen. «Mit 110 bis 130 Tagen fliegen sie», erklärt Franziska Lörcher. «Die meisten bleiben dann zwischen vier und sechs Wochen an ihrem Standort. Gefüttert werden sie, bis sie nicht mehr an den Auswilderungsort zurückkommen. Man fährt langsam das Futter zurück.» Bartgeier sind Aasfresser – mitsamt der Knochen. Gefüttert wird gefrorenes Fallwild, also Wild, das bei Unfällen zu Tode kam. «Anfänglich legt man rund 200 bis 300 Gramm am Tag aus», so die Expertin.

Bereits 2013 suchte man unter vielen möglichen Standorten in der Zentralschweiz die Melchsee-Frutt aus. «Der Hengliwang ist herausgestochen: Man hat einen sehr sicheren Standort für die Bartgeier, gut überwachbar für uns, man hat keine Kabel in der Nähe, in die sie fliegen könnten, und Möglichkeiten, dem Publikum einen guten Zugang zu bieten. Und wir sind mit offenen Armen empfangen worden. Das Patronatskomitee ist vor Ort eine grosse Unterstützung», lobt Franziska Lörcher.

Nach Calfeisental nun Frutt

Die Auswilderung der drei jungen Bartgeier ist Teil eines international koordinierten Wiederansiedlungsprogamms, das seit 1986 läuft. Ausgewildert werden ausschliesslich in Gefangenschaft geborene Tiere. Man versucht seit 2010 die beiden Populationen von den Alpen und den Pyrenäen zu verbinden.

Im Schweizer Nationalpark wurden bereits 26 Tiere ausgewildert, zuletzt (von 2010 bis 2014) waren es 12 Bartgeier im Calfeisental (siehe Bild) und nun dieses Jahr auf Melchsee-Frutt. Langfristiges Ziel, ist die Population zum Wachsen zu bringen, um einen möglichst breiten Genpool zu erhalten.

Hinweis

Unter www.bartgeier.ch gibts ab 31.Mai einen Bilderblog zur Auswilderung.

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