Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

OBWALDEN: Josef Reinhard: «Ich habe mich nie als Künstler verstanden»

Auch mit 87 Jahren ist das Fotografieren immer noch die grosse Leidenschaft von Josef Reinhard. Die Bilder in der Ausstellung im Talmuseum Engelberg stammen aus dem Zeitalter der analogen Fotografie.
Beat Christen
Josef Reinhard in der Ausstellung im Talmuseum. Früher war er als Formel-1-Fotograf unterwegs. (Bild: Corinne Glanzmann (Engelberg, 14. März 2018))

Josef Reinhard in der Ausstellung im Talmuseum. Früher war er als Formel-1-Fotograf unterwegs. (Bild: Corinne Glanzmann (Engelberg, 14. März 2018))

Beat Christen

redaktion@obwaldnerzeitung.ch

Die Schritte sind nicht mehr so zackig. Doch dem nach wie vor wachen Blick von Josef Reinhard entgeht nichts. «Aktuell» ist auch jetzt noch, mit 87 Jahren, sein Lieblingswort und er zeigt dabei eine Aufnahme auf dem Display seiner umgehängten Digitalkamera. Entstanden ist diese kürzlich, als die Sonne den über Nacht gefallenen Schnee bereits wieder von den Kanten des Sachsler Kirchturms weggeschmolzen hat und mit dem Restschnee für wenige Augenblicke ein tropfenähnliches Gebilde zurück liess.

Während Jahrzehnten hat Josef Reinhard das Geschehen in und um Obwalden herum mit seiner Kamera eingefangen und gehörte gewissermassen zum Inventar der Obwaldner Zeitungslandschaft. Unter den Fotos stand am Ende der Legende schlicht und einfach «Bild Josef Reinhard». Ging es ums Fotografieren, war ihm kein Weg zu weit und er rückte auch mitten in der Nacht zu einem Ereignis aus. Dass er oft schon vor der Polizei an einem Unfallort war, trug ihm den Namen «Katastrophen Sepp» ein. Woher er jeweils die Informationen hatte, behält er weiterhin für sich. Heute würde man ihn als «Workaholic» bezeichnen und man müsste wohl Angst um seine Gesundheit haben. Die Kamera in seinen Händen scheint ihm, der sich längst schon zur Ruhe setzen könnte, weiterhin Energie zu vermitteln.

Die Fotografie war für ihn stets ein Handwerk

Wie viele Fotos er in seinem langen Fotografenleben schon gemacht hat, interessiert den Obwaldner nicht. Es müssen Millionen von Aufnahmen gewesen sein. Der Gang durch die heute beginnende Ausstellung im Talmuseum Engelberg ist für Josef Reinhard deshalb auch ein Gang durch längst vergessene Zeiten, als er noch mit einer schweren Mittelformatkamera das Geschehen auf analogen Filmen festgehalten hatte. Natürlich gehören Unfallbilder dazu. Aber auch Autobahneröffnungen oder die spektakuläre Verschiebung der Kapelle von Wilen. Und als habe er die Aufnahme eben erst gemacht, nennt er abgebildete Personen beim Namen. Die im Talmuseum ausgestellten Aufnahmen wurden einst für eine Ausstellung im Bellpark Kriens ausgesucht. Heute sind die damals entstandenen Abzüge im Besitz des Amtes für Kultur des Kantons Obwalden und von diesem für die aktuelle Präsentation zur Verfügung gestellt worden.

«Ich habe mich nie als Künstler verstanden», sagt Josef Reinhard bescheiden. Die Aussage ist beim Anblick der im Talmuseum ausgestellten Fotos leicht untertrieben. Für ihn war die Fotografie stets ein Handwerk und er wusste genau, wie er mit der Blenden- und Zeiteinstellung im Zeitalter ohne Photoshop bei seinen Fotos Wirkungen erzielen konnte.

Er konnte sich auf seinen Instinkt verlassen

Als klassischer Reportagefotograf blieb ihm vielfach wenig Zeit. Aber er konnte sich auf seinen Instinkt verlassen, zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort zu stehen und den Auslöser seiner Kamera zu betätigen.

Die Fotos im Talmuseum Engelberg geben einen kleinen Einblick die Welt eines Zeitgenossen, für den schon immer nur eines zählte – die Aktualität. Und wenn er mit 87 Jahren sagt, «ich könnte noch zu unzähligen Geschichten die Fotos liefern. Nur schreiben müsste die Geschichten jemand», blitzt in seinen Augen einmal mehr sein unverkennbarer Ehrgeiz auf.

Hinweis

«Katastrophen Sepp» – Glanz und Schatten der Mobilität. Fotografien von Josef Reinhard vom 18. März bis 8. April im Talmuseum Engelberg. Vernissage: Morgen Samstag, 17 Uhr. Öffnungszeiten: Mittwoch bis Sonntag, 14 bis 17 Uhr

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.