OBWALDEN: «Güggeli-Toni» kämpft weiter

Bis zum Schluss will Jeton Dermaku alias «Güggeli-Toni» seine Ausschaffung abwenden. Gestern demonstrierte er vor der Obwaldner Verwaltung in Sarnen.

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Etwa 20 Leute demonstrierten gestern vor der Obwaldner Verwaltung in Sarnen gegen die Ausschaffung von «Güggeli-Toni» (vorne rechts). (Bild Corinne Glanzmann)

Etwa 20 Leute demonstrierten gestern vor der Obwaldner Verwaltung in Sarnen gegen die Ausschaffung von «Güggeli-Toni» (vorne rechts). (Bild Corinne Glanzmann)

Adrian Venetz

Die Festbänke waren rasch aufgestellt, ein Lieferwagen brachte Süssmost und Mineralwasser, sogar Plakate und bedruckte T-Shirts lagen bereit: «Friedliche Demo gegen die Ausschaffung vom Güggeli-Toni.» Friedlich war sie wahrhaftig, die Demonstration vor dem Verwaltungsgebäude des Kantons Obwalden in Sarnen – und ziemlich winzig. Der Kosovare Jeton Dermaku hatte die Bevölkerung eingeladen, um ein Zeichen zu setzen gegen seine Ausschaffung (Ausgabe vom 17. März). Doch letztlich kamen nur etwa 20 Personen, die meisten davon Landsleute aus seinem engeren Kollegenkreis. «Etwas enttäuscht bin ich schon», so Jeton Dermaku gegenüber unserer Zeitung. «Aber es sind halt Osterferien, und ich musste alles sehr kurzfristig planen.»

Stammkunden protestieren

Zu den wenigen «externen» Gästen gehört das pensionierte Ehepaar Josef und Maria von Wyl aus Kägiswil. «Jede Woche kaufe ich bei ihm ein Poulet», sagt Maria von Wyl. «Dieser Mann arbeitet hart, kostet den Staat nichts und hat sich nichts zu Schulden kommen lassen – und so einer soll ausgeschafft werden?» Das könne sie einfach nicht verstehen. «Ich sage es ganz offen: Es gibt so viele Ausländer, die nicht arbeiten und nur Geld vom Staat wollen. Und denen passiert nichts.»

«Paradebeispiel für Integration»

Das ärgert auch den 39-jährigen Enver, ein Landsmann und langjähriger Freund von Jeton Dermaku. «Toni arbeitet jeden Tag von 6 bis 22 Uhr. Er hat ein grosses Herz und so viel positive Energie. Alle mögen ihn. Ist er denn nicht ein Paradebeispiel für eine gelungene Integration?» Er selbst, sagt Enver, kenne Ausländer, die Sozialhilfe beziehen, mit «schicken Anzügen und Autos unterwegs» seien oder gar kriminell werden. «Toni ist genau das Gegenteil von solchen Ausländern.»

Wie geht es nun weiter mit «Güggeli-Toni»? Eigentlich müsste der 40-jährige Kosovare heute, am 31. März, die Schweiz verlassen. Zur Erinnerung: Die Obwaldner Behörden hatten seine Niederlassungsbewilligung annulliert, dies, weil er sein turbulentes Privatleben – die Rede ist von mehreren Ehen und mehreren Kindern – den Behörden verschwiegen und damit das Asylrecht verletzt hatte. Das Bundesgericht stützte den Entscheid des Kantons. In der Folge stellte «Güggeli-Toni» ein Härtefallgesuch. Dieses liegt derzeit noch beim Kanton, ein Entscheid ist noch nicht gefallen.

Neue Beschwerde eingereicht

Damit Dermaku in der Schweiz bleiben kann, bis über das Härtefallgesuch entschieden ist, hat seine Luzerner Anwältin Claudia Zumtaugwald nachträglich noch ein Massnahmebegehren beim Obwaldner Migrationsamt eingereicht. Dieses wurde gemäss Zumtaugwald allerdings abgewiesen, wie sie gestern schriftlich erfahren hat. Zumtaugwald reagiert nun offenbar sofort mit einer Beschwerde an den Obwaldner Regierungsrat, damit «Güggeli-Toni» nicht heute ausreisen muss, sondern bis zum Entscheid über das Härtefallgesuch hierbleiben darf. «Ich lebe seit 17 Jahren in der Schweiz und wüsste nicht, was ich machen soll, wenn das Gesuch abgelehnt wird», sagt Jeton Dermaku.

Von den Behörden liess sich gestern niemand an der Demonstration blicken. Volkswirtschaftsdirektor Niklaus Bleiker sagte auf Anfrage, dass die kantonale Abteilung Migration nach internen Richtlinien «einige Zeit» hätte, um über das Härtefallgesuch zu entscheiden. «Ich habe der Abteilung aber den Auftrag erteilt, diesen Fall möglichst zeitnah und mit oberster Priorität zu behandeln.»