OBWALDEN: Hier wachsen die Blütenblätter

Funken sprühen, massive Schrauben winden sich durch Stahlträger. In der Schlosserei von Andreas Rohrer in Kägiswil entstehen acht Rosenblätter.

Adrian Venetz
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So soll es aussehen, wenn es fertig ist: die schwimmende Gästival-Seerose. (Bild: Visualisierung PD)

So soll es aussehen, wenn es fertig ist: die schwimmende Gästival-Seerose. (Bild: Visualisierung PD)

Adrian Venetz

Wie viel wiegt ein Rosenblatt? Andreas Rohrer kennt die Antwort genau: 2,5 Tonnen. Der Chef der gleichnamigen Schlosserei- und Metallbaufirma in Kägiswil hat im vergangenen Herbst einen ganz speziellen Auftrag erhalten. Sein Team stellt derzeit acht Seerosenblätter her. Nach getaner Arbeit werden diese auf dem Vierwaldstättersee auf die Gästival-Seerose montiert, eine riesige schwimmende Plattform, die das Herzstück des Jubiläumsjahrs «200 Jahre Gastfreundschaft Zentralschweiz» sein wird (siehe Kasten).

Tüfteln und Ausprobieren

«Mich hat das Projekt von Anfang an begeistert», erzählt Andreas Rohrer. «Es ist schön, ein Teil dieses Projekts sein zu dürfen.» Schon öfters hat seine Firma Aufträge im Rahmen von Kunst- und Kulturprojekten erhalten und ausgeführt. «Jeden Tag die gleiche Arbeit machen – das wäre nichts für mich», sagt der 47-Jährige. «Unsere Stärke liegt schon auch darin, Dinge zu entwickeln, wo man am Anfang noch nicht genau weiss, ob und wie es funktionieren soll», sagt Andreas Rohrer. Das Tüfteln und Ausprobieren gefalle ihm und seinem Team. «Und es kommt schon hin und wieder vor, dass ich in der Nacht aufwache und an die Rosenblätter denke», sagt er schmunzelnd.

Etwa 1500 Stunden Arbeit investiert die Firma in die acht Rosenblätter. Nicht mitgerechnet ist die vorgängige Planung. Das Auftragsvolumen für das Kägiswiler Stahlbau- und Schlossereiunternehmen bewege sich in der Grössenordnung von gut 200 000 Franken, sagt Andreas Rohrer.

Rosa Lack gibt die Farbe

Die Dimensionen der Konstruktion sind gewaltig: Ein Rosenblatt hat eine Fläche von 60 Quadratmetern. In der grossen Montagehalle an der Galileo-strasse in Kägiswil werden die massiven Stahlträger zurechtgebogen, verschweisst und verschraubt. Sie bilden das Grundgerüst. Anschliessend werden riesige, rosa lackierte Aluminiumplatten darauf verschraubt – und fertig ist ein Rosenblatt. Voraussichtlich Mitte März folgt der Transport Richtung Luzern. «Wir sind gut im Zeitplan. Das kriegen wir hin», sagt Andreas Rohrer. Ein einzelnes Rosenblatt ist allerdings zu gross und zu schwer, um es als Ganzes transportieren zu können. «Mit einem Helikopter würde es klappen – aber das wäre zu teuer geworden.» Deshalb erfolgt die Endmontage der einzelnen Teile direkt vor Ort auf dem See in Luzern. Mittels Hydraulikzylindern können die einzelnen Blütenblätter nach der Endmontage dann ein- und ausgefahren werden – quasi wie eine sich öffnende und schliessende Blume.

Platz für bis zu 700 Personen

red. Die schwimmende Plattform ist das Herzstück des Jubiläums Gästival. Bei diesem feiern die Kantone Uri, Schwyz, Luzern, Ob- und Nidwalden mit Beteiligung des Bundes und Privaten im nächsten Jahr die 200-jährige Tourismusgeschichte der Region. Die Plattform ist 16 Meter hoch und hat einen Durchmesser von 48 Metern. Sie bietet Platz für maximal 700 Personen. Mit dem Bau der 500 Tonnen schweren Konstruktion wurde bereits im September 2014 in der Werft der Schifffahrtsgesellschaft des Vierwaldstättersees in Luzern begonnen. Im April soll die Stahlkonstruktion fertiggestellt sein.

Mai bis Oktober unterwegs

Gebaut wird das Schiff von der Shiptec AG. Entworfen wurde die Seerose von Dolmus Architekten in Luzern. Die Seerose wird vom 29. Mai bis 4. Oktober 2015 an verschiedenen Landestellen andocken (Luzern, Alpnachstad, Brunnen, Stansstad, Flüelen, Vitznau). Sie dient als «Begegnungsort für Gäste und Gastgeber, für Kulturschaffende und Festivalbesucher, für Vereine und Bevölkerung», wie die Festivalleitung auf ihrer Homepage schreibt.

www.gaestival.ch

So soll es aussehen, wenn es fertig ist: die schwimmende Gästival-Seerose. (Bild: Visualisierung PD)

So soll es aussehen, wenn es fertig ist: die schwimmende Gästival-Seerose. (Bild: Visualisierung PD)