Obwalden
In Sarnen trainieren junge Karatekas ihre Hiebe und Tritte

Das Karate-Dojo Obwalden hat am Kolibricup in Flims einen erfolgreichen Wiedereinstieg erlebt.

Ruedi Wechsler
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Die U16-Karatekas des Dojos Obwalden konnten kürzlich ihren ersten Wettkampf nach der Pandemie abhalten, und zwar im bündnerischen Flims. Dabei erreichten sie mehrere Spitzenklassierungen. Zu den Siegern zählen unter anderem Valerie Leibundgut und Louis Möckli aus Sarnen. Valeries Stärken sind die Kicks an den Kopf der Gegnerin, sagt die 14- Jährige: «Früher machte ich Ballett und deswegen bin ich sehr beweglich. Mir gefällt am Karate, dass ich im Wettkampf auf mich allein gestellt bin. Es ist kein teamspezifischer Sport und ich darf zeigen, was ich alles kann. An der Körperspannung muss ich aber noch feilen, weil ich die Schläge zu wenig blockiere.» Während des Wettkampfs sei das kaum spürbar, aber nach dem Wettkampf umso mehr. «Ich finde Karate faszinierend, weil es aus dem sehr spannenden Land Japan kommt. Diese Kampfsportart finde ich gut für die Selbstverteidigung», so Valerie begeistert.

Der 13-jährige Louis Möckli betreibt nicht nur Karate, sondern jagt beim FC Sarnen auch noch dem runden Leder nach. Ebenso dreimal die Woche besucht Louis die Karatetrainings. Letzteres zieht er vor: «Mit Karate konnte ich die Koordination steigern und bin dadurch beweglicher geworden. Der Kick an den Kopf des Gegners ist meine Stärke.» Über einen Erfolg an der Schweizer Meisterschaft in Sarnen am 13. November würde er sich sehr freuen.

Louis Möckli vollbringt einen Kick gegen Valerie Leibundgut, beobachtet von Trainer Klaus Ming.

Louis Möckli vollbringt einen Kick gegen Valerie Leibundgut, beobachtet von Trainer Klaus Ming.

Bild: Ruedi Wechsler (Sarnen, 30. Juni 2021)

Bewunderung für die Trainercrew

Valerie und Louis bewundern ihre Trainer Eveline Wallimann und Klaus Ming. Beide erwähnen ihre motivierende Art. Ihr Wissen sei erstaunlich und sie überraschten immer wieder mit neuen Übungen. Im heutigen Training sind die Jugendlichen mit dem sogenannten Kata beschäftigt – einem vorgeschriebenen, traditionellen choreografischen Bewegungsablauf. Die Erwachsenen toben sich an den Sandsäcken aus und danach beginnen sie mit Karate. Da geht es mit Arm-, Bein-, Angriffs- und Abwehrtechniken intensiv zur Sache.

Das japanische Wort Karate bedeutet übrigens so viel wie «die leere (unbewaffnete) Hand». Dojoleiter Klaus Ming und Sensei Eveline Wallimann leiten an diesem Montagabend im Vereinslokal in Sarnen das Training. Da wird diszipliniert und mit viel Hingabe gearbeitet. Zum Trainerteam gehört auch Mings Stellvertreter Fadil Haxhosaj.

Jugendliche sollen ihre Freiräume haben

Im Karate gibt es sieben verschiedene Gürtelfarben. Die Jüngsten beginnen mit dem weissen Gürtel – dies bedeutet Reinheit. Blau ist die Stufe der fliessenden Bewegung und der Anpassungsfähigkeit und braun diejenige des Praktischen und Kreativen. Schwarz ist die Stufe der sogenannten Shodan, die selber wiederum zehn Unterstufen umfasst. Der zehnte Dan ist die höchste Meisterstufe. Der Verein in Obwalden zählt 180 aktive Mitglieder und wurde in den 1960er-Jahren gegründet. In Giswil und Sachseln finden Kindertrainings statt. Ein weiteres Lokal steht allen Altersstufen in Hergiswil zur Verfügung.

Klaus Ming begann 1974 mit dem Karatesport: «Wären die nötigen körperlichen Voraussetzungen bei mir vorhanden gewesen, hätte ich mich für den Schwingsport entschieden.» Während der Pandemie wurde online trainiert und vermehrt auch Outdoor. Pro Woche gingen ein bis drei Anfragen von Eltern ein, die ihre Kinder fürs Karate anmelden wollen. Über den wichtigsten Aspekt des Trainingsplanes sagt der 65-jährige Ming: «Das ist die Freizeit und die Erholung. Oft ist es so, dass die Jugendlichen zu viel machen. Das wollen wir bei uns nicht. Sie müssen ihre Freiräume und ihre Freizeit haben.» Es sei wichtig, dass der Nachwuchs, in welchem Verein auch immer, etwas tut, gut versorgt und behütet ist. Sensei Eveline Wallimann aus Alpnach wechselte mit 29 Jahren vom Ballett zum Karate und suchte eine neue Herausforderung. Die Entwicklung der Junioren liegt ihr besonders am Herzen: «Wenn ich die Fortschritte jedes Einzelnen sehe, erfüllt mich das mit Stolz und grosser Genugtuung.»