OBWALDEN: Kanton will Abschuss nicht allein regeln

Auch wenn aktuell kein Wolf durch den Kanton streift, beschäftigt sich die Jagdverwaltung mit ihm. Die geplante Lockerung des Wolfsschutzes ist der Grund.

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Der Wolf hat sich seit einem Jahr nicht mehr in Obwalden blicken lassen. (Bild: Keystone)

Der Wolf hat sich seit einem Jahr nicht mehr in Obwalden blicken lassen. (Bild: Keystone)

Es waren unappetitliche Bilder, die ein Wolf vor knapp einem Jahr in der Schwendi ob Sarnen hinterliess: Er riss zwei Schafe und verletzte vier weitere Tiere. Seither sind keine Wolfsspuren mehr beobachtet worden in Obwalden, wie der kantonale Jagdverwalter Peter Lienert auf Anfrage sagt. Zuvor liess sich ein anderer Wolf seit 2008 immer wieder auf Obwaldner Boden blicken und machte einige Male auch vor Nutztieren nicht Halt, was bei Tierbesitzern Ängste auslöste. Aber auch anderswo in der Schweiz sorgte das Raubtier mit seinen Beutezügen für Aufsehen. Über die Frage, wie stark der Wolfsschutz gegenüber den Interessen von Bevölkerung, Jägern oder Bauern gewichtet werden soll, scheiden sich seither die Geister.

25 bis 30 Wölfe schweizweit

Inzwischen hat der Bundesrat vor dem Hintergrund dieser Frage und politischer Vorstösse eine Anpassung der eidgenössischen Jagdverordnung in die Vernehmlassung gegeben (siehe Ausgabe vom Freitag). Die Frist für Rückmeldungen ist nun verstrichen. Auch der Kanton Obwalden hat eine Eingabe gemacht, bestätigt Peter Lienert. «Wir begrüssen die Stossrichtung des Bundes, die Kriterien für einen Abschuss etwas zu lockern, gleichzeitig dem Wolfsschutz aber weiterhin eine hohe Bedeutung zuzumessen», sagt der Leiter des kantonalen Amts für Wald und Landschaft. Gegenwärtig wird schweizweit von total 25 bis 30 Tieren gesprochen. «Aktuell haben wir vermutlich keinen Wolf im Kanton», so Lienert, «doch gut möglich, dass dies bereits morgen wieder anders aussieht.»

Region macht mehr Sinn

Genau dieses Beispiel hat den Kanton Obwalden veranlasst, am Vorschlag des Bundesrates auch Kritik zu üben. Dieser will die Beurteilung für den Abschuss eines Wolfes laut Peter Lienert jenem Kanton überlassen, in dem das Tier Schäden angerichtet hat. «Das macht wenig Sinn, weil es voraussichtlich seine Zeit brauchen wird, bis eine rechtsgültige Abschussverfügung vorliegen würde», sagt der Jagdverwalter mit Blick auf das Beschwerderecht zum Beispiel von Tierschutzorganisationen.

Und eben: «Der gleiche Wolf kann am nächsten Tag wieder in einem anderen Kanton unterwegs sein. Derselbe langwierige Prozess würde unter Umständen wieder von vorne beginnen.» Aus Sicht von Lienert wäre es in solchen Fällen effizienter, wenn Obwalden mit den Nachbarkantonen Bern, Nidwalden, Luzern und Uri als eine Region angesehen würde und regulatorische Massnahmen untereinander abgestimmt werden könnten. Dieses Vorgehen wird von den erwähnten Kantonen unterstützt.

Die Intervention des Jagdverwalters, die mit dem ebenfalls tangierten Amt für Landwirtschaft und Umwelt abgesprochen ist, hat noch weitere Gründe: «Sollte es Beschwerden gegen einen Wolfsabschuss hageln, hätten wir auf der Verwaltung kaum die Ressourcen, das alles alleine zu bewältigen.» Zumal es an der entsprechenden Praxiserfahrung fehle, weil die Verantwortung bisher beim Bund lag, der künftig aber nur noch die Oberaufsicht wahrnehmen will.

Interessen prallen aufeinander

Die angesprochenen Risse von Nutztieren haben auch in Obwalden Emotionen geschürt. Viele Bauern würden den Wolf am liebsten ganz verbannen. «Ich habe ein gewisses Verständnis dafür, auf der anderen Seite sind wir verpflichtet, die Artenschutzkonvention einzuhalten.» Und laut dieser gehört der Wolf zu den geschützten Tierarten, hält Peter Lienert zum Interessenskonflikt fest. «Wir werden mit dem Wolf und mit Kompromissen leben müssen.»

Natürliche Regulierung

Als eine Folge seines Auftretens in Obwalden hatte der Kanton Empfehlungen für einen besseren Herdenschutz herausgegeben. Erst kürzlich liessen sich Bauern an einem Anlass über Massnahmen, die vom Bund mitfinanziert werden, informieren. Allerdings kommen diese bei Schafzüchtern unterschiedlich an. Der Tenor an der neulichen Delegiertenversammlung: Die Tipps seien zwar gut gemeint, aber kaum praktikabel. Lienert hofft indes, dass sich der Wolf künftig stärker auf Rehe, Gämsen und vor allem Rothirsche ausrichten wird – seine eigentliche Hauptbeute. Nebeneffekt: Es käme zu einer natürlichen Regulierung der Rotwildpopulation, die in Obwalden ansteigend ist.

Oliver Mattmann