OBWALDEN: Heckenpflege fördert Artenvielfalt

Forstwartlehrlinge üben in Giswil im Rahmen eines Vernetzungsprojekts das richtige Schneiden von Hecken. Nach zehn Jahren geht das Projekt nun an den Kanton über.

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Forstwartlehrlinge schneiden Sträucher und schichten damit Haufen als Winterquartier für Igel. (Bild: Rolf Boller/PD (Giswil, 24. November 2016))

Forstwartlehrlinge schneiden Sträucher und schichten damit Haufen als Winterquartier für Igel. (Bild: Rolf Boller/PD (Giswil, 24. November 2016))

In Giswil wachsen Hecken entlang den Entwässerungsgräben des ehemaligen Riedgebiets. Seit dem Anlegen der Gräben im letzten Jahrhundert sind die Ufergehölze zu mächtigen Baumbeständen ausgewachsen. Zu dichte und grosse Baumhecken werfen Schatten und Laub auf die angrenzenden Wiesen – zum Leidwesen der Landwirte. Ohne Pflege nimmt auch die Vielfalt der Sträucher ab, weil niedere und langsam wachsende Sträucher von den konkurrenzstarken Haseln, Weiden und Erlen verdrängt werden.

Das rief Landwirte, Förster und Naturschutzorganisationen gemeinsam auf den Plan. Vor zehn Jahren gründeten sie unter der Leitung der Korporation Giswil den landwirtschaftlichen Arbeitskreis und das Vernetzungsprojekt Sarnersee Süd. Mit dem Kanton Obwalden und dem Fonds Landschaft Schweiz (FLS) als Projektpartner wird das Gebiet seitdem durch verschiedene Akteure ökologisch aufgewertet und die Lebensräume für Tiere durch Vernetzungskorridore werden miteinander verbunden.

Verjüngungskur für die Baumhecken

Wenn im Herbst die Sträucher in den Gärten mit der Heckenschere zurechtgestutzt werden, dann werden auch die Baumhecken in Giswil einer Verjüngungskur unterzogen. Nur fährt man hier mit grossem Gerät auf. Es gilt, ganze Gebüsche und Bäume zu fällen und abzutransportieren. Worauf man dabei genau achten muss, lernten elf Zentralschweizer Forstwartlehrlinge in einem mehrtägigen Kurs in Theorie und Praxis. Die Umgebung der Naturschutzzone Usser Allmend war für die Lehrlinge ein ideales Übungsgebiet, weil hier Hecken in unterschiedlichen Entwicklungsstadien zu finden sind.

Einige Tonnen an Material werden entfernt

Um die gewünschte Wirkung zu erzielen, wird bei einem ersten Eingriff bis zu 50 Prozent der Biomasse entfernt. Das sind einige Tonnen an Stamm- und Astmaterial, guter Brennstoff für Holzschnitzelheizungen. Einige der abgeschnittenen Äste werden zu Asthaufen für überwinternde Igel zusammengelegt.

Im Rahmen des Projektes sind diverse Amphibienteiche angelegt und etwa 5 Kilometer Waldränder sowie 3,5 Kilometer Hecken aufgewertet worden. Die Streuwiesen und Schilfflächen der inzwischen kantonal geschützten Gebiete Usser Allmend und Hanenried sind wichtige Brutgebiete für Zugvögel. Zwischen Zollhaus und Usser Allmend quert zudem ein national ausgeschiedener Wildtierkorridor das Gebiet.

Seit 2007 unterstützt der Fonds Landschaft Schweiz das Projekt, damit die zwei Gebiete mit dem Schibenried und der Allmend ökologisch durch einen Korridor entlang des Dreiwässerkanals verbunden sind.

Neuntöter als Maskottchen

Im Gebiet brüten einige Exemplare des seltenen Neuntöters. Der gemäss Roter Liste bedrohte Vogel ist auf Hecken mit Dornsträuchern angewiesen. Darum wurde der Neuntöter als Leitart für das Vernetzungsprojekt ausgewählt, sozusagen als Maskottchen. Für die Wirkungskontrolle wertet die Projektträgerschaft regelmässig die Daten der Vogelwarte Sempach aus. Jährlich können nun einige Brutpaare des Neuntöters beobachtet werden.

Nach zehn Jahren zieht Peter Abächerli von der Projektleitung dieses Fazit: «Wo früher in den Hecken die Haselbüsche und Erlen dominierten, ist heute eine Vielfalt von Sträuchern vorhanden.» Damit die ökologische Vernetzung der Naturschutzzonen und wertvollen Lebensräume verbessert werden konnte, mussten in erster Linie die verschiedenen Akteure vernetzt und organisiert werden. Ab 2017 geht das Vernetzungsprojekt Sarnersee Süd in das kantonale Vernetzungsprojekt über. Die Initianten hoffen, dass der Fonds Landschaft Schweiz (FLS) als Projektpartner erhalten bleibt, um auch in Zukunft Aufwertungsmassnahmen und Pflegeeingriffe zu Gunsten der Artenvielfalt finanzieren zu können. (pd/red)