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OBWALDEN: Josef Hess über Veränderungen: «Bürokratischer Speck» muss weg

Nachdem er vor rund 200 Tagen in stiller Wahl in die Regierung «rutschte», muss sich Baudirektor Josef Hess nun erstmals einer Volkswahl stellen. Als Parteiloser anzutreten, sieht er nicht als Nachteil.
Interview Philipp Unterschütz
Josef Hess bei seinem Amtsantritt vor dem Haus des Waldes. (Bild: Corinne Glanzmann (Sarnen, 4. Juli 2017))

Josef Hess bei seinem Amtsantritt vor dem Haus des Waldes. (Bild: Corinne Glanzmann (Sarnen, 4. Juli 2017))

Interview Philipp Unterschütz

philipp.unterschuetz@ obwaldnerzeitung.ch

Josef Hess, Sie treten ohne Partei im Rücken an. Ist die Kandidatur als Parteiloser allenfalls ein Fehler?

Dass ich parteilos bin, betrachte ich nicht als Mangel und Fehler. In der Regierung spielt die Parteizugehörigkeit keine Rolle. Wir beraten und entscheiden ausschliesslich nach sachpolitischen Kriterien. Ich sehe auch den Vorteil, dass ich keine parteipolitischen Vorurteile überwinden muss, wenn ich eine bestimmte Position vertrete. Ich kann das als Josef Hess mit meinen sachlichen Argumenten tun. Als Parteiloser hat man zwar keine Partei als «Hausmacht» im Rücken, aber man hat auch keine parteipolitisch motivierten Gegner. Ein Beitritt zu einer Partei ist nach wie vor kein Thema.

Sie sind nun gut 200 Tage im Amt, haben Sie den Wechsel vom Bundesamt in den Regierungsrat je bereut?

Ich hatte auch in Bern eine sehr spannende Aufgabe. Dennoch habe ich den Wechsel nie bereut. Wieder in meinem Heimatkanton arbeiten zu dürfen und tagtäglich mit der Bevölkerung und den Behörden von Obwalden im Kontakt zu stehen, ist ein Privileg, das ich nicht missen möchte.

Welche Vorteile bringen Ihre «Connections» in Bern dem Kanton Obwalden?

Aus meiner Zeit in Bern sind mir tatsächlich einige sehr gute und persönliche Beziehungen geblieben. Dies hilft, um in Sachfragen rasch und konstruktiv voranzukommen.

Welche Pfosten konnten Sie in dem guten halben Jahr schon einschlagen?

Mein Highlight ist sicher, dass wir nun die Projektbewilligung für das Hochwasserschutzprojekt Sarneraatal erhalten konnten und dass wir eine Subventionsverfügung über den gesamten Teil Hochwasserentlastungsstollen erwirken konnten. Auch freue ich mich über den Umstand, dass die «baurechtliche Bevormundung» durch den Bund nun wieder ein Ende hat.

Worüber haben Sie sich geärgert?

Ich ärgere mich manchmal darüber, dass Dinge wie Bausachen so formalistisch, bürokratisch und kompliziert laufen. Darüber habe ich mich in Bern schon geärgert und muss feststellen, dass man auch in Obwalden nicht ganz davon verschont ist.

Was muss sich in Obwalden ändern? Und was darf sich ja nicht ändern?

Es fällt mir einfacher zu sagen, was sich ja nicht ändern darf: Unsere kleinräumigen, effizienten Strukturen und die Nähe schaffen die Voraussetzungen, dass wir uns in einer schönen Landschaft, in einer prosperierenden Wirtschaft und in einem schlanken Staat wohlfühlen. Dazu müssen wir Sorge tragen. Ändern müssen wir all jene Dinge, wo wir «bürokratischen Speck» angesetzt haben und wo uns Ideologien und unkritisch übernommene Weltanschauungen den Blick auf kreative und effiziente Lösungen versperren. Und daran werde ich in den kommenden Jahren weiterarbeiten.

Sie haben nach Ihrer stillen Wahl gesagt: «Eine Mitte-Rechts orientierte Politik bedeutet effiziente Politik mit einem schlanken Staat.» Wie sehen Sie das heute?

Ich würde dieses Motto auch heute noch so formulieren. Wir müssen für die wichtigen Anliegen und Bedürfnisse der Steuerzahler, der Steuerzahlerinnen wie Sicherheit, Gesundheit, Bildung und Wohlfahrt effiziente und bürgerfreundliche Lösungen finden und umsetzen.

Sie müssen sich nun zum ersten Mal einer «Volkswahl» stellen. Wie ist das für Sie?

Das ist tatsächlich eine neue Erfahrung für mich und führt bei mir – wie vermutlich auch bei den anderen Kandidatinnen und Kandidaten – zu einer gewissen Anspannung. Gerade weil es nun eine echte «Volkswahl» sein wird, spüre ich auch viel Unterstützung aus der Bevölkerung, worüber ich sehr dankbar bin. Das freut mich und gibt mir Zuversicht für die bevorstehende «demokratische Ausmarchung».

Wenn man Sie im Kantonsrat erlebt, scheint es, dass Sie sich nicht sehr ärgern, wenn Ihre Vorschläge nicht ankommen. Was geht in Ihnen vor, wenn man ihre Ideen zerzaust?

Ich engagiere mich sehr, mit Überzeugung und all meinen Argumenten für meine Ideen und tue dies zum Wohl unseres Kantons und der Sache. Ich höre aber auch den Argumenten der Kantonsrätinnen und Kantonsräte zu. Wenn dann gewisse Entscheide nicht so herauskommen, wie ich es beantragt habe, kann ich ohne Groll damit leben. Ich nehme ja auch nicht für mich in Anspruch, für alle Obwaldnerinnen und Obwaldner «richtig» zu denken.

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