Obwalden

Kantonsratspräsidentin Cornelia Kaufmann-Hurschler: «Parteipolitik muss nun in den Hintergrund treten»

Corona hat zu hohen Erwartungen an die Politik geführt und auch das Amtsjahr der amtierenden Kantonsratspräsidentin Cornelia Kaufmann-Hurschler völlig auf den Kopf gestellt.

Philipp Unterschütz
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Da waren die Skilifte noch in Betrieb. Die Obwaldner Kantonsratspräsidentin Cornelia Kaufmann-Hurschler auf einer Piste am Titlis.

Da waren die Skilifte noch in Betrieb. Die Obwaldner Kantonsratspräsidentin Cornelia Kaufmann-Hurschler auf einer Piste am Titlis.

Bild: PD (Engelberg, 16. Dezember 2020)

«Unberechenbar, es kam immer alles anders als erwartet», so fasst die Obwaldner Kantonsratspräsidentin Cornelia Kaufmann-Hurschler das Jahr 2020 zusammen. Tatsächlich, noch bei diesem Gespräch eine Woche vor Weihnachten war nicht abzusehen, dass wenige Tage später die Skilifte geschlossen würden und kurz darauf auch noch die Restaurants. «Das wäre ein Gau für unser Dorf», meinte die Engelbergerin damals, angesprochen auf dieses Szenario.

Nun ist es eingetroffen. Viele Arbeitsplätze sind betroffen. Und ein Problem für Engelberg sei jetzt auch die Frage, was machen mit den Gästen, nachdem auch Restaurants, Schwimmbad und Fitnessmöglichkeiten geschlossen sind. Bitter sei es für die Bahnbetreiber. «Was sie alles an Schutzmassnahmen gemacht haben; besser konnte man es nicht machen», findet Cornelia Kaufmann-Hurschler.

Steuererhöhung darf kein Tabu mehr sein

Umso wichtiger sei nun, was im kommenden Jahr auf dem politischen Parkett passiert. «Es wird ein schwieriges Jahr, die Erwartungen an die Politik sind hoch», ist die Kantonsratspräsidentin überzeugt. «Die Parteipolitik muss nun in den Hintergrund treten, gegenseitiges Verständnis ist gefragt und wir dürfen nicht eines gegen das andere ausspielen.» Es dürften nicht Einzelinteressen verfolgt werden.

Kopfzerbrechen bereitet Cornelia Kaufmann-Hurschler der grosse Finanzbedarf, der durch Corona ausgelöst wird. «Man kann schon unbürokratische Hilfe verlangen, muss sich aber bewusst sein, dass da auch ein Preisschild dranhängt.» Und sie spricht aus, was sich wohl viele auch schon überlegten:

«Vielleicht muss man sogar wegkommen von der Ansicht, dass eine Steuererhöhung keine Option ist.»

Anderseits dürfe aber auch nicht alles mit Corona begründet werden. «Es gibt Bereiche, wo schon vorher Handlungsbedarf herrschte.» Auf die Frage, wie man denn die Politik am besten erreichen könne, verweist die Kantonsratspräsidentin auf die Verbände. Diese sollten die Anliegen deponieren, es müsste nicht jeder Einzelne selber einen Brief schreiben. «Es ist aber wichtig, die Anliegen an die Politiker heranzutragen und zu sagen, wo der Schuh drückt. Man darf aber nicht erwarten, dass diese dann sofort etwas machen können.»

Eine Parlamentspräsidentin ohne Parlamentssaal

Ihr Präsidialjahr verläuft so ganz anders als erwartet. Die Glocke des Ratspräsidiums ist das einzige Utensil, das sie bei den Parlamentssitzungen nach dem Auszug aus dem Kantonsratssaal dabei hat. «Es ist gut möglich, dass ich nie im Kantonsratssaal eine Sitzung leiten kann», meint Cornelia Kaufmann-Hurschler. Anfänglich hätte sie sich noch nicht zu viele Gedanken gemacht und das Ganze locker genommen. Schliesslich gab es da schon Firmen und Personen, die es viel schlimmer getroffen habe. Aber irgendwann kam sie doch ins Grübeln, als immer mehr Leute kamen, die sagten, das sei jetzt schon noch blöd für sie.

Es sei schade, dass ihre Wahlfeier in Engelberg abgesagt werden musste. «Ich habe mich sehr auf den Apéro mit dem Volk gefreut – oder auch auf das Rütlischiessen.» Mittlerweile würde auch nichts mehr abgesagt, es gebe nämlich schon gar keine Einladungen mehr.

«Ich hätte lieber über anderes diskutiert»

Immerhin hat die Parlamentspräsidentin bisher nicht den Eindruck, dass Corona den Politbetrieb negativ beeinflusst hat. Natürlich sei die Vorbereitung und die Organisation erschwert. «Und ich hätte lieber über anderes diskutiert, als darüber, ob nun eine Maskenpflicht an der Kantonsratssitzung gelten soll oder nicht, aber die Meinungen darüber gingen halt auseinander.» Generell sei man sich weniger nah. An den Fraktionssitzungen fehle halt der anschliessende gemütliche Teil. Auch an fraktionsübergreifenden Kontakten mangle es. «Wir diskutierten nach einer Kantonsratssitzung bei einem Apéro manchmal über Äusserungen, die im Rat gemacht worden sind. Das fehlt halt schon.»

Ebenso unberechenbar wie ihr Präsidialjahr sind auch die Festtage. Was sie mit ihrem Mann und den zwei Söhnen mache, sei noch offen. «Da bleiben wir im Rahmen der Möglichkeiten, welche wir noch haben, flexibel», meint Cornelia Kaufmann-Hurschler mit einem Schmunzeln.