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OBWALDEN: Kernser Pfarrer: Bistum spricht Klartext

Möglichst viel Geld machen: Das stecke hinter der Beschwerde des abgewählten Kernser Pfarrers, sagt Generalvikar Martin Kopp. Einen ähnlichen Fall gab es im Kanton schon mal.
Christoph Riebli
«Es wurden bereits zu viele gute Leute verheizt.» Martin Kopp, Generalvikar für die Urschweiz (Bild: Primus Camenzind / Neue OZ)

«Es wurden bereits zu viele gute Leute verheizt.» Martin Kopp, Generalvikar für die Urschweiz (Bild: Primus Camenzind / Neue OZ)

«Seit einem Jahr habe ich kein Sterbenswort von ihm persönlich gehört. So etwas ist mir noch nie untergekommen – und ich habe immerhin 13 Jahre Erfahrung», sagt Martin Kopp, Generalvikar der katholischen Kirche in der Urschweiz. Für ihn ist klar: Der im Mai in Abwesenheit abgewählte Kernser Pfarrer (wir berichteten) will mit seiner bei der Regierung pendenten Beschwerde gegen die Kirchgemeindeversammlung in Kerns «noch möglichst viel Geld machen» – also eine Lohnfortzahlung erwirken. Sein Arbeitsvertrag wurde nämlich mit dem Entscheid der Versammlung per November gekündigt.

Arbeitsunfähig und abgetaucht

Pikant: Seit August 2015 ist Pfarrer Patrick Mittermüller (47) aus dem Saarland offiziell von der Bildfläche verschwunden – im Kernser Dorf ist zu erfahren, dass die Krise bereits im Mai 2015 mit einer von ihm «verweigerten» Feier zur Neuuniformierung der örtlichen Harmoniemusik begann. Fast ein Jahr später informierte dann der zuständige Kirchgemeinderat im Vorfeld der Abwahl, dass Mittermüller «ununterbrochen krankheitsbedingt arbeitsunfähig» sei. Jegliche Kontaktversuche waren zuvor gescheitert. So weiss offenbar selbst der Kirchgemeinderat bis heute nicht, was dem erst 2014 gewählten Pfarrer fehlt – er kommuniziert nur durch seinen Anwalt. Dieser bekräftigte im Vorfeld der Abwahl, dass sein Mandant ins Pfarramt zurückkehren möchte, und beklagte die Verletzung von Persönlichkeits- und Arbeitnehmerrechten durch den Kirchgemeinderat. Mittermüller sei von Beginn weg unter Druck gesetzt worden, «was für seine gesundheitliche Situation nicht gerade förderlich ist», so der Anwalt damals gegenüber unserer Zeitung. Auf Angebote zur Wiedereingliederung sei die Kirchgemeinde gar nicht erst eingegangen. Und: Das Kirchgemeindevolk sei einseitig und unzutreffend informiert worden, so der Anwalt.

Rehabilitation nicht möglich

«Die ganze Geschichte ist für mich derart komisch und seltsam, dass ich das innerlich nur ganz schwer nachvollziehen kann», sagt Martin Kopp. «Der Fall ist so speziell, dass ich nur staunen und den Pfarrer bedauern kann.» Und zur Beschwerde meint er: «So ein Rekurs trägt zur seelsorgerischen Situation im Dorf null und nichts bei.» Um seine Rehabilitation als Seelsorger könne es dem Pfarrer nicht gehen. «Nach der ganzen Geschichte und was jetzt noch folgt, ist die Chance, dass er in der Schweiz nochmals als Pfarrer unterkommt, völlig irreal.» Von einer Rückkehr nach Kerns ganz zu schweigen.

Möglichst viele persönliche Vorteile herauszuschinden, «das ist vermutlich sein Interesse, darum soll seine Krankschreibung bis zum Sankt-Nimmerleins-Tag fortgeführt werden. Sonst macht man keine solchen juristischen Sachen», sagt Kopp weiter. Das Vorgehen werde mit seinem Juristen «genau austariert. Der nutzt jeglichen Spielraum.» Und solange sich der Abgewählte krankschreiben lasse, könne man nicht viel tun: «Die staatlichen Gesetze decken ihn. Der Bischof hat keine Polizei, die er schicken kann. Sein Heimatbischof in Deutschland ebenfalls nicht.»

Heimbistum ohne Zugriff

In Deutschland zumindest kennt man den Fall: «Wir stehen mit dem Bistum Chur in Kontakt und sind bemüht, so rasch wie möglich eine gemeinsame Lösung zu finden», sagt André Uzulis, Pressesprecher des zuständigen Bistums Trier, auf Anfrage. Und weiter: «Wir bedauern die entstandene Situation, gerade wenn eine Kommunikation nur noch juristisch erfolgt.» Der dabei in der Öffentlichkeit entstehende Eindruck schade nicht nur den Beteiligten, sondern auch der katholischen Kirche insgesamt. Als mögliche Lösung skizziert Uzulis die Aufhebung des Gestellungsvertrags über den Einsatz des Pfarrers in der Schweiz. «In diesem Falle müsste er dann in sein Heimatbistum zurückkehren.» Problem: Auch das Bistum Trier hat keinen Kontakt mit ihrem «Entsandten». Wie an einem Kernser Stammtisch zu erfahren ist, lebt der Saarländer nach wie vor in seiner Wohnung im Dorf, abgeschottet mit geschlossenen Storen. Tatsächlich gesichtet haben will ihn aber niemand im Dorf.

Erinnerungen an Fall in Giswil

So kurios die Geschichte auch daherkommt, einen abgetauchten Geistlichen, der mit den fast identischen Methoden vorging, gab es in Obwalden bereits schon einmal. Und zwar 2014/15 in Giswil: Nach fast 25 Jahren als protestantischer Priester wechselte Ulrich Schmaltz (57, ebenfalls gebürtiger Deutscher) damals von Erstfeld an den Fuss des Brünigs – und konvertierte zugleich zum Katholizismus. Im August 2014 wurde er als Gemeindeleiter eingesetzt, ab Weihnachten blieb er schliesslich Kirche und Dorf fern.

Krankgeschrieben war Schmaltz bereits vor seinem Weggang in Erstfeld – dasselbe Szenario folgte dann in Obwalden. Er wurde freigestellt, nach Ablauf der mehrmals «erstreckten» Sperrfrist infolge Krankheit wurde sein Vertrag per Mai 2015 gekündigt und somit auch die Lohnzahlungen. «Und solche Leute stehen auf der Kanzel und erzählen, wie wir leben sollen», ärgert sich noch heute ein Giswiler Kirchgänger über den «herben Zwischenfall». Mit Blick nach Kerns meint er jedoch: «Wir sind wohl noch mit einem blauen Auge davongekommen.»

Anwalt als gemeinsamer Nenner

Auch Martin Kopp hatte mit dem Fall in Giswil zu tun: «Ob ich einen Zusammenhang herstellen kann zwischen diesen beiden Geschichten? Eigentlich nicht unbedingt», sagt er und fügt an: «Was ich wohl wahrgenommen habe, ist, dass sie den gleichen Anwalt genommen haben.» Es sei also durchaus denkbar, dass sich die Seelsorger diesbezüglich ausgetauscht hätten. Im Dorf Kerns glaubt man gar zu wissen, dass sich die beiden deutschen Seelsorger des Öftern trafen.

Doch wie geht es nun weiter in dieser leidigen Posse? «Auf der Seite der Seelsorge ist Pfarrer Mittermüller zu einem grossen Teil bereits vergessen», sagt Martin Kopp. Mit einer «sehr guten Pfarreibeauftragten» ad interim und einem «tollen Team», teils mit Pfarrern im Ruhestand, sei man inzwischen wieder gut aufgestellt. Kirchenpolitisch sei die einzige Lösung die Rückkehr des Pfarrers nach Deutschland: «Dann kommt für ihn die Stunde der Wahrheit, respektive ein neuer Anfang, der nicht ganz einfach werden wird.» Illusionen macht sich Kopp deswegen aber keine: «Die deutsche Kirche tickt anders. Dort platziert der Bischof die Leute, dort gibt es auch keine Wahlen.» Einzig juristisch sei der Fall noch nicht abgeschlossen. «Im November dürfte die Zeit, in der er noch Lohn erhält, abgelaufen sein. Ob eine weitere Krankschreibung zusätzliche Zahlungen erlaubt, weiss ich nicht.» Ewig prozessieren könne Mittermüller jedoch nicht. «Ein weiterer Einsatz von einem relativ hochkarätigen Anwalt, das geht finanziell ins Unermessliche.»

Christoph Riebli

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