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OBWALDEN: «Ich überlegte mir diesen Schritt lange»

Peter Küchler wird wieder sesshaft. Der Sarner verabschiedet sich als Zirkus-Mediensprecher und kehrt zurück zu seinen Wurzeln.
Peter Küchler, links, mit Clown Dimitri auf Tournee in Lugano. (Bild: pd)

Peter Küchler, links, mit Clown Dimitri auf Tournee in Lugano. (Bild: pd)

Interview Matthias Piazza

Seit Anfang 2012 betreute Peter Küchler (37) die Kommunikation und das Medienbüro des Circus Knie, reiste mit der Truppe in einem Wohnwagen durch die ganze Schweiz. Gestern Freitag endete für den Sarner das Abenteuer Zirkus – zumindest als Mitarbeiter.

Nach bald vier Jahren und ebenso vielen Saisons ziehen Sie einen Schlussstrich unter dieses Kapitel. Warum?

Peter Küchler: Ich habe mich im Sommer entschieden, aus familiären Gründen den Zirkus zu verlassen. Ich werde bald Vater und möchte nicht zuletzt deswegen sesshaft werden. Man muss sich vor Augen halten, dass man pro Tournee rund 40-mal den Ort wechselt, 40-mal auf- und wieder abbaut. Man lebt sehr komfortabel im Wohnwagen, aber muss auf das familiäre und kollegiale Umfeld verzichten. Das habe ich immer sehr vermisst. Darum freue ich mich sehr, wieder nach Hause zu kommen – im wahrsten Sinne des Wortes. In den vergangenen rund 16 Jahren war ich immer auf Achse, bis jetzt mit dem Circus Knie, davor beim Schweizer Fernsehen.

Wie schwer fällt Ihnen der Abschied von der Zirkuswelt?

Küchler: Nicht sehr leicht. Ich überlegte mir diesen Schritt lange. Die Zeit auf Achse war gleichermassen ein spezielles und faszinierendes Leben, man reist durch die ganze Schweiz, macht viele interessante Begegnungen. Auch wenn es pathetisch tönt: Die Zeit werde ich für immer in meinem Herzen bewahren. Jetzt freue ich mich auf einen neuen Lebensabschnitt.

Welche Erinnerungen bleiben Ihnen unvergesslich?

Küchler: Einerseits sind es die vielen interessanten Begegnungen mit den Artisten, Mitarbeitern, Medienschaffenden und dem Publikum. Andererseits bleiben auch die magischen Momente in und ums Zelt unvergessen. Mit der Familie Knie pflege ich inzwischen ein freundschaftliches Verhältnis, das weit über das Arbeitsverhältnis hinausgeht. Das erachte ich als etwas Besonderes. Ich werde sicher den Zirkus zum Tourneestart besuchen, wenn er wieder in der Zentralschweiz gastiert. Seit meinem fünften Lebensjahr gehört der Circus Knie zu meinen Kindheitserinnerungen. Seither verpasste ich keine Saison. Die Faszination hat sich nicht verringert – im Gegenteil.

Wie hat sich Ihr Bild vom Zirkus verändert, seit Sie ins Innere des Betriebes Einblick haben?

Küchler: Erstens habe ich einen Riesenrespekt davor, wie die Familie Knie und ihre Mitarbeitenden den Zirkus zu so einer erfolgreichen Marke machten und weiterführen. Immens, welche Arbeit dahintersteckt. Ein Beispiel: Nach der letzten Vorstellung in Brunnen abends um halb elf Uhr wird das Zelt abgebrochen und zusammen mit der übrigen Infrastruktur mit Zug und Lastwagen durch den Gotthard nach Bellinzona transportiert, wo sie wieder aufgestellt wird. Und bereits am gleichen Tag um 16 Uhr findet die erste Vorstellung statt. Das hat mich immer wieder beeindruckt.

Was nehmen Sie aus diesem speziellen Lebensabschnitt mit?

Küchler: Es war eine sehr prägende Zeit. Unter diesen speziellen Lebensumständen muss man sich entsprechend organisieren, lernt bei 220 Mitarbeitenden aus 15 Nationen Respekt und Rücksicht aufeinander zu nehmen. Auch die vielen guten Kontakte und Freundschaften nehme ich mit. Und nicht zuletzt die Erinnerungen an eine Runde im «Todes­rad». Die Leistungen all dieser Weltklasse-Artisten im Circus Knie ist bewundernswert. Ich selber erreichte nicht mal das Schneckentempo.

Gabs auch schwierige Momente in diesem Leben auf Tournee?

Küchler: Das hat immer mit der eigenen Einstellung zum Leben und zur Arbeit in diesem Umfeld zu tun. Das Schwierigste war wohl, wenn morgens um vier Uhr bei klirrender Kälte die Gasheizung ausstieg.

Werden die Freundschaften den Wechsel zurück ins sesshafte Leben überdauern?

Küchler: Auf jeden Fall. Das Programm ist zwar jedes Jahr ein neues, aber der Kontakt mit ehemaligen Artisten, Clowns und Komikern bleibt. Das Unterwegssein und das Arbeiten für ein gemeinsames Ziel und für das Unternehmen schweissen zusammen.

Wie begehen Sie den Abschied?

Küchler: Mit einem Apéro in unserem Winterquartier in Rapperswil, wo wir seit Saisonende sind. Ich überlege mir, Weihnachtsguetzli zu backen – in Form von Pferden und Elefanten.

Wie sieht Ihr Leben nach dem Zirkus aus?

Küchler: Meine Familie steht in den nächsten Wochen für einmal im Vordergrund. Im Mai ziehen wir nach Sarnen. Je älter man wird, desto wichtiger werden die Wurzeln. Im März werde ich in Sarnen mein Text- und Kommunikationsbüro eröffnen. Aber mit dem Zirkus werde ich immer verbunden bleiben. Ich werde jetzt einfach wieder vom Mitarbeiter zum bewundernden Zuschauer oder interessierten Besucher von Knies Kinderzoo in Rapperswil. Und übrigens: Obwalden bleibt im internationalen Mitarbeiterstab vertreten – mit Annelis Rohrer hat Anfang Dezember eine Giswilerin als Personalchefin angefangen.

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