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OBWALDEN: Giswil: Hirsche in Winterruhe gestört

In Giswil überwintert ein grosses Rudel Rotwild. Seit ganze 40 Tiere auf Video eingefangen wurden, belästigen Schaulustige die Hirsche. Die Folgen könnten tödlich sein.
Franziska Herger
Rotwild in Obwalden. (Bild: PD)

Rotwild in Obwalden. (Bild: PD)

Franziska Herger

franziska.herger@obwaldnerzeitung.ch

Obwalden ist ein beliebter Ort zum Überwintern, nicht nur für Touristen in sonnigen Höhen: Hirsche, die den Schutz tieferer Lagen bevorzugen, strömen im Winter in das westliche Sarneraatal, etwa nach Giswil. «Die Tiere bilden Rudel und suchen sich ein geeignetes Winterquartier», sagt der kantonale Jagdverwalter Cyrill Kesseli auf Anfrage. «Dieses finden sie in den südöstlich exponierten Hängen. Die sonnige Lage und die Verzahnung von Wald und Wiese im Gebiet Giswil ist für das Rotwild ideal.»

Ganze 40 Hirsche, die in der Dunkelheit über die Giswiler Panoramastrasse springen, zeigt ein Video aus diesem Winter, das in Jägerkreisen kursiert – nicht zur Freude des Jagdverwalters. «Dass in Giswil viele Rothirsche überwintern, weiss man schon lange. Doch jetzt stellen Schaulustige ihnen nach und zünden nachts teils mit Taschenlampen umher», sagt Cyrill Kesseli. «Die Tiere reagieren darauf mit Flucht und verbrauchen wertvolle Energiereserven.» Ein Riesenstress sei das für die Tiere, fügt Eugen Gasser an. Der für Giswil, Lungern und Sarnen zuständige Wildhüter fürchtet um ihr Überleben: «Für die Rehe, Hirsche und Gämsen fängt der Winter gerade erst an. Jetzt zeigt sich, welche Tiere noch Reserven haben, jetzt sterben am meisten. Sie brauchen einfach nur Ruhe.»

Gasser und Kesseli sind sich bewusst, dass die Benutzung öffentlicher Strassen nicht verboten werden kann. «Aber man kann den Schaden minimieren, indem man Wildruhezonen respektiert, Vernunft walten lässt und den Hund an der Leine führt», sagt Gasser. «Die Hirsche waren nicht wie wir den ganzen Winter in der warmen Stube. Jetzt müssen wir uns an die Regeln halten.»

Immer mehr Rotwild, immer mehr Schäden

Zumal gestresste Tiere auch mehr Schaden anrichten, ergänzt Cyrill Kesseli. «Der Kalorienbedarf der Rothirsche steigt, je schneller und je mehr sie sich bewegen müssen. Wenn sie in der Dämmerung und nachts auf den Weideflächen gestört werden, entstehen im Wald noch stärkere Verbissschäden an jungen Bäumen.»

Auch ohne Schaulustige habe sich das Problem der Wildschäden in den letzten Jahren durch den immer grösseren Rotwild­bestand verschärft, erklärt Kes­seli. Neben den abgefressenen Pflanzen im Wald kann das Rotwild beim Queren Zäune beschädigen sowie, vor allem auf der Flucht, die Wiesen lädieren – ein Rothirsch ist gut fünfmal so schwer wie ein Reh. Mit einer die Kantonsgrenzen übergreifenden Jagdplanung versuche man das Problem des steigenden Bestands in den Griff zu bekommen, sagt Kesseli. Jetzt im Winter kann er aber nur an die Vernunft appellieren: «Lasst den Tieren ihre Ruhe, sie haben es eh schon schwer bei diesen Temperaturen.»

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