Obwalden rüttelt nicht am Zeitplan für den Bau des Kaiserstuhl-Tunnels

Die Bauprojekte A8-Vollanschluss, Kaiserstuhl-Tunnel und Hochwasserschutz werden nicht etappiert. Der Kantonsrat folgte damit dem Willen der Regierung.

Franziska Herger
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Das Südportalbereich des neuen Kaiserstuhltunnels (seeseitig die heutige Kantonsstrasse A8, oberhalb die im Rahmen des Projektes neu zu erstellende Verbindungsstrasse zwischen dem Kaiserstuhltunnel und dem (bestehenden) Umfahrungstunnel Lungern) (Bild: PD)

Das Südportalbereich des neuen Kaiserstuhltunnels (seeseitig die heutige Kantonsstrasse A8, oberhalb die im Rahmen des Projektes neu zu erstellende Verbindungsstrasse zwischen dem Kaiserstuhltunnel und dem (bestehenden) Umfahrungstunnel Lungern) (Bild: PD)

SP-Kantonsrat Guido Cotter (Sarnen) lehnte sich am Donnerstag im Kantonsrat erneut gegen das Projekt Kaiserstuhl-Tunnel auf, das er schon mit mehreren Vorstössen bislang erfolglos zu bekämpfen versucht hat. In einer Motion hatte Cotter verlangt, die drei Bauprojekte Hochwasserschutz Sarneraatal, Vollanschluss Alpnach A8 und Tunnel Kaiserstuhl, die alle über einen Zeitraum von 15 Jahren realisiert werden sollen, zu etappieren. Nach seinen Vorstellungen wäre mit den Vorbereitungsarbeiten für das Projekt Tunnel A8 Lungern Nord-Giswil Süd statt schon 2019 erst in frühestens fünf Jahren respektive nach Abschluss der Arbeiten an der Sarneraa zu beginnen.

Guido Cotter redete von einem Luxusprojekt. Die Kosten betragen 268 Millionen Franken, sie werden zu 97 Prozent vom Bund getragen. Für eine Etappierung der drei Projekte spreche, dass sowohl die Aufträge für die Unternehmen als auch die Belastung für die Bevölkerung besser verteilt würden, so Cotter. Um dann gleich wieder zum Grundsätzlichen zurückzukehren: Die eigentlichen Verkehrsprobleme in Obwalden fänden sich vor dem Lopper, nicht in Lungern. Und: Das Projekt habe für die Leute in Kaiserstuhl auch Nachteile. Sie müssten künftig das Dorf Giswil durchqueren, um auf die Autobahn zu gelangen.

Lungerer Kantonsräte wollen den Tunnel

Das stimme, sagte Niklaus Vogler (CVP, Lungern). «Aber man kann nicht den Fünfer und das Weggli haben.» Die CVP-Fraktion werde die Motion daher ablehnen. Die Strecke Kaiserstuhl-Giswil sei sein Arbeitsweg, sagte Joe Vogler (CSP, Lungern). Er beobachte Fahren im Schritttempo und tägliche gefährliche Bremsmanöver. «Es gibt auch Naturgefahren, bei Gewittern laufen Bäche über die Strasse. Der Ausbau muss möglichst vorangetrieben werden, um die Sicherheit zu verbessern», plädierte er.

Baudirektor Josef Hess sagte, es sei von Vorteil, bereits 2019 mit dem Projekt Kaiserstuhl zu beginnen. «Es braucht etwa Vorbereitungsarbeiten und Submissionen.» Es sei mit 10 Jahren Baustelle zu rechnen. «Ob diese nun fünf Jahre früher oder später kommt, spielt für Lungern von der Belastung her keine Rolle.» Bezüglich des Autobahnanschlusses habe man sich unter Berücksichtigung der Kosten und des Landschaftsbildes gegen einen Vollanschluss bei der Tankstelle Owi-Land entschieden.

Die Ursachen für die Verkehrssituation vor dem Lopper seien ennet dem Lopper zu finden, fuhr Josef Hess fort. Man sei in Kontakt mit dem Bundesamt für Strassen Astra, um «langfristig eine Lösung zu finden». Er nahm aber die Rüge von Guido Cotter entgegen, der sich beschwert hatte, dass für den Tunnel Kaiserstuhl bereits vor der Behandlung der Motion eine Projektleiter-Stelle ausgeschrieben war. «Das lief voreilig und ist demokratisch unsensibel», so Hess.

In der Schlussabstimmung lehnte der Kantonsrat die Überweisung der Motion Cotters mit 38 zu 11 Stimmen bei 3 Enthaltungen ab.

Kenntnisnahme von Berichten

Der Obwaldner Kantonsrat nahm gestern einstimmig vom Geschäftsbericht der Interparlamentarischen Geschäftsprüfungskommission der Polizeischule Hitzkirch Kenntnis, die Obwalden mit 10 anderen Kantonen betreibt. Kommissionsmitglied Remo Fanger (SVP, Sarnen, selber Polizist) zeigte sich im Rat erfreut über die Jahresrechnung der Polizeischule. Budgetiert wurde ein Gewinn von knapp 800 000 Franken, am Ende waren es 2 Millionen. Ein Grund dafür sei eine geringere Zahl von Polizeischülern, sagte Kantonsrat Fanger. Auch vom Geschäftsbericht der Interparlamentarischen Geschäftsprüfungskommission Zentralschweizer BVG- und Stiftungsaufsicht wurde einstimmig Kenntnis genommen. Die Kommission überprüft den Vollzug des Konkordats in Kantonen. (fhe)

Drei Mitglieder vereidigt

Hans-Melk Reinhard (FDP, Sachseln), Barbara Dahinden (CSP, Giswil) und Andreas Gasser (FDP, Lungern) legten im Kantonsrat  ihren Amtseid ab. Sie hatten an der Eröffnungssitzung des Amtsjahres Ende Juni gefehlt. (fhe)

Obwaldner Regierung lehnt Etappierung bei Grossprojekten ab

Kann der Kanton die drei Bauprojekte Hochwasserschutz, A8-Vollanschluss und Tunnel Kaiserstuhl in den nächsten Jahren stemmen? Ja, meint die Regierung. Der Motionär will dagegen an seinem Vorstoss für eine Etappierung festhalten.
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Preis fürs Kraftwerk Obermatt bleibt unklar

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