OBWALDEN: «Ich gehe völlig neutral an die Aufgabe»

Christoph Amstad tritt in die Fussstapfen von Hans Wallimann. Der neue CVP-Regierungsrat über stille Wahlen, Respekt und Parallelen zu seinem Hobby.

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Hat gut lachen: Christoph Amstad ist kampf­los zum neuen Regierungsrat gewählt. (Bild Markus von Rotz)

Hat gut lachen: Christoph Amstad ist kampf­los zum neuen Regierungsrat gewählt. (Bild Markus von Rotz)

Haben Sie schon auf Ihr neues Amt angestossen?

Christoph Amstad: Nein. Meine Parteikollegen und ich sind fest der Überzeugung gewesen, dass es zu einem Wahlkampf kommt. Deshalb haben wir im Voraus nichts organisiert. Ich habe wirklich nicht damit gerechnet, dass ich der einzige Kandidat bleibe.

Wäre Ihnen ein Wahlkampf lieber gewesen?

Amstad: Natürlich bin ich froh, dass ich bereits jetzt Gewissheit über meine Zukunft habe. Auf der anderen Seite könnte mir nun der Makel anhaften, dass ich nicht vom Stimmvolk gewählt worden bin. Ich habe aber in den Wochen, seit ich als Kandidat gehandelt worden bin, sehr viele Gespräche geführt und dabei eine gewisse Unterstützung in der Bevölkerung gespürt. Letztlich sollte die Art und Weise, wie ich Regierungsrat geworden bin, aber keinen Einfluss auf meine Arbeit haben. Ob mit oder ohne Wahl, ist für mich ein Nebenschauplatz. Ich selber konnte daran ja am wenigsten ändern.

Vor allem die SVP überlässt Ihnen kampflos das Feld. Wie sehr hat Sie das überrascht?

Amstad: Sehr. Wie eingangs angetönt, sind wir davon ausgegangen, dass die SVP antritt, und haben deshalb im Hintergrund unsere Wahlkampagne hochgefahren. Wir wären bereit gewesen, selbst wenn in letzter Sekunde noch eine andere Kandidatur eingegangen wäre.

Werten Sie die stille Wahl auch als Vertrauensbeweis gegenüber Ihrer Person?

Amstad: Das ist wohl nicht der Hauptgrund gewesen. Aber offenbar ist es so, dass meine Person auf gewisse Akzeptanz stösst bei den anderen Parteien, sonst hätten diese wohl den einen oder anderen Hebel mehr in Bewegung gesetzt, um mit einem eigenen Kandidaten ins Rennen zu steigen.

Sie sitzen seit knapp vier Jahren im Kantonsrat, seit einem halben Jahr sind Sie CVP-Co-Präsident. Nicht gerade ein reicher Erfahrungsschatz für einen Regierungsrat.

Amstad: Wenn wir die Anzahl Jahre als Massstab nehmen, gebe ich Ihnen recht. Andererseits konnte ich in dieser kurzen Zeit sehr intensive Erfahrungen sammeln. Dass ich auf Anhieb in die Geschäfts- und Rechnungsprüfungskommission gewählt worden bin, stellt sich nun als Glücksfall heraus. Ich habe schon sehr tief in den «Betrieb Kanton» blicken können. Aber nicht nur die Erfahrung zählt, sondern auch die Leidenschaft, mit der man eine Aufgabe anpackt. Und bekanntlich wächst man mit der Aufgabe.

Als Nachfolger von Hans Wallimann treten Sie in grosse Fussstapfen. Wie gross ist Ihr Respekt davor?

Amstad: Es mir bewusst, dass Hans Wallimann viel für den Kanton geleistet hat. Aber ich bin überzeugt, dass ich meine eigenen Spuren hinterlassen werde. Es kann durchaus sein, dass ich in einigen Jahren eine Steuererhöhung verkaufen muss, das könnte dem neuen Finanzdirektor angesichts der gegenwärtigen Lage blühen. Ich schätze die Obwaldner aber als einsichtig ein, wenn es um so essenzielle Zukunftsentscheide geht. Der Kanton ist ja nicht bekannt dafür, dass er verschwenderisch mit dem Geld umspringt.

Als diplomierter Finanzplanungsexperte käme das Finanzdepartement für Sie wie gerufen.

Amstad: Klar, fachlich gesehen würde ich in diesem Bereich das grösste Know-how mitbringen. Aber ich bin offen und stelle gegenüber den bestehenden Regierungsräten keine Ansprüche. Als Mitglied der Geschäfts- und Rechnungsprüfungskommission bin ich mit allen Departementen schon in Kontakt gekommen.

Die Finanzlage habe sich seit seiner Wiederwahl 2014 schneller als erwartet negativ entwickelt, sagte Hans Wallimann bei Bekanntgabe seines Rücktritts. Tönt nicht gerade nach einem einfachen Einstieg für Sie.

Amstad: Ein Sprung ins kalte Wasser ist nicht auszuschliessen. Doch ich bin überzeugt, dass ich auf meine Kollegen im Regierungsrat zählen kann. Schliesslich ist es ein Team, das den Kanton vertritt. Es wird einer herausfordernde Zeit mit der Suche nach tragbaren Lösungen. Doch ich sehe in jeder Herausforderung auch wieder eine Chance.

Als Kantonsrat konnten Sie sich bisher für Einzelinteressen einsetzen. Als Regierungsrat braucht es vor allem Konsensfähigkeit. Ein schwieriger Wechsel?

Amstad: Nein. Ich bin durchsetzungsfähig, kann aber auch andere Meinungen vertreten. Dies habe ich im Kantonsrat bereits unter Beweis gestellt. Es geht mir immer um die Sache. Ich schreibe mir selbst auf die Fahne, dass ich konsensfähig bin. Ich bin auch nicht von einer Lobby unterstützt worden, ich kann völlig neutral an meine neue Aufgabe gehen.

Als passionierter Velofahrer sind Sie es gewohnt, auch hohe Hürden zu meistern. Sehen Sie Parallelen zur Regierungsratstätigkeit?

Amstad: Durchaus. Beides braucht eine seriöse Vorbereitung, Durchhaltewillen und ein Ziel vor Augen. Wie auf dem Velo wird es auch im Regierungssessel Hochs und Tiefs geben. Eines habe ich aber schon früh gelernt in der Politik: Es braucht Ausdauer und Geduld. Das sind Eigenschaften, die mich auch als Regierungsrat auszeichnen werden.

Apropos Ziele: Was haben Sie sich persönlich vorgenommen?

Amstad: Ich will mich schnellstmöglich in mein Departement einleben und gemeinsam mit den Mitarbeitern eine schlagkräftige Truppe bilden, um den Kanton in seiner erfolgreichen Spur zu halten. Auch wenn unliebsame Aufgaben oder schmerzliche Entscheide ins Haus stehen, will ich jeden Tag mit Freude anpacken und diese Grundhaltung auf mein Umfeld übertragen.

Interview Oliver Mattmann

Hinweis

Christoph Amstad-Bucher (42) aus Sarnen ist gestern in stiller Wahl zum Regierungsrat gewählt worden. Der Co-Präsident der CVP Obwalden sitzt seit 2012 im Kantonsrat, ist Vater von zwei Kindern und leitet aktuell die Raiffeisen-Geschäftsstelle in Sarnen.