Obwalden
Jetzt bitten die Hausärzte zum Stichtag – doch die Impfdosen sind knapp

Obwalden macht beim Impfen vorwärts. Ein nationaler Vergleich zeigt: Der Kanton ist schneller als die meisten. Jetzt haben auch die Hausärzte angefangen, ihren Patienten den neuen Impfstoff zu verabreichen. Doch die Warteliste ist gross.

Anian Heierli
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Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) setzt die Messlatte hoch. Das Ziel der nationalen Kampagne: «Bis zum Sommer sollen alle, die wollen, geimpft werden.» Das Gelingen hängt dabei von zwei Faktoren ab. Sind die Hersteller im Stande, die geforderten Mengen zu liefern? Und: Schaffen die Kantone die logistische Meisterleistung?

Rund 5 Prozent der Bevölkerung sind geimpft

Zumindest Letzteres scheint in Obwalden zu funktionieren. Gemäss den aktuellsten Zahlen des BAG erhielt der Kanton bis Ende letzter Woche 2850 Impfdosen, wovon 1866 verabreicht wurden. Mit anderen Worten: 65 Prozent des erhaltenen Impfstoffs kamen zum Einsatz. Das entspricht einem geimpften Bevölkerungsanteil von rund 5 Prozent. Im nationalen Vergleich ist Obwalden somit der fünftschnellste Kanton überhaupt. Zusätzlich bitten neu auch die Hausärzte zum Stichtag. So können sich Hochrisikopatienten über 75 Jahre seit letzter Woche in ihrer Praxis impfen lassen.

Hausarzt Martin Sigg aus Sachseln hat bereits die ersten Risikopatienten in seiner Praxis geimpft.

Hausarzt Martin Sigg aus Sachseln hat bereits die ersten Risikopatienten in seiner Praxis geimpft.

Bild: Anian Heierli (27. Januar 2021)

«Das Impfen funktionierte bei uns rasch, weil wir schon im Dezember mit der Planung angefangen haben», sagt Patrick Csomor, Leiter Gesundheitsamt, auf Anfrage. Dabei hätten sämtliche involvierten Stellen an einem Strang gezogen. Bereits seit dem 4. Januar werden im Kanton Obwalden vorsorglich Spritzen gegen Covid-19 verabreicht. Zuerst impften mobile Equipen die Bewohner und das Personal in Alters- und Pflegeheimen.

Vor zwei Wochen wurde dann in der Truppenunterkunft Freiteil in Sarnen das kantonale Impfzentrum eröffnet, das von der Firma Misanto AG betrieben wird. «Wir sind mit dem Start sehr zufrieden», so Csomor. Jene rund 1800 Personen, die bereits eine erste Impfung erhalten hätten, könnte man auch für die zweite aufbieten. Diese soll einen hochprozentigen Schutz gegen das Coronavirus gewährleisten.

Fast alle Ärzte in Obwalden machen mit

Der erste vorhandene Impfstoff von Biontech/Pfizer eignete sich nicht für Hausärzte. Zu kompliziert ist die Lagerung bei minus 70 Grad. Nun wurde aber die alternative Lösung des Herstellers Moderna zugelassen, die auch die Hausärzte problemlos handhaben können. Fast alle praktizierenden Ärzte im Kanton Obwalden haben sich dazu entschieden, die Impfungen ab sofort durchzuführen. «Das freut mich sehr», sagt Martin Sigg, Präsident des Obwaldner Ärzteverbands OW-Cura. Weit weniger Freude bereitet ihm dagegen, dass der Impfstoff nur knapp vorhanden ist. Noch immer sind die Kontingente sehr beschränkt.

«Wegen der Knappheit können wir nicht alle unsere Hochrisikopatienten impfen», so Sigg. Er schätzt, dass die momentan vorhandenen Dosen nur für einen Viertel der prioritären Personen ausreicht. Gemäss dem Gesundheitsamt Obwalden befinden sich rund 1000 Patienten auf der Warteliste. Der Kanton ist kein Sonderfall. Weltweit wird um Impfstoff gefeilscht.

Der Moderna Impfstoff ist einfach in der Handhabung. Doch die Hausärzte stehen nun vor einem gewaltigen logistischen Aufwand.

Der Moderna Impfstoff ist einfach in der Handhabung. Doch die Hausärzte stehen nun vor einem gewaltigen logistischen Aufwand.

Bild: Anian Heierli

Weil verfügbare Mengen derart knapp vorhanden sind, wollen die Hausärzte keine Dose verschwenden. «Der Akt des eigentlichen Impfens ist mit dem Produkt von Moderna kein Problem», erklärt Sigg. Der logistische Aufwand sei aber nicht zu unterschätzen. Aktuell bekommen die Hausärzte den Impfstoff in Form von 10er-Dosen. Sobald diese aus dem Kühlschrank entnommen wurden, bleiben sechs Stunden, um sie zu verabreichen.

«Wir impfen 10 Patienten innert sechs Stunden»

«Entsprechend müssen wir 10 Patienten innert sechs Stunden impfen», sagt Sigg. «Gleichzeitig müssen wir darauf achten, dass diese 10 Patienten einen Monat später ihren zweiten Impftermin wahrnehmen können.» Auch er und seine Kolleginnen in der Hausarztpraxis Dorfplatz in Sachseln verabreichten diese Woche ihre ersten 30 Dosen. Ihre ersten Erfahrungen sind gut. «Die Patienten waren sehr dankbar», so Sigg.

Jeder Person wird nach ihrer Impfung 15 Minuten überwacht. Der Hausarzt betont: «In unserer Praxis gab es bei der ersten Tranche keine Komplikationen.» Auch erlebte er die Zusammenarbeit mit den anderen Ärzten im Kanton, dem Impfzentrum und dem Gesundheitsamt als sehr gut. «Das ist sicher ein Grund, weshalb es in Obwalden rasch vorangeht.» Sigg ist zuversichtlich, dass man nach den Hochrisikopatienten gemeinsam die grosse Masse aller anderen Personen speditiv impfen kann. Es bleibt also nur zu hoffen, dass Impfstoffe bald in grösseren Mengen erhältlich sind.