Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Konto per E-Mail erhalten.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

OBWALDEN: Im Renntempo nach Holland pedalt

Das ist schon fast rekordverdächtig: In nur drei Tagen sind zwei Sachsler mit dem Rennvelo bis ans Meer nach Holland gefahren.
Philipp Unterschütz
Severin Portmann und Reto Wallimann (rechts) vor dem Start zur letzten Etappe nahe der holländischen Grenze. (Bild: PD)

Severin Portmann und Reto Wallimann (rechts) vor dem Start zur letzten Etappe nahe der holländischen Grenze. (Bild: PD)

Philipp UnterschÜtz

Auf dem Rennvelo 771 Kilometer in drei Tagesetappen von Sachseln bis nach Zandvoort in Holland – es ist eine mehr als nur beachtliche Leistung, welche die beiden Sachsler Reto Wallimann (41) und Severin Portmann (31) in diesen Tagen erbracht haben. «Man muss schon vom Radsport angefressen sein, um so eine Tour zu machen», sagt Reto Wallimann und lacht. «5000 bis 6000 Kilometer auf dem Velo in den sechs Monaten zuvor brauchts als Vorbereitung. Zudem muss auch das Wetter stimmen, sonst klappt es nicht.»

Reto Wallimann bezeichnet sich denn auch als absoluten Bewegungsmensch, der tagsüber im Büro arbeitet – und so sei es auch bei seinem Kollegen Severin Portmann. «Für mich ist der Radsport nach der Arbeit der absolute Ausgleich, ein mentales ‹Runterfahren› und geistige Erholung.» Viele Leute würden allerdings nicht verstehen, wie man sich nach der täglichen Arbeit noch aufs Velo schwingen könne.

«Das ist Wahnsinn»

Seit seinem 15. Lebensjahr betreibt Wallimann Radsport, früher sei er auch Rennen gefahren. «Die Entscheidung, Radsport nur als Hobby zu betreiben, fiel mir nicht leicht, war aber rückblickend richtig», erinnert er sich. «Schon damals war Doping bei Rennfahrern ein Thema, und heute ist das noch viel schlimmer. Es ist schade, wie der Radsport immer tiefer runtergezogen wird.» Als langjähriger Radsportler hat sich Reto Wallimann nicht speziell für die Holland-Tour vorbereitet, er habe einfach generell viel trainiert. Severin Portmann, der «erst» seit fünf Jahren dem Radsport frönt, habe im Dezember die Vorbereitung aufgenommen, sei neben dem Velotraining auch noch viel gelaufen und habe vermehrt zusätzlich Fitness trainiert.

Die Idee für die Tour kam von Portmann. «Er ist ein Riesenfan von Holland», erzählt Reto Wallimann. «Nachdem er vergangenes Jahr extra dorthin gereist ist, um den dortigen Start der Tour de France zu erleben, kam er darauf, dass wir doch diese Etappe selber fahren könnten.» Später sei daraus die Idee entstanden, von hier bis ans Meer zu fahren. «Das ist Wahnsinn», habe er zuerst für sich gedacht, diese Tour in nur drei Tagen zu schaffen. Aber weil man so etwas zu zweit besser schaffe als allein, habe er mitgemacht.

Nur mit Begleitung möglich

Die Tour nach Holland unternahmen sie schliesslich zu dritt. Zu den beiden Velofahrern gesellte sich Portmanns Freundin Martina von Wyl. Sie fuhr das Begleitfahrzeug mit der Ausrüstung, sorgte für die Verpflegung unterwegs und organisierte die Übernachtungen in den Hotels. «Ohne sie hätten wir das nicht geschafft, wir hätten uns ja unterwegs nicht auch noch um Verpflegung kümmern können», sagt Reto Wallimann. Nachdem die Rennvelos vom Mechaniker einem gründlichen Service unterzogen worden waren, gabs auch noch eine Kiste mit sämtlichen Ersatzteilen mit auf den Weg. «Wie das aber laut ‹Murphy’s law› so üblich ist – wenn man alles dabei hat, braucht man natürlich nichts», lacht Reto Wallimann und freut sich, dass die Fahrt absolut pannenfrei verlaufen ist.

Die erste Etappe führte mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von gut 31 Stundenkilometern in 9 Stunden 45 Minuten über 306 Kilometer von Sachseln nach Karlsruhe. Am nächsten Tag von dort aus nach Koblenz, 245 Kilometer in 8 Stunden mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 29,8 km/h. Auf der dritten Etappe von Venlo an der holländischen Grenze bis nach Zandvoort legten die beiden 220 Kilometer in 7 Stunden 44 Minuten mit durchschnittlich 27,5 km/h zurück. «Da hatte es schon viel Gegenwind vom Meer her. Zudem spürten wir bereits die Anstrengung der vorherigen Etappen. Die Beine sind schwer, man bringt nicht mehr so viel Druck auf die Pedalen, und auch das Gesäss beginnt zu schmerzen», erzählt Wallimann.

In den Beinen würden sie die Strapazen wohl noch einige Tage spüren. Auf jeder Etappe gab es nur drei Pausen zu 15 Minuten, um etwas zu essen, etwa ein Sandwich oder Linzertorte mit Zucker. Kohlenhydrate gabs als Gel auf dem Velo, getrunken haben sie täglich bis 10 Liter Wasser und isotonische Getränke mit Mineralsalzen.

Jeder hängt mal durch

Für Severin Portmann ist mit der Tour nach Holland ein Traum in Erfüllung gegangen. Neben der sportlichen Leistung steht für das Duo aber noch etwas anderes im Zentrum. «Es war toll, wie wir uns gegenseitig unterstützten. Bei so einer Tour hat jeder mal Durchhänger, und da braucht es die Motivation des Partners›», sagt Wallimann und ergänzt, es sei auch befriedigend, zu sehen, was man leisten könne, wenn man sich gut vorbereite und daran glaube. Erst bei der neunstündigen Heimfahrt im Auto sei ihnen richtig bewusst geworden, was für eine enorme Strecke sie auf dem Velo zurückgelegt hatten.

Reto Wallimann, Severin Portmann und Martina von Wyl (von links) nach der 2. Etappe in Koblenz. (Bild: PD)

Reto Wallimann, Severin Portmann und Martina von Wyl (von links) nach der 2. Etappe in Koblenz. (Bild: PD)

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.