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OBWALDEN: Fussball-Skandal: Spuren in Obwalden

Korruption erschüttert die kroatische Fussballwelt schon seit einiger Zeit. Nun ist man den Drahtziehern auf der Spur – und diese führt nach Alpnach.
Adrian Venetz
«Es handelt sich um einen happigen Fall.» Esther Omlin, Oberstaatsanwältin OW (Bild: Corinne Glanzmann / Neue LZ)

«Es handelt sich um einen happigen Fall.» Esther Omlin, Oberstaatsanwältin OW (Bild: Corinne Glanzmann / Neue LZ)

Adrian Venetz

Es waren wüste Szenen an der EM in Frankreich: Bei der Partie Kroatien gegen Tschechien am 17. Juni flogen wenige Minuten vor Spielende Feuerwerkskörper aufs Feld, die Partie musste kurz unterbrochen werden. Wie sich im Nachhinein herausstellte, handelte es sich dabei offenbar um eine Sabotage-Aktion der «Bad Blue Boys», einer Hooligan-Gruppierung des kroatischen Vereins Dinamo Zagreb. Wie verschiedene Medien berichten, richtet sich der Unmut der Gruppe gegen den berüchtigten Mamic-Clan um die Brüder Zdravko und Zoran Mamic. Zdravko Mamic gilt als mächtigster Strippenzieher im kroatischen Fussball. Dem Clan wird Steuerhinterziehung, Korruption und Geldwäscherei vorgeworfen. Die Brüder Mamic sassen in Kroatien Ende 2015 deswegen in Untersuchungshaft.

Drei weitere Kantone involviert

Wie unsere Zeitung nun in Erfahrung gebracht hat, führt eine wichtige Spur im Zuge der Ermittlungen gegen den Mamic-Clan direkt nach Obwalden. Es geht um ein Firmendomizil in Alpnach, über welches die illegalen Finanztransaktionen mutmasslich gelaufen sind – die Rede ist etwa von fingierten Transfersummen auf dem Spielermarkt, Korruption und Geldwäscherei.

Die Obwaldner Oberstaatsanwältin Esther Omlin bestätigt dies. «Es handelt sich um einen happigen Fall», sagt sie. Involviert seien auch die Kantone Zürich, Tessin und Genf, die Staatsanwaltschaft Obwalden führe die Ermittlungen für alle Kantone in der Schweiz. Die Strafuntersuchungen in Obwalden und der Schweiz begannen im Januar, nachdem die kroatische Sonderstaatsanwaltschaft zur Bekämpfung von Korruption und organisierter Kriminalität ein Rechtshilfegesuch an die Schweiz gerichtet hatte. Aufgabe der Obwaldner Staatsanwaltschaft war es in den vergangenen Monaten, vor allem die Finanztransaktionen bei verschiedenen Banken – getätigt durch ein ganzes Firmengeflecht, teils via besagte Briefkastenfirma in Alpnach – unter die Lupe zu nehmen.

Befragungen erst nach der EM

Mitte Juli folgen Zeugenbefragungen in Obwalden. «Weil sich die wichtigen Personen derzeit in Frankreich aufhalten, müssen wir warten, bis die EM vorbei ist», so Esther Omlin. Die Beschuldigten haben gemäss Omlin das Recht, bei den Zeugenbefragungen dabei zu sein. Ob sich der kroatische Strippenzieher Zdravko Mamic – bekannt für seine Wutausbrüche und Beschimpfungen – auf den Weg nach Obwalden macht, ist offen.

Wie der Name der Briefkastenfirma in Alpnach lautet, gibt Oberstaatsanwältin Esther Omlin nicht preis. «Es ist eine Firma, die in Alpnach bei einem Treuhänder ihr Domizil hat. Ihre Aktivitäten laufen aber über Anwalts- und Treuhandbüros aus Zürich.» Der Obwaldner Treuhänder sei bloss Domizilgeber und habe vielleicht von den dubiosen Machenschaften der Firma «keine Kenntnis» gehabt, wie Omlin sagt. Deshalb laufe auch kein Strafverfahren der kroatischen Behörden gegen den Alpnacher Treuhänder. Ende August sollten die Ermittlungen abgeschlossen sein, sagt Oberstaatsanwältin Omlin weiter. Erst dann könne man weitere Details zum Strafverfahren bekannt geben.

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