OBWALDEN: Gespaltene SP hält zu Windlin

Die SP musste sich bei der Wahlempfehlung für den Ständerat aus einem Dilemma befreien. Ihr Entscheid für André Windlin fiel denkbar knapp aus.

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André Windlin wird von der SP unterstützt. (Bild: Roger Zbinden / Neue OZ)

André Windlin wird von der SP unterstützt. (Bild: Roger Zbinden / Neue OZ)

Als die Obwaldner Genossinnen und Genossen im ersten Wahlgang der Ständeratswahl den FDP-Kandidaten André Windlin mit einem doch deutlichen 14 zu 7 Stimmen-Mehr unterstützten, staunte nicht nur die CVP, die mit Erich Ettlin den Kürzeren gezogen hatte. Auch andere, eher parteipolitisch denkende Leute schüttelten über diesen Entscheid der Rot-Grünen den Kopf. «Wir konnten nach einem fundierten Verfahren und bei einer angeregten Diskussion keine massiven Unterschiede zwischen den beiden Kandidaten feststellen», stellte Co-Präsidentin Nicole Wildisen an einer ausserordentlichen Mitgliederversammlung am Montag in Sarnen rückblickend fest. Nicht einen Parteientscheid, sondern ein Entscheid zu Gunsten der Person André Windlin habe man da getroffen. Indem sie auf den zweiten Wahlgang vorausblickte, meinte Nicole Wildisen: «Nach dem überraschenden, ernüchternden Rechtsrutsch müssen wir unsern Entscheid nochmals überdenken.» Dabei machte die Co-Präsidentin kein Hehl daraus, dass sie als Gegensteuer eine Kehrtwende ihrer Partei mit der Unterstützung des CVP-Kandidaten Erich Ettlin begrüssen würde. Auch eine mögliche Stimmfreigabe stellte sie zur Diskussion.

Befürchtungen und engagierte Voten

Gleich als erster Redner zeigte der frühere Bundesrichter Niccolo Raselli der Partei das Dilemma auf, in das sie sich manövriert hatte. «Beide Kandidaten sind gleich weit von der SP entfernt, bei einem Umschwenken müssen wir nach dem deutlichen Mehr vom letzten Mal schon gut argumentieren, wenn wir nicht als Wendehälse in die Geschichte eingehen wollen.» Sehr engagiert trat der Giswiler Biolandwirt und Kantonsrat Ambros Albert für seinen Berufskollegen aus Kerns ein. «Wir haben den Besseren gewählt, daran hat sich inzwischen nichts geändert», sagte er. Und er bestand darauf: «Wer A sagt, muss auch B sagen, wir sind nicht Egoisten, sondern Sozialisten.» Auch der Giswiler Gemeindepräsident Beat von Wyl sprach sich für eine geradlinige Politik der Linkspartei und ein Festhalten am Kandidaten aus. Dagegen hielt der Sarner Kantonsrat Max Rötheli: «Der Rechtsrutsch im Parlament macht mir Angst, für mich geht es hier um die Prinzipienfrage, ob wir in Bern die FDP-Fraktion unterstützen können und wollen.» Co-Präsident Guido Cotter schlug als Ausweg aus dem Dilemma, in dem sich die SP nach dem Rechtsrutsch in Bern heute zweifelsohne befinde, Stimmfreigabe vor. «Damit fällt uns kein Zacken aus der Krone, und wir können den Rechtsrutsch ein wenig korrigieren», meinte er. Dies sei angebracht, zumal die SP bundesweit der CVP sicher näher stehe als der FDP. Niccolo Raselli hielt ihm entgegen: «Selbst eine Stimmfreigabe müssen wir sehr gut begründen, wenn wir nicht Windfahnen sein wollen.»

Hartes Ringen um Entscheid

Die Diskussion darüber, ob die SP nun an ihrer einmal getroffenen Personenwahl festhalten und André Windlin weiter unterstützen wolle oder ob sie durch ein Umschwenken zum CVP-Mann Erich Ettlin dem Rechtsrutsch in Bern gegensteuern solle, war sehr lebhaft. Dabei zeigte sich, wie diese Frage die Partei in zwei Lager spaltete. Eine Stimmfreigabe wurde mit 11 zu 10 Stimmen ganz knapp abgelehnt. Die entscheidende Abstimmung aber, ob man bei André Windlin bleibt oder zu Erich Ettlin umschwenkt, war noch knapper. Nachdem die Auszählung im ersten Anlauf ein unentschiedenes 7 zu 7 ergab, rief Nicole Wildisen zu einer zweiten Ausmarchung auf. Nun hielten acht Mitglieder ihre Hand für André Windlin und sieben für Erich Ettlin auf. Dass diese Empfehlung zu Gunsten von André Windlin wenig abgestützt ist, zeigten auch die sechs Enthaltungen.

Romano Cuonz