OBWALDEN: Kesb: In die Richtung solls weitergehen

Nach einem harzigen Start steht die Kesb offenbar auf einem soliden Fundament. Das will man auch der Öffentlichkeit beweisen.

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Präsidentin Monika Keller versicherte an der Infoveranstaltung, dass die Kesb Obwalden inzwischen «fest auf beiden Beinen steht». (Bild: Keystone/Urs Flüeler)

Präsidentin Monika Keller versicherte an der Infoveranstaltung, dass die Kesb Obwalden inzwischen «fest auf beiden Beinen steht». (Bild: Keystone/Urs Flüeler)

Adrian Venetz

Wer an die Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde (Kesb) denkt, verbindet damit oft negative Schlagzeilen. Das war und ist nicht nur in der Schweiz so – auch in Obwalden liess die Behörde seit dem Start am 1. Januar 2013 immer wieder mit Wechseln an der Spitze und Kündigungen aufhorchen. Damit soll nun aber Schluss sein. Mit einer Charmeoffensive hat sich die Kesb Obwalden Anfang Woche der Öffentlichkeit präsentiert. Weit über 100 Personen – vor allem Vertreter aus politischen und fachlichen Institutionen – folgten der Einladung der Behörde in den Kantonsratsaal. «Ich kann mich nicht erinnern, dass dieser Saal jemals so voll war», sagte Regierungsrätin Maya Büchi eingangs der Veranstaltung. Die Kesb ist administrativ dem kantonalen Sozialamt unterstellt und im Justiz- und Sicherheitsdepartement angesiedelt.

Arbeitslast war zu hoch

Entstanden ist die Kesb im Zuge von neuen Gesetzgebungen und Umstrukturierungen aus den ehemaligen Vormundschaftsbehörden der Gemeinden. Sie kommt dort zum Einsatz, wo die Beratungs- und Präventionsfachstellen des Kantons die Segel streichen müssen. Als Vollzugsbehörde ist sie teils mit tragischen Fällen und Schicksalen konfrontiert (siehe Kasten).

Personell ist die Kesb Obwalden seit dem Start praktisch ausgewechselt worden – mit wenigen Ausnahmen. Mitarbeiter hatten unter anderem wegen der hohen Arbeitslast gekündigt. Mit den anfänglichen 600 Stellenprozenten sei die Kesb Obwalden klar unterdotiert gewesen, sagte Regierungsrätin Büchi. Das Parlament hatte vor knapp einem Jahr eine höhere finanzielle Beteiligung der Gemeinden gutgeheissen und der Kesb damit eine Aufstockung auf 1000 Stellenprozente ermöglicht – allerdings nur befristet bis Ende 2016. Nach einer Evaluation, die bereits nächstes Jahr beginnt, soll bis 2017 feststehen, wie viele personelle und finanzielle Ressourcen die Kesb künftig benötigt.

«Bist du denn wahnsinnig?»

Die Kesb Obwalden steht seit Februar unter der Leitung von Monika Keller. «Wir haben gesucht – und wir haben gefunden», sagte eine sichtlich begeisterte Maya Büchi zur Anstellung von Keller. Diese zeigte sich bei der Infoveranstaltung am Montag ebenfalls begeistert: «Ich habe riesig Freude, dass die Kesb auch ohne Schlagzeilen einen ganzen Saal füllen kann», sagte die Luzernerin. Monika Keller verhehlte nicht, dass die Kesb Obwalden anfangs auch ausserhalb des Kantons nicht gerade in einem guten Licht dastand. «Bist du denn wahnsinnig geworden?», habe man sie gefragt, als sie sich entschieden hatte, hierher zu wechseln. Die Idee, nun eine grosse Informationsveranstaltung durchzuführen, sei auch «aus einer gewissen Verzweiflung heraus entstanden», räumte Monika Keller am Montag ein. Das Vertrauen in die Kesb Obwalden habe nach den Startschwierigkeiten und den personellen Fluktuationen enorm gelitten. «Aber ohne Vertrauen können wir nicht arbeiten.» Vertrauen sei «das Schmieröl für die Kesb», so Keller, zumal die Behörde teils in die privatesten Bereiche von Menschen eingreifen müsse. Ihre Hauptbotschaft: «Die Kesb Obwalden steht auf festen Beinen und bietet sich als vertrauenswürdige Partnerin an.» Um die Aussage zu untermauern, wurden an der Infoveranstaltung alle Mitarbeiter persönlich vorgestellt, danach gabs einen Apéro in den Kesb-Büros am Dorfplatz 4a in Sarnen.

Die Kesb Obwalden betreute per 1. August 2015 insgesamt 447 Fälle. 340 Fälle betreffen den Erwachsenenschutz, 107 den Kindesschutz. Monika Keller lobte in diesem Zusammenhang «die enorm konstruktive Zusammenarbeit» mit den Gemeinden. Eine Arbeitsgruppe mit Kesb-Delegierten sowie je einem Vertreter der Gemeinden trifft sich regelmässig, um offene Fragen und Anliegen zu besprechen.

Fallbeispiel: Bub wird misshandelt

Arbeitve. Monika Keller zeigte anhand einiger Fallbeispiele aus ihrer früheren Arbeit bei der Kesb Luzern-Land, mit welchen Fällen die Behörde konfrontiert wird.

Ein Beispiel: Die Kesb erhält einen Telefonanruf einer Lehrerin. Diese stellte im Turnunterricht fest, dass ein 10-jähriger Bub am Rücken massive Spuren von körperlicher Gewalt aufwies. Der Bub vertraute sich der Lehrerin an und sagte, er werde von seinem Vater geschlagen. Die Kesb wies die Lehrerin an, mit dem Kind ins Spital zu gehen und die Verletzungen zu dokumentieren. Für die Behörde war rasch klar, dass hier das Aufenthaltsbestimmungsrecht aufgehoben werden muss (früher «Obhutsentzug» genannt). Das Kind blieb vorderhand im Spital, und die Kesb nahm Kontakt zu den Eltern auf. «Das war ein tragischer Fall», so Keller. «Aber: Es war für die Kesb ein relativ einfacher Fall.» Oft nämlich müsse die Kesb lange und heikle Abklärungen treffen und andere Institutionen beiziehen, bevor sie einen Entscheid fällen könne.